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Steigerung der Energieeffizienz durch Gebäudeinformationsmodellierung

Durch Bereitstellung von Schulungen in der Gebäudeinformationsmodellierung hilft das Projekt Net-UBIEP dem Gebäudesektor, Gebäudeeigentümern und Behörden, Entscheidungen auf der Grundlage von Energieinformationen zu treffen.

Energie

Die Büros, in denen wir arbeiten, die Geschäfte, in denen wir einkaufen, und die Häuser, in denen wir leben, verbrauchen viel Energie. Tatsächlich zeichnen Gebäude für fast 40 % des Gesamtenergieverbrauchs in Europa verantwortlich. Wenn Europa seinen CO2-Fußabdruck verringern will, muss der Gebäudesektor seine Energieeffizienz und -leistung steigern. Eine Möglichkeit hierfür ist die Gebäudeinformationsmodellierung. „Durch Berücksichtigung aller Energieaspekte des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – Entwurf, Bau, Verwaltung, Wartung und Abbruch – hilft Gebäudeinformationsmodellierung dabei, die Umweltauswirkungen von Gebäuden zu verringern“, sagt Anna Moreno, eine leitende Forscherin bei ENEA, der nationalen italienischen Agentur für neue Technologien, Energie und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Moreno fungiert auch als Koordinatorin von Net-UBIEP (Network for Using BIM to Increase the Energy Performance), einem EU-finanzierten Projekt, das daran arbeitet, die Nutzung der Gebäudeinformationsmodellierung im Gebäudesektor zu erhöhen.

Eine Änderung der Denkweise

Mit einer Reihe unterschiedlicher Instrumente und Technologien werden in der Gebäudeinformationsmodellierung Darstellungen der physikalischen und funktionalen Eigenschaften eines Gebäudes erstellt. Auf Energieeffizienz angewendet, ermöglicht sie Baufachleuten die Untersuchung und Vorhersage des Energieverbrauch eines Gebäudes. „Gebäudeinformationsmodellierung ist eine Änderung der Denkweise, die erfordert, dass ein Gebäude nicht als eine fertige Struktur, sondern als eine Serie von Phasen betrachtet wird“, erklärt Moreno. „Da sich die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes im Lauf seines Lebenszyklus verändert, können Baufachleute die Gebäudeinformationsmodellierung einsetzen, um die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes in jeder Phase seines Lebenszyklus vorherzusagen, und, auf der Grundlage dieser Informationen, geeignete Energiesparlösungen umsetzen.“ Aber bevor der Gebäudesektor beginnt, solche Entscheidungen auf Basis von Energieinformationen zu treffen, muss man sich zuerst mit dem Prozess der Gebäudeinformationsmodellierung befassen. Und hier kommt das Projekt Net-UBIEP ins Spiel. „Alle Beschäftigten in den Bereichen Technik, Behörden, Planung, Bau und Gebäudeverwaltung müssen verstehen, wie die von ihnen verwalteten Informationen von anderen Personen in späteren Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes genutzt werden könnten“, sagt Moreno. „Mit unserem Projekt wollen wir all diese Fachleute erreichen und sie mit Schulungen dazu motivieren, den Prozess der Gebäudeinformationsmodellierung umzusetzen.“ Im Rahmen des Projekts wurden Schulungs-, Qualifizierungs- und Zertifizierungsprogramme entwickelt, die speziell den Kompetenzmangel im Bereich Energie angehen. Nach einer erfolgreichen Teilnahme an den Programmen gilt eine Fachkraft als kompetent, entweder als Gutachter(in) für Gebäudeinformationsmodellierung, Gebäudefachkraft, Koordinator(in), Fachkraft oder Nutzer(in).

Umfassende Schulung

Alle Net-UBIEP-Materialien stehen auf der Projektwebsite in acht Sprachen (Kroatisch, Holländisch, Englisch, Estnisch, Italienisch, Litauisch, Slowakisch und Spanisch) öffentlich zur Verfügung. Zusätzlich steht ein E-Learning-Kurs für Beschäftigte im Bereich Technik zur Verfügung, die üblicherweise nicht über die Flexibilität verfügen, an einem Präsenzkurs teilzunehmen. Obwohl das Projekt noch im Gange ist, wird gehofft, dass nach Abschluss seinem die Kompetenzen im Bereich Energieeffizienz von mehr als 2 000 Baufachleuten erhöht worden sein werden. Am Projekt beteiligte Forschende ermuntern die Mitgliedsstaaten, Universitäten und Berufsverbände, die Teilnahme an den Net-UBIEP-Qualifizierungskursen zu fördern. „Mit dem Projekt wurde der Grundstein für die Digitalisierung des Gebäudesektors gelegt“, fügt Moreno hinzu. „Jetzt liegt es an den Mitgliedsstaaten, auf unserer Arbeit aufzubauen und den öffentlichen und den privaten Sektor dazu zu bewegen, bei allen Bauprojekten Gebäudeinformationsmodellierung einzusetzen.“ Das Net-UBIEP-Team arbeitet auch mit den öffentlichen Verwaltungen zusammen, um Schulung und Zertifizierung im Bereich Gebäudeinformationsmodellierung zu einem Erfordernis im öffentlichen Beschaffungsprozess zu machen. Schlussendlich unterzeichnete Net-UBIEP am 28. Oktober 2019 eine Absichtserklärung mit Building Smart International (bSI), in der die Integration des Net-UBIEP-Qualifizierungsprogramms als ein neues Modul des individuellen Qualifizierungsprogramms von bSI vorgesehen ist. Das ist von großer Bedeutung, denn, sobald dies umgesetzt wird, hat jedes Land der Welt über sein nationales bSI-Kapitel Zugriff auf die Net-UBIEP-Qualifizierung.

Schlüsselbegriffe

Net-UBIEP, Gebäudeinformationsmodellierung, Gesamtenergieeffizienz, E-Learning, Schulung, Qualifizierung, Bau, Zertifizierung

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21 Oktober 2020