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Neurocomputational mechanisms underlying age-related performance changes in goal-directed decisions from experience

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Der Schlüssel zu besseren Entscheidungen im hohen Alter

Viele von uns werden länger leben können als unsere Großelterngeneration, doch die Lebensqualität im hohen Alter hängt davon ab, ob wir uns unsere Fähigkeit zum Treffen von Entscheidungen erhalten können. Dank der Grundlagenforschung des EU-Projekts AGERISK könnte unsere Gesellschaft noch besser dafür sorgen, dass sich ältere Menschen ihre Eigenständigkeit beim Entscheiden bewahren.

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Dass Ältere häufig schlechtere zielgerichtete Entscheidungen treffen als Jüngere, ist der Grundlagenforschung im EU-Projekt AGERISK zufolge eine Veränderung, die sich auf wichtige Entscheidungen im Bereich Gesundheit oder Finanzen auswirken könnte. Anhand dieser Studie könnten die Gesellschaften eines Tages Maßnahmen umsetzen, die unsere Lebensqualität beim Altern steigern. Der im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen geförderte Forscher Dr. Job Schepens fand Veränderungen in den Entscheidungen älterer Erwachsener, die von der Komplexität ihrer Umgebung abhängen. „Es scheint, als ob Ältere sich länger auf einfache Lernstrategien verlassen, je anspruchsvoller die Entscheidungsumgebung wird“, schreiben Dr. Schepens und Kollegen in „Aging of the Exploring Mind: Older Adults Deviate more from Optimality in Complex Choice Environments“, einem Artikel über die Untersuchungsergebnisse. Die Autoren verglichen 32 ältere Freiwillige mit 29 jungen Erwachsenen bei ihrem Umgang mit Problemen vom Typ „mehrarmiger Bandit“. Beim „Banditentest“ haben die Teilnehmer Spielautomaten mit mehreren Hebeln, aber nur eine begrenzte Anzahl von Versuchen zur Verfügung, um durch Ziehen an verschiedenen Hebeln möglichst viel Geld zu gewinnen. Sie müssen entscheiden, an welchem Hebel sie ziehen: an dem, der bisher die höchsten Gewinne gebracht hat, oder einem anderen, der vielleicht noch besser ist?

Im Revier der Banditen

Bei diesem Test bekommen es die Teilnehmer mit dem Prinzip des „Explore-exploit Trade-off“ zu tun: Bleibt man bei dem, was man kennt, und bekommt in etwa das, was man erwartet (ausnutzen) oder entscheidet man sich für etwas Unbekanntes und könnte dabei etwas lernen oder mehr bekommen (entdecken)? „Ältere Erwachsene entscheiden sich etwa 5 % seltener als junge Erwachsene für die Option, die den höchsten Nutzen verspricht“, so die Forscher. „Die Entdeckungsphase scheint bei Älteren suboptimal und vielgestaltiger abzulaufen.“ Die Forscher erklären sich das damit, dass es uns, je älter wir werden, immer schwerer fällt, uns in der Zukunft zu erwartende Gewinne lebendig auszumalen. Neben laborbasierten Experimenten sammelt Dr. Schepens außerdem auch im größeren Maßstab Daten im Internet, wobei ihm sein Abschluss in künstlicher Intelligenz und seine Promotion in Computerlinguistik mehr als gelegen kommt. Im Rahmen des Marie-Skłodowska-Curie-Stipendiums wurde er auch im Computermodellieren von Prozessen des Verstärkungslernens geschult. Die Forschungsgruppe hat die Ergebnisse auf Konferenzen mehrerer unterschiedlicher Fachbereiche, wie beispielsweise der kognitiven Entwicklungsneuropsychologie oder Neuroökonomie, präsentiert. „Für Forschende mit den Schwerpunkten Altern, Entscheidungsfindung sowie neuronale Plastizität und Lernen sollten diese Ergebnisse interessant sein“, so Dr. Schepens. „Aus dem Projekt ergeben sich neue Forschungsfragen zu Möglichkeiten der Erweiterung mentaler Repräsentationen von komplexen Entscheidungsumgebungen.“ Für Universitäten und Bildungsträger, zu deren Zielgruppe Spätstudierende gehören, könnten die Ergebnisse von AGERISK über das Lernen älterer Erwachsener von besonderem Interesse sein. Um auf den ersten Erkenntnissen der Grundlagenforschung aufzubauen, werden weitere Untersuchungen nötig sein, aber das Forscherteam geht davon aus, dass dieses Feld für politische Entscheidungsträger angesichts der alternden Bevölkerung besondere Bedeutung hat. „Mit den Erkenntnissen aus dem Projekt sollte klarer werden, wie ältere Erwachsene ihre Eigenständigkeit beim Entscheiden erhalten können“, so Dr. Schepens.

Schlüsselbegriffe

AGERISK, Entscheidungsfindung, Entscheiden, Explore-exploit Trade-off, Dilemma zwischen Entdecken und Ausnutzen, Banditentest, Neurowissenschaft, Neuroökonomie

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