Reduzierung des Herzinsuffizienzrisikos nach einem Herzinfarkt
Die ischämische Herzkrankheit fordert jährlich mehr als 1,7 Millionen Menschenleben und ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen in Europa. Obwohl die rasche Wiederherstellung des Blutflusses nach einem Herzinfarkt die Überlebensrate deutlich verbessert, kann der Prozess selbst schädliche Entzündungsreaktionen auslösen – sogenannte Reperfusionsschäden. Diese Folgeschäden erhöhen das Risiko einer Herzinsuffizienz – eine schwerwiegende Langzeitfolge, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind.
Ein anderer Ansatz, der zum Schutz des Herzens beiträgt
Entzündungsgeschehen sind ein wesentlicher Bestandteil des Heilungsprozesses nach einem Herzinfarkt. Die Herausforderung besteht darin, dass in schweren Fällen die Entzündungsreaktion über das Ziel hinausschießt und zu zusätzlichen Gewebeschäden beiträgt. Das EIC-finanzierte Projekt CardioProtectMI entwickelt eine neue Therapiestrategie, die darauf abzielt, die Entzündung nicht vollständig zu unterdrücken. Stattdessen soll sie diese wieder ins Gleichgewicht bringen und dadurch die Heilung nach einem Herzinfarkt fördern. Im Mittelpunkt steht RTP-026(öffnet in neuem Fenster), ein von ResoTher Pharma entwickeltes immunmodulatorisches Prüfpräparat. „Im Gegensatz zu herkömmlichen Ansätzen zur Entzündungshemmung zielt RTP-026 darauf ab, die Immunantwort des Körpers nach der Reperfusionstherapie zu regulieren“, erklärt Thomas Jonassen, Projektkoordinator und Gründer von ResoTher Pharma. Dieses Konzept der pharmakologischen Verbesserung unterscheidet RTP-026 von früheren kardioprotektiven Strategien, die eine umfassende Unterdrückung der Entzündung anstrebten. Durch die Beeinflussung der Entzündungsreaktion hin zur Verbesserung soll die Behandlung die Ausbreitung des Infarkts begrenzen, die Genesung beschleunigen und die Herzfunktion erhalten. Präklinische Studien lassen darauf schließen, dass die Therapie das Auftreten von Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt um mehr als 20 % verringern könnte. Dies würde potenziell erhebliche klinische Vorteile und erwartete jährliche Einsparungen im Gesundheitswesen von über 450 Millionen Euro mit sich bringen.
RTP-026 für die klinische Bewertung weiterentwickeln
Im Rahmen des Projekts wurde RTP-026 von der präklinischen Entwicklungsphase in eine patientenzentrierte klinische Bewertung überführt. Eine Phase-I-Studie belegte die Sicherheit und Verträglichkeit bei gesunden Freiwilligen und ebnete damit den Weg für Phase-II-Studien an Herzinfarktpatienten. Zu den wichtigsten Meilensteinen zählten die Fertigstellung und behördliche Genehmigung des Phase-IIa-Protokolls, der Abschluss der Besuche zur Eröffnung der Studienzentren und der Beginn der klinischen Rekrutierung in den teilnehmenden Zentren. Die klinischen Teams erhielten eine spezielle Schulung, um die Konsistenz bei Studienverfahren, Sicherheitsüberwachung und Datenerfassung zu gewährleisten. Nach Abschluss zweier Studienkohorten mit insgesamt 64 Teilnehmenden beschlossen die Forschenden, RTP-026 in eine größere Phase-IIb-Studie überzuführen. Diese Entscheidung wurde durch ermutigende Sicherheits- und Pharmakologie-Erkenntnisse gestützt. „Bereits nach der ersten Kohorte konnten wir feststellen, dass die Expositionswerte im erwarteten therapeutischen Bereich lagen und keine Todesfälle oder Wiedereinweisungen aufgrund schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse zu verzeichnen waren“, bemerkt Jonassen. Vorläufige Bildgebungsdaten ließen auch einen möglichen Schutz des Herzgewebes nach der Reperfusion erkennen. Ziel ist es, die endgültige Infarktgröße zu verringern, die einen der stärksten Prädiktoren für den Langzeitverlauf nach einem Herzinfarkt darstellt. Kleinere Infarkte gehen mit einem geringeren Risiko für Herzinsuffizienz, erneute Krankenhausaufnahme und Sterblichkeit einher.
Umgestaltung der kardiovaskulären Versorgung
Insgesamt unterstreicht CardioProtectMI die wachsende Bedeutung der Verbesserung von Entzündungen als therapeutisches Ziel in der kardiovaskulären Medizin. Bei den derzeitigen Behandlungen wird der Blutfluss in erster Linie mechanisch wiederhergestellt. Es gibt jedoch nur wenige Optionen, welche die entzündlichen Folgen der Reperfusionsschädigung direkt angehen. Bei Erfolg könnte RTP-026 als neuartige Therapie und Standardbehandlungsweg für Herzinfarkt dienen. Mit Blick auf die Zukunft plant das Konsortium, im Jahr 2026 eine größere Phase-IIb-Studie zu starten, unterstützt durch neu gesicherte Finanzmittel. Die klinische Entwicklung wird voraussichtlich bis 2027 andauern und Studienergebnisse werden im Jahr 2028 erwartet.