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FocusLocus: ADHD management Gaming System for educational achievement and social inclusion

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Spielebasiertes Förderungskonzept soll Kindern mit ADHS helfen

7 % der Bevölkerung sind von der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betroffen, die Verhaltensprobleme, Lernschwächen und soziale Ausgrenzung mit sich bringt. Ein EU-finanziertes Projekt stellt jetzt ein neues Spielesystem als alternative Behandlungsmethode bei ADHS vor.

Gesellschaft

„Im Projekt FocusLocus sollte ein innovatives und revolutionäres spielebasiertes Förderungskonzept entwickelt werden, mit dessen Hilfe Kinder ihre ADHS-Symptome in den Griff bekommen oder überwinden können“, erklärt Projektkoordinator Stelios C. A. Thomopoulos. Auf der fundierten Basis von Kognitionsforschung entstand im Rahmen von FocusLocus das Spielesystem REEFOCUS, das multisensorische Schulungsmethoden zur Verhaltensänderung sowie zum Erwerb von mentalen und motorischen Fähigkeiten bietet. „REEFOCUS ist als wirksame und kostengünstige Alternative zur ADHS-Behandlung gedacht, ohne die unerwünschten Nebenwirkungen der aktuell gängigen Methoden (z. B. Medikamente)“, ergänzt Thomopoulos.

REEFOCUS im Fokus

Bei REEFOCUS spielt man in einer Unterwasserwelt und kümmert sich um Schutz und Ausbreitung von Leben im Kontext des Ökosystems Korallenriff. „REEFOCUS ist ein gewaltloses Spiel, das für alle Geschlechter und kulturellen Hintergründe geeignet ist, und fördert durch seinen pädagogischen Charakter das Umweltbewusstsein“, so Thomopoulos. Um ADHS-Symptome zu lindern, trainiert REEFOCUS zielgenau bestimmte kognitive Fähigkeiten, die bekanntermaßen bei ADHS beeinträchtigt werden, mit Hilfe von Minispielen, die als Übungsreihen dienen. „Die Minispiele sorgen dafür, dass das Interesse und die Mitwirkung des Spielers aufrecht erhalten bleiben, anders als bei konventionellen Übungen in klinischen Umgebungen“, betont Thomopoulos. Das Format des Minispiels eignet sich außerdem sehr gut für eine zuverlässige Leistungsbewertung und entsprechende Anpassungen im Schwierigkeitsgrad der kognitiven Übungen. „Mit den aktuell im REEFOCUS verwendeten Minispielen soll an innerer Unruhe, Affektkontrolle, anhaltender Aufmerksamkeit, motorischer Koordination, Arbeitsgedächtnis und selektiver Aufmerksamkeit gearbeitet werden.“ Im Spiel ist eine individuelle Behandlung möglich, weil zielgenau die diagnostizierten Defizite und der persönliche Zustand jedes Kindes bearbeitet und die Schulungsmethoden den Fortschritten des Kindes im Spiel angepasst werden. Ergänzt wird das Spiel durch eine Internetanwendung von REEFOCUS, die eingebauten Datenschutz bietet und über jeden Internetbrowser verwendbar ist. Eltern, Mediziner und Sonderpädagogen können hier Patientenprofile verwalten, die Fortschritte des Kindes überwachen, leistungsbezogene statistische Daten einsehen und die Einstellungen des Spiels sowie den Interventionsplan personalisieren. Getestet wurde REEFOCUS 2018 in einer klinischen Pilotstudie im Krankenhaus Sant Joan de Déu in Barcelona, Spanien. Daran nahmen 75 Kinder mit ADHS-Diagnose teil. „Sämtliche Sitzungen wurden über ein sicheres eigenes VPN von REEFOCUS per DSGVO-konformer Telemetrie überwacht“, erklären der technische Leiter Adam Doulgerakis und die Leiterin für Pilotanwendungen und ethische Fragen Maria Bessa. „Erste telemetrische Datenanalysen lassen auf eine deutliche Leistungsverbesserung der Kinder in allen in den Minispielen geschulten kognitiven Bereichen schließen“, ergänzen Projektmanager Tassos Kanellos und Eftichia Georgiou, die für die Datenanalytik zuständig ist.

Die Zukunft

„REEFOCUS wurde erfolgreich einer klinischen Pilotstudie getestet. Die Datenfülle, die wir über die Telemetrie von FocusLocus sammeln konnten, verspricht eine vielversprechende Zukunft des Spiels als nicht medikamentöse Behandlungsoption für ADHS“, so Thomopoulos. Einer der nächsten Schritte für das Projekt soll ein groß angelegter Pilottest werden, um den vorgeschlagenen Ansatz zu validieren und der Kommerzialisierung von REEFOCUS ein Stück näher zu kommen. „Wir arbeiten in mehrere Richtungen. Wir schauen uns verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten und -instrumente an, um Kapital für die Kommerzialisierung von REEFOCUS zu sammeln“, betont Thomopoulos. Gleichzeitig laufen Verhandlungen über weitere Pilotstudien mit einer größeren Probandenzahl sowie Arbeiten an Vergleichsstudien in gesunden Populationen und an der Ausweitung auf andere kognitive Störungen.

Schlüsselbegriffe

FocusLocus, REEFOCUS, ADHS, spielebasierte Förderung, Spielesystem, ADHS-Behandlung, kognitive Fähigkeiten, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

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