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Mit Mikrowellensensoren durch die Wolkendecke der Erde sehen

Erdbeobachtung soll stärker für die Landwirtschaft genutzt werden. Darum kommen im EU-finanzierten Projekt WATER4AGRI Mikrowellensensoren und -daten zum Einsatz, um Feuchtigkeit und Temperatur des Bodens zu messen.

Klimawandel und Umwelt
Lebensmittel und natürliche Ressourcen

Seien es länger anhaltende Dürren, häufigere Überschwemmungen oder hartnäckigere Pflanzenkrankheiten – der Klimawandel stellt den europäischen Agrarsektor vor ganz neue Herausforderungen. Auf der Suche nach Lösungen für diese klimabezogenen Probleme kommt für die EU die Erdbeobachtung als vielversprechendes Instrument in Frage. Doch Erdbeobachtung basiert meistens auf Bildern und ist daher nur begrenzt nutzbar, wenn es darum geht, durch die Wolkendecke der Erde zu „sehen“. Das niederländische Unternehmen VanderSat hat dafür einen anderen Ansatz. Gefördert durch das EU-finanzierte Projekt WATER4AGRI nutzt dieser Erdbeobachtungsanbieter keine Bilder, sondern Mikrowellensensoren und -daten, um Feuchtigkeit und Temperatur des Bodens zu messen. Mit diesen Mikrowellendaten setzt VanderSat genau an einem der größten Schwachpunkte der Stallitenbilddaten an: der Wolkendecke. „Wenn man sich dem anderen Ende des elektromagnetischen Spektrums Richtung Mikrowellen nähert, ist der Vorteil, dass man Informationen über den Untergrund der Erde bekommt, die nicht von der Wolkendecke gestört werden können, weil sie nicht im sichtbaren Bereich liegen“, so Richard de Jeu, Gründer und technischer Direktor bei VanderSat. „Dank dieser Daten bekommen wir Einblick in den physischen Zustand der Pflanzen und haben eine zuverlässige Prognose für Ertrag, Überschwemmungen oder Dürre“, ergänzt Robbert Mica, Mitgründer und Vertriebsleiter bei VanderSat.

Es geht um Wissenschaft

VanderSat sammelt Daten mehrerer verschiedener Satelliten, die von Einrichtungen aus der ganzen Welt betrieben werden, und misst so täglich die Bodenfeuchte und -temperatur. Daraus ist eine Datenbank entstanden, die die letzten 40 Jahre abbildet. Aber VanderSat ist viel mehr als ein Datenunternehmen. Es ist ein Wissenschaftsunternehmen. „Wir liefern nicht nur Daten, wir decken auch die letzte Meile ab, weil wir wissenschaftlich arbeiten“, erklärt Mica. „Wissenschaft ist für uns das Wichtigste, weil wir nur damit nützliche Instrumente für den Agrarsektor schaffen können.“ Zum Beispiel durch die Partnerschaft zwischen VanderSat und Swiss Re, einem der größten globalen Rückversicherer. Mica zufolge ist von den 7 Milliarden Hektar Ackerland weltweit nur 1 Milliarde versichert. Damit Versicherungen und Rückversicherungen einschätzen können, welche Bedingungen unnormal und versicherungswürdig sind, müssen sie zunächst wissen was normal ist. „Langfristige und konsistente Daten sind wichtig, und die Datensätze und Ressourcen, die im Projekt WATER4AGRI entwickelt wurden, können genau diese Art von Informationen liefern“, so Mica. Das Unternehmen arbeitet außerdem gemeinsam mit dem deutschen Chemiekonzern BASF an einem Produkt, das Landwirten individuell zugeschnittene Landkarten sowie optimierte Zeitpläne für Pflanzenschutzmaßnahmen ausgibt. „Nur wenn man die Bodenfeuchte kennt, lassen sich Risiken für den Ertrag und die Pflanzenentwicklung genauer vorhersagen“, so Ole Peters, technischer Leiter im Digital Farming Team im BASF-Unternehmensbereich Agricultural Solutions. „Wir integrieren die Daten von VanderSat in unsere digitale Anbautechnologie, damit die Landwirte noch genauere, feldzonenspezifische Informationen und Vorhersagen bekommen, wodurch wiederum der Einsatz von Wasser und Pflanzenmaterial effizienter und nachhaltiger gestaltet werden kann“, ergänzt er.

Weltweit führend

Dies sind nur zwei Beispiele dafür wie VanderSat Wissenschaft in praktische und nützliche Lösungen für Landwirte umsetzt. „Das Projekt WATER4AGRI war für unser Unternehmen ein Sprungbrett, über das wir schnell eine marktfähige Dienstleistung aufbauen konnten“, fügt de Jeu hinzu. „Dadurch sind wir heute in unserem Bereich einer der weltweit führenden Akteure der Erdbeobachtung und liefern Daten und Informationen an Landwirte in Europa, den USA, Brasilien und weiteren Ländern.“

Schlüsselbegriffe

WATER4AGRI, Erdbeobachtung, Landwirtschaft, Mikrowellensensoren, Daten, Bodenfeuchte, Bodentemperatur, Klimawandel, VanderSat, Swiss Re, BASF

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