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Die Rolle der Menschen und Gemeinschaften bei der Durchsetzung des Umweltrechts stärken

Im Rahmen eines Konzepts der „Aktionsforschung“ erkundet das Team von MoRe4nature anhand von vierzig Fallbeispielen aus der Praxis, wie bürgergenerierte Daten, Wissen und gemeinschaftliches Handeln die kooperative Umsetzung von Vorschriften im Zusammenhang mit Umweltbelastung, biologischer Vielfalt und Entwaldung stärken können.

Es gibt bereits zahlreiche lokale und internationale Gesetze und Rahmenwerke zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung, zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Eindämmung der Entwaldung. Die Durchsetzung des Umweltrechts (Environmental Compliance Assurance, ECA), die die Förderung, Überwachung und Durchsetzung von Vorschriften umfasst, hinkt aufgrund mangelnder Sensibilisierung und langsamer Umsetzung hinterher. Bürgerwissenschaft kann dazu beitragen, diese Lücke mit Daten, Wissen und Maßnahmen zu schließen und gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, für Entscheidungen Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Bei der kooperativen Durchsetzung des Umweltrechts geht es genau darum: Mitmenschen, Gemeinschaften und zuständige Behörden als Partner bei der Durchsetzung des Umweltrechts. Das Team des bis Dezember 2027 laufenden EU-finanzierten Projekts MoRe4nature(öffnet in neuem Fenster) schafft die Grundlagen dafür(öffnet in neuem Fenster), wobei es sich damit befasst, wie bürgergenerierte Daten und Bürgeraktionen in die Durchsetzung des Umweltrechts integriert werden können.

Flexible, fünfstufige Methodik

Mithilfe eines Ansatzes der Aktionsforschung(öffnet in neuem Fenster) testet und verfeinert das Team des Projekts MoRe4nature eine Methodik anhand von vierzig Praxisfallstudien aus Europa, Lateinamerika, Asien und Afrika. Die projekteigene Methodik und die Instrumente sind darauf ausgelegt, Kapazitäten zu stärken, Datenlücken zu schließen, die Datenintegration in europäische Datenplattformen zu erleichtern, die Politik zu beeinflussen und die Dringlichkeit des Themas zu vermitteln. Die soziale Lernmethodik des Projekts umfasst fünf Stufen und ist strukturiert, aber dennoch flexibel genug, um an lokale Kontexte angepasst zu werden. Bislang wurden im Rahmen von MoRe4nature mehr als siebzig Bürgerwissenschaftsinitiativen sowie siebzig Behörden und nationale Stellen auf vier Kontinenten einbezogen.

Erfolgsgeschichten aus Irland und Polen

In Irland hat Coastwatch landesweit Küstenabschnitte untersucht, um die Einhaltung von Artikel 5 der EU-Richtlinie über Einwegkunststoffartikel zu überprüfen. Seit 2020 gesammelte bürgergenerierte Daten deckten Lücken bei der Durchsetzung auf und wiesen auf einen Anstieg verbotener Einwegkunststoffprodukte im Jahr 2024 hin. „Diese Erkenntnisse lösten eine Überprüfung der Zuständigkeiten bei der Durchsetzung sowie eine Kampagne der Umweltschutzbehörde aus, um verbotene Einwegkunststoffprodukte auf Großhandelsebene aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem wurden die Daten von Coastwatch zu verbotenen Einwegkunststoffartikeln nun in das nationale Überwachungskonzept für die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie integriert. Es ist nach wie vor möglich und wirtschaftlich attraktiv, verbotene Einwegkunststoffartikel auf Einzelhandelsebene zu importieren – aber das ist ein Anfang“, erklärt Projektkoordinatorin Uta Wehn vom IHE Delft Institute for Water Education(öffnet in neuem Fenster). Bei einem MoRe4nature-Fall in Polen wird untersucht, wie Luftqualitätsmessungen durch Bürgersensoren offizielle Überwachungsnetzwerke, die Bewertung der Umweltbelastung und Prognosen ergänzen könnten. Die zuständigen Behörden fördern bürgergeführte Überwachungsaktivitäten und erwägen den Einsatz passiver Stickstoffdioxid-Probenehmer als eine gültige Überwachungsmethode. Das Team von MoRe4nature unterstützt außerdem die Ermittlung und Visualisierung von Brennpunkten der Umweltbelastung. Die am Fall beteiligten Interessengruppen haben ein Handbuch der guten Arbeitspraktiken zur Datennutzung, zur Einbindung der Gemeinschaften und über Kommunikationsstrategien erstellt.

Rahmenwerk für kollaborative Durchsetzung des Umweltrechts

Das Gemeinschaftsunternehmen identifiziert und beseitigt relationale, politische und technische Hindernisse, der einer kooperativen Durchsetzung des Umweltrechts im Wege stehen. Dazu zählen häufig auftretende Diskrepanzen zwischen den Zielen von Bürgerwissenschaftsinitiativen und denen von Institutionen sowie chronische Unterfinanzierung und Kapazitätslücken. Auf technischer Ebene wendet das Team von MoRe4nature internationale Normen hinsichtlich Datenqualität, Datenzugang und ethischer Nutzung an. Die Anwendung dieser Normen gestattet es, im Rahmen von MoRe4nature einen Knotenpunkt für bürgergenerierte Daten aufzubauen, der in den Datenraum für den europäischen Grünen Deal(öffnet in neuem Fenster) integriert wird, und sich in Zusammenarbeit mit dem EU-finanzierten Projekt SAGE(öffnet in neuem Fenster) an die Europäische Cloud für offene Wissenschaft anzupassen. „Bürgerwissenschaftliche Initiativen, die an Projekt MoRe4nature teilnehmen, wenden FAIR-Prinzipien (auffindbar, zugänglich, interoperabel, wiederverwendbar) an und erkennen den Wert ihrer Daten über deren ursprünglichen Zweck hinaus an. Wir hoffen, dass auch ähnliche Initiativen diese Datenmanagementpraktiken umsetzen, denn viele unterschätzen möglicherweise den Wert ihrer Daten“, sagt Joan Masó vom CREAF, Mitglied des Projektkoordinationsteams. „Das Projekt MoRe4nature fördert den Dialog und die Partnerschaft zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Institutionen und verwandelt die Durchsetzung des Umweltrechts in eine Zusammenarbeit, bei der Mitmenschen und Gemeinschaften einen Teil der Lösung bilden“, bekräftigt Wehn. Werkzeuge und Erkenntnisse von MoRe4nature, die frei verfügbar sein werden, legen den Grundstein für eine großangelegte, weltweite Vervielfältigung der bürgergetriebenen, kollaborativen Durchsetzung des Umweltrechts.

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