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Von der Sicherheit hin zu Menschenrechten: die dringend benötigte Verlagerung der Medienerzählungen über klimabedingte Migration

In der Berichterstattung der Medien über den Klimawandel im Vereinigten Königreich wird eine der Hauptfolgen außer Acht gelassen: Migration. Letzteres wird eher als eine Sicherheitsfrage dargestellt, die schwerwiegende Auswirkungen auf die Politik und das öffentliche Verständnis des Themas hat. Ziel des Projekts IKETIS ist es, diesen Trend umzukehren.

Gesellschaft

IKETIS dreht sich im Wesentlichen um eine Frage: Gibt es eine Tendenz in der Art und Weise, wie die Medien klimabedingte Migration wahrnehmen und diskutieren? Wenn man sich die täglichen Schlagzeilen so ansieht, scheint es verlockend zu behaupten, dass dem so ist. Auf Google News beispielsweise führt die Verbindung der Schlagworte „Migration“ und „Sicherheit“ zu viermal so vielen Suchergebnissen wie die der Schlagworte Migration und Klimawandel.

Änderung der Erzählung über klimabedingte Migration

„Menschen, die aufgrund des Klimawandels abwandern, werden als Opfer eines sich ändernden Klimas verstanden, wobei die menschlichen Aspekte des Klimawandels allerdings relativ wenig Berücksichtigung finden. Die Tatsache, dass die Entwicklungsländer, die am wenigsten Verantwortung für den Klimawandel tragen, am stärksten betroffen sind, wird meist ignoriert. Stattdessen wird in den Medien in Industrieländern eher betont, wie die Staatenlosigkeit von Einwanderinnen und Einwanderern zu einer Sicherheitsbedrohung für die Aufnahmeländer werden kann“, erklärt Maria Sakellari, deren Projekt IKETIS im Rahmen eines Marie-Skłodowska-Curie-Einzelstipendiums finanziert wurde. Dies ist, gelinde gesagt, auf wackeligen Füßen. Zunächst einmal gibt es derzeit keine Beweise, die diese Argumentation stützen. Hinzu kommt, dass die Presse eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion öffentlicher Erzählungen einnimmt. Die Entstehung einer fortschrittlichen Migrationspolitik wird aber nicht nur durch die Konzentration auf Sicherheitsaspekte behindert, sondern es besteht auch die ernsthafte Gefahr, dass diese Erzählungen zu Gunsten der fremdenfeindlichen Stimmung, des Nationalismus und des Populismus wirken. Sogar NRO im Bereich Klimaschutz – die in hohem Maße auf die Medien angewiesen sind, um ihre Botschaften zu übermitteln – haben deren Darstellung der durch den Klimawandel verursachten Migration nachgeahmt, um ihre Wirkung zu maximieren. Darüber hinaus gibt es auch nur sehr wenige Forschungsarbeiten zu diesem Thema, was erklärt, wie das Projekt IKETIS entstanden ist. „Das Projekt konzentrierte sich auf den Aufbau von Kapazitäten bei Journalisten, NRO und politischen Entscheidungsträgern. Mein Ziel war es, dazu beizutragen, die Öffentlichkeit und die Politik für das Problem im Vereinigten Königreich zu sensibilisieren und so letztendlich die Wahrnehmung der durch den Klimawandel verursachten Migration zu ändern“, kommentiert Sakellari. Zu diesem Zweck untersuchte das Projekt IKETIS das Zusammenspiel von Medienerzählungen, Politik und gesellschaftlichen Trends und versuchte, den bestmöglichen Blickwinkel für eine Kursänderung zu ermitteln. Interviews und Verhaltensumfragen ergaben beispielsweise, dass Journalistinnen und Journalisten, NRO sowie auch politische Entscheidungstragende im Vereinigten Königreich nicht der Ansicht sind, dass ihre Zielgruppen positiv auf eine Kampagne zur durch den Klimawandel verursachten Migration reagieren würden. Sie sind jedoch dazu bereit, die Öffentlichkeit auf neue Weise einzubeziehen, um das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen.

Neue Instrumente für eine bessere Einbindung der Öffentlichkeit

Vor diesem Hintergrund entwickelte Sakellari E-Learning-Instrumente, die in einem Fünf-Punkte-Leitfaden zusammengefasst werden können, der dazu beitragen wird, die Geschichte der Migration im Kontext eines sich ändernden Klimas zu vermitteln. Die ersten vier Punkte betreffen die Verwendung einer auf Fakten basierenden Kommunikation, die Vermeidung einer übermäßig vereinfachten Sicht auf Opfer und Bedrohung, die Berücksichtigung der Umstände, die zur Migration führen und die Möglichkeit für Migrantinnen und Migranten, sich zu äußern. Der letzte Punkt ist dagegen eher ein Paradigmenwechsel: dieser erfordert ein Loslassen der „Wir-gegen-sie“-Dichotomie zugunsten von sozialer Gerechtigkeit, Fairness und Menschenrechten für alle. „Da die Berichterstattung der Medien über Klimagerechtigkeit langsam zunimmt, hoffe ich, dass die Ergebnisse von IKETIS dabei helfen werden, den Mediendiskurs in Richtung Schutz und Rechte zu verlagern. Die Idee ist, migrantenfeindlichen Erzählungen entgegenzuwirken und den Weg für eine faire und integrative Politik zu ebnen“, erklärt Sakellari. Die Forschungsarbeiten im Rahmen des Projekts IKETIS wurden im April 2019 abgeschlossen. Sakellari beabsichtigt nun, ihre Arbeit fortzusetzen, indem sie sich auf die Bildung konzentriert: „Meine Pläne nach dem Abschluss des Projekts bestehen insbesondere darin, das Wissen über soziale Bewegungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel in die Klimaschutzbildung zu integrieren und Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt ihrer Programme zu stellen.“

Schlüsselbegriffe

IKETIS, Migration, Klimawandel, Sicherheit, Migrantinnen und Migranten, UK, Vereinigtes Königreich

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