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Transformation of Family Norms in a Transnational World: How LGBT Migrants can Affect Change through Social Remittances

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Wahrnehmung und Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Familien in unterschiedlichen Gesellschaften verändern

Transnationale Migration kann die im Alltag als gegeben betrachtete „Normalität“ stören und dadurch einen Perspektivenwandel ermöglichen. Das von der EU im Rahmen der Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen finanzierte Projekt TOFNITW (auch TransNorm) hat untersucht, wie sich solche gesellschaftlichen Erwartungshaltungen und Gesetze auf die Erfahrungen lesbischer, schwuler und bisexueller (LGB) Migrant/innen und ihrer Familien auswirken.

Gesellschaft

Heimatüberweisungen sind Geldsendungen, die ausländische Arbeitskräfte in ihr Heimatland schicken. Der Transfer sozialer Kompetenzen (die sog. „social remittance“) ist das gesellschaftliche Pendant dazu und geschieht, wenn Migrant/innen ihr Heimatland besuchen oder dorthin zurückkehren und mit ihren neu eingebrachten Realitäten das Bewusstsein und die Wahrnehmung hinsichtlich verschiedener Herangehens- und Betrachtungsweisen verändern. Bisher gibt es dazu jedoch kaum empirische Daten. In seiner Studie zu diesem Phänomen konnte das TOFNITW-Projekt zeigen, wie tiefgreifend sich die nationalen sozio-institutionellen Rahmenbedingungen auf das alltägliche Leben und die Familien von LGB-Personen sowohl in ihrem neuen Land als auch in ihrem Herkunftsland auswirken. Die Exposition gegenüber Alternativen kann das Verständnis davon, was „normal“ ist, allerdings erweitern.

Gesetze und Wahrnehmungen parallel verändern

Um herauszufinden, wie Gesetze und Institutionen das Leben von LGB-Personen und deren Familien beeinflussen, hat das TOFNITW-Projekt die Unterschiede zwischen verschiedenen europäischen Ländern in Bezug auf die rechtliche Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe untersucht. Die Studie bezog sich auf Belgien und die Niederlande als Aufnahmestaaten, da in diesen Ländern die gleichgeschlechtliche Ehe am längsten etabliert ist, sowie auf dort lebende LGB-Migrant/innen aus dem ausgewählten Länderkreis Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Polen und der Slowakei, wo die Ehe gesetzlich ausschließlich als Bund zwischen Mann und Frau definiert ist. Um diesen Forschungsteilnehmern, die oft Ausgrenzung erfahren, die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen eingehend und aus eigener Sicht zu schildern, wurden elf ausführliche Interviews durchgeführt. Befragt wurden dabei verheiratete Personen und Personen, die mit einem/einer gleichgeschlechtlichen Partner/in ein Kind aufziehen. Darüber hinaus erfolgten 17 Interviews mit Personen aus dem Familien- und Freundeskreis in den fünf mittel- und osteuropäischen Ländern durchgeführt. Eine wichtige Erkenntnis des Projekts lag darin, dass die Sichtbarkeit eine entscheidende Rolle spielt und dass ein besserer Rechtsschutz diese Sichtbarkeit erhöht – ein wichtiger Beitrag, um den Wandel hin zur „Normalisierung“ nicht-heterosexueller Familien zu fördern. „Um eine Veränderung zu bewirken, können Aktivisten persönliche Alltagsgeschichten nicht-heterosexueller Familien sichtbarer machen. Zugleich sollte die Politik ein sicheres Umfeld für solche Geschichten schaffen, um diese zu validieren und damit ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit zu senden, sodass aus gesetzlicher Akzeptanz gesellschaftliche Akzeptanz erwachsen kann“, sagt die leitende Forscherin Tanja Vuckovic Juros von der KU Löwen. Daran schloss sich außerdem die wichtige Erkenntnis an, dass es wenig sinnvoll ist, mit der Einführung von Gesetzen, die nicht-heterosexuelle Familien vollständig anerkennen und schützen, bis zu einer öffentlichen Akzeptanz zu warten, da die Exposition gegenüber alternativen Familienformen (die in anderen Ländern legal sind) Wahrnehmungen verändern kann. In der Tat verhält es sich sogar so, dass Gesetzesänderungen dort, wo die implizite Akzeptanz persönlicher Vorurteile nicht mehr verbreitet ist, und ein Bewusstseinswandel im Verständnis des „Normalen“ Hand in Hand gehen.

Politische Implikationen

Im Rahmen des Projekts entstand eine Reihe von aufklärenden Cartoons und Broschüren, die in den Sprachen der Studienteilnehmer/innen erschienen. „Es war mir ein Bedürfnis, die Schlüsselbotschaften des Projekts jenseits des akademischen Kreises auch der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Deshalb habe ich mir Printgeschichten ausgedacht, die ich verteilen konnte“, erinnert sich Vuckovic Juros. Das Projekt hat gezeigt, wie spürbar sich eine LGB-exkludierende Politik und Gesetzgebung nicht nur auf LGB-Personen selbst, sondern auch auf ihre Familien und die Gesellschaft im Allgemeinen auswirken. Diese Erkenntnis hat auch politische Implikationen für das Engagement der EU, sicherzustellen, dass alle Mitgliedstaaten für LGB-Familien förderliche gleichstellungspolitische Maßnahmen beschließen und umsetzen. „Diese weiter reichenden sozialen Kosten werden in der Fachliteratur sowie in der Politik nach wie vor unterschätzt. Diese Studie ist meines Wissens nach die einzige Forschungsarbeit zu Familien von LGB-Migranten – seien es neu gebildete oder auch Familien, die schon im Herkunftsland bestanden haben. Von daher eröffnen unsere Erkenntnisse eine neue Sichtweise auf Sexualität, Familie und transnationale Migration“, so Vuckovic Juros.

Schlüsselbegriffe

TOFNITW, gleichgeschlechtliche Paare, Ehe, Migration, transnational, LGB, lesbisch, schwul, bisexuell, Transfer sozialer Kompetenzen, Social Remittance, legal, Gesetze

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