Wie klimagefährdete Regionen bei Verbreitung innovativer Anpassungslösungen zusammenarbeiten
Mit dem anhaltenden Anstieg der globalen Temperaturen nehmen auch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Alltag der Europäerinnen und Europäer zu. „Von extremen Hitzewellen über katastrophale Überschwemmungen bis hin zu verheerenden Waldbränden – der Klimawandel gefährdet bereits heute unser Leben, unseren Wohlstand und unser Wohlergehen, und ohne vorbeugende Maßnahmen werden sich die Risiken nur noch verschlimmern“, erläutert Vilija Balionyte-Merle, Senior-Geschäftsentwicklerin bei der norwegischen unabhängigen Forschungsorganisation SINTEF(öffnet in neuem Fenster). Dieses Risiko soll im Rahmen des Projekts RESIST(öffnet in neuem Fenster) angegangen werden, das innerhalb der EU-Mission Anpassung an den Klimawandel(öffnet in neuem Fenster) finanziert wird. Unter der Leitung von SINTEF und dem Innovationsberatungsunternehmen INOVA+(öffnet in neuem Fenster) verfolgt das Projektteam das Ziel, die Klimaresilienz zu erhöhen, den Wandel in zwölf ausgewählten klimagefährdeten Regionen Europas zu beschleunigen und die Markteinführungszeit von Anpassungslösungen zu verkürzen.
Die Kraft der Partnerschaften
Im Rahmen des Projekts werden fast einhundert innovative Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt und demonstriert. Jede davon wird in einer von vier Pilotregionen konzipiert, entwickelt und umgesetzt, die über Erfahrung mit Anpassungsmaßnahmen verfügen: in der Mitte Dänemarks, im Südwesten Finnlands, in Zentrum Portugals und im Nordosten Spaniens. Jede dieser Regionen ist Partnerin von zwei weniger erfahrenen Regionen, die vor ähnlichen klimatischen Herausforderungen stehen. Unter Nutzung der Erfahrungen der führenden Regionen hat das Team von RESIST seine Klimalösungen erprobt und validiert, bevor sie in die Partnerregionen übertragen und dort in größerem Maßstab umgesetzt wurden. So wurde beispielsweise Argos, ein in Katalonien entwickeltes Notfallwarnsystem(öffnet in neuem Fenster) in die Partnerregionen Apulien in Italien und Baixo Alentejo in Portugal übertragen. Mit Unterstützung von RESIST führten die Partnerregionen zusätzliche Forschungsarbeiten durch und passten das System mithilfe neuer Datensätze, Funktionen und Szenarien an. Apulien, dessen Wirtschaft stark vom Tourismus abhängig ist, passte die Frühwarnlösung an, um an Touristinnen und Touristen Informationen abzugeben, wie sie sich bei extremen Hitzewellen schützen können. Im Baixo Alentejo passten die Partner die Software derart an, dass Frühwarnungen vor Waldbrandgefahr ausgegeben werden können. Mit Unterstützung von RESIST entwickelten die Behörden in Dänemark eine App, die Daten zum Grundwasserspiegel nutzt, um die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig vor möglichen Überschwemmungen zu warnen. In der Region wurde außerdem ein Prototypmodell eines überschwemmungssicheren Hauses entwickelt, das auf eine Weise gebaut ist, dass Wasser ein- und austreten kann, ohne Schäden zu verursachen. Im Rahmen des Projekts wurden Tests durchgeführt, um zu untersuchen, wie sich verschiedene Dämmstoffe, Baumaterialien und bauliche Lösungen bei Überschwemmungen verhalten. Die Ergebnisse wurden an Behörden in Blekinge (Schweden) und Zemgale (Lettland) weitergegeben, zwei weitere Regionen, die zunehmend von Überflutung bedroht sind. „Durch den Austausch von Ideen, Wissen und Lösungen befähigen wir Regionen zum Aufbau eines klimaresilienteren Europas“, erklärt Balionyte-Merle.
Auf gutem Weg zur Marktakzeptanz und großflächigen Umsetzung
Die Projektarbeit trägt dazu bei, Europa als weltweit führend im Bereich der Klimaanpassung zu positionieren, und stößt auf Interesse seitens der Vereinigten Staaten und Chinas. „Europa steht an vorderster Front im Kampf gegen den Klimawandel“, fügt Balionyte-Merle hinzu. „Es ist nur natürlich, dass wir unsere Forschungskapazitäten im Sinne dieser dringenden globalen Herausforderung nutzen.“ Die Forschungsgruppe konzentriert sich nun darauf, die Markteinführung der RESIST-Lösungen voranzutreiben, wobei das Ziel verfolgt wird, bis zum Projektende einhundert vollständig marktreife Lösungen vorzulegen. „Um die technologischen Lösungen von RESIST näher an den kommerziellen und großräumigen Einsatz heranzuführen, besteht der nächste wichtige Schritt darin, unsere Verwertungsaktivitäten, die Unterstützung in Richtung Marktreife sowie die Zusammenarbeit mit Investierenden, Behörden und Innovationsökosystemen fortzusetzen“, erklärt Balionyte-Merle. Fortschritte sind bereits erkennbar. HYDS, ein KMU, das im Rahmen von RESIST an Frühwarnsystemen arbeitet, erkundet gegenwärtig neue Marktchancen in Kroatien. „Hier zeigt sich, wie wir unseren Partnern dabei helfen, über Forschung und Demonstration hinauszukommen und eine echte Marktpositionierung zu erreichen“, hebt sie hervor.