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Ehre, Kultur und Verhalten

Ein EU-Team studierte das Konzept der Ehre als kulturelle Geisteshaltung. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen Ehre als etwas räumlich Lokalisiertes wahrnehmen und dazu gehörten auch Geschlechterstereotypen und dass das Ehrgefühl bei Erwachsenen zu mehr Zorn und bei Kindern zu weniger Schwindeleien führen kann.

Gesellschaft

Menschen denken, fühlen und verhalten sich durch das Objektiv der Kultur. Individualismus und Kollektivismus als kulturelle Dimensionen wurden gut untersucht. Dennoch ist viel weniger über Ehrenkulturen bekannt, wie man diese aus arabischen und lateinamerikanischen Gesellschaften kennt. Das EU-finanzierte Projekt HONOR AS MINDSET (Honor as a cultural mindset: Effects on cognition, emotions, and behavior in children and adults) untersuchte theoretische Annahmen über Ehre. Die Untersuchungen umfassten die Aktivierung von Ehrgefühl, inwiefern Ehre das Selbstwertgefühl umfasst und mit Individualismus und Kollektivismus zusammenhängt, wobei die räumliche geistige Repräsentation der Ehre geprüft wird und wie ein aktiviertes Ehrgefühl das Denken, Fühlen und Verhalten von Erwachsenen und Kindern beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen, dass auch bei Menschen, die Ehrenwerte nicht unbedingt anerkennen, ein Ehrgefühl aktiviert werden kann. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass sowohl in Japan als auch in den USA Facetten der Ehre sowohl mit Individualismus als auch mit Kollektivismus zusammenhängen. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass in den kulturellen Gruppen Ehre nicht auf ähnlicher Weise mit Selbstwertgefühl verbunden ist (d.h. kein Zusammenhang mit sogenannten „Low-honour“-Kulturen). Weitere Erkenntnisse zeigen, dass die Ehre im Raum geistig vertreten ist. Mithilfe einer lexikalischen Entscheidungsaufgabe stellte das Team fest, dass Ehre gedanklich eher nach oben und rechts gerichtet ist und weniger nach unten und links. Die Forscher fanden weiter heraus, dass, sobald Ehre im Gedächtnis aktiviert ist, ein Individuum potentielle Merkmale eher als männlich interpretieren wird. Zusätzliche Studien verdeutlichten die Konsequenzen eines zugänglichen Ehrgefühls auf Kognition, Emotionen und Verhalten. Die Aktivierung eines Ehrgefühls bei Erwachsenen und Kindern verbesserte die Leistung bei Aufgaben, die hierarchisches Denken erfordern (z.B. am hellsten-dunkler-am dunkelsten), aber nicht bei Aufgaben, die ein nominales Denken erfordern (z.B. rot grün). Die Förderung des Ehrgefühls erhöhte auch die moralische Klarheit. Unter den Erwachsenen bedeutete ein zugängliches Ehrgefühl, dass Individuen sich sicherer waren, was moralisch richtig und was falsch ist. Sie waren zorniger und kommunizierten ihren Zorn leichter in der Öffentlichkeit aber nicht im privaten Bereich. Unter den Kindern reduzierte die Förderung des Ehrgefühls die Bereitschaft zum Schwindeln. Studienergebnisse zeigen, dass Ehre als kulturelles Gemeingut betrachtet werden kann und dass ein Ehrgefühl Leistung verbessern oder verschlechtern kann, wenn die Aufgabe nicht den Merkmalen der Denkweise entspricht.

Schlüsselbegriffe

Ehre, Kultur, Verhalten, kulturelle Denkweise, HONOR AS MINDSET, Kognition

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