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Ernst Jünger's Intercultural Encounters

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Ein neuer Ansatz zu den interkulturellen Begegnungen von Ernst Jünger

Eine EU-finanzierte Forschung hat sich in die Reisetagebücher von Ernst Jünger (1895-1998) aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vertieft. Dabei lag der Schwerpunkt auf den Darstellungen von interkulturellen Begegnungen des europäischen Schriftstellers und Denkers des 20. Jahrhunderts.

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Er war vor allem berühmt für seine Memoiren "In Stahlgewittern" (Storm of Steel) - ein Bericht über seine Erfahrungen als deutscher Offizier in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs - und veröffentlichte mehr als 50 Bände, darunter Tagebücher, Romane, Erzählungen und Essays. Das Projekt EJICEN (Ernst Jünger's intercultural encounters) wendete phänomenologische Forschung zu hermeneutischer Literatur an. Genauer gesagt ging es um die Frage, wie Jünger zwischenmenschliche Begegnungen über wahrgenommene kulturelle Grenzen hinweg anging, erfuhr und interpretierte - sowohl während des Krieges als auch im Alltag. Forschung berücksichtigte Jüngers Tagebücher, Briefe und veröffentlichte Werke, an ihn gerichtete Briefe, Memoiren von dritten Personen und Tonaufnahmen von Gesprächen. Dabei wurden Vorstellungen, der Schriftsteller sei unnahbar und abgehoben, durch die Hervorhebung eines intimen und zaghaften Austauschs in Frage gestellt. EJICEN untersuchte die Bedeutung dieses Austauschs für Jüngers literarische und intellektuelle Werke. Die Projektforschung umfasste Untersuchungen von Werken von zwei Philosophen (Emmanuel Levinas und Bernhard Waldenfels), denen ein ganz anderer Ansatz zu persönlichen Beziehungen nachgesagt wird. Andere Aktivitäten umfassten Archivrecherchen und Analysen mithilfe eines Rahmens auf der Basis von Konzepten der Phänomenologie. Die theoretische Arbeit von EJICEN über Begegnungen war die Grundlage einer internationalen Konferenz in Bristol, Großbritannien, im September 2014. Das Projekt führte auch Diskussionsrunden durch, bei denen die Teilnehmer nach Möglichkeiten suchten, wie Begegnungen wahrgenommen, konzipiert, durchgeführt und verfolgt werden. Ein Sammelband zu den Ergebnissen ist in Vorbereitung. Eine weitere Arbeit (zu Jünger als postkolonialer Autor) wurde bei einer deutschen Studienkonferenz vorgestellt und ebenfalls für die Veröffentlichung vorbereitet. Ferner trug das Projekt zu einer BBC-Dokumentation, "War of Words: Soldier-Poets of the Somme" bei und veröffentlichte einen Artikel in der Zeitschrift Cicero. Das Projekt erhielt sowohl von der breiten Öffentlichkeit als auch aus der akademischen Welt großes Interesse. Outreach-Veranstaltungen umfassten eine Präsentation auf dem Regensburger Filmfestival, Workshops für Schülerinnen und Schüler und einen Sommerkurs für begabte und talentierte Schüler der Sekundarstufe. Durch die Erforschung von Jüngers lange vernachlässigten Reisetagebüchern hat EJICEN zu einem neuen Ansatz zu seinem Werk beigetragen. Das Projekt legt den Grundstein für eine Monographie über Jünger als globalen Schriftsteller, der sehr an der Erforschung zwischenmenschlicher Begegnungen interessiert war. Insgesamt können Jüngers literarische Interessen und Strategien jetzt als ein wichtiger Bezugspunkt für den humanistischen Diskurs angesehen werden. 

Schlüsselbegriffe

interkulturelle Begegnungen, Reisetagebücher, Ernst Jünger, Zweiter Weltkrieg, hermeneutische Literatur

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