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Reducing the unemployment rate amongst blind people by introducing a working tool that increases their autonomy and productivity.

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Arbeitslosenquote bei Menschen mit Sehbehinderungen in Europa soll sinken

In Europa sind etwa 2,65 Millionen Menschen blind. Davon sind im erwerbsfähigen Alter 75 % arbeitslos. Mit der innovativen Lösung eines EU-finanzierten Projekts könnte diese erschreckende Zahl sinken.

Digitale Wirtschaft
Gesellschaft

Ohne die Unterstützung durch geeignete Ausgabegeräte können auch viele Menschen mit Sehbehinderungen, die eigentlich arbeitsfähig wären, nicht arbeiten. Mit dem Projekt Tactonom soll sich das ändern, indem Selbstständigkeit und Produktivität von Menschen mit Sehbehinderungen in ihrer Arbeitsumgebung verbessert werden. „Das ist möglich, indem man den blinden Menschen ein Hilfsmittel an die Hand gibt, mit dem sie ohne Hilfe von anderen auf sämtliche Informationen zugreifen können“, erklärt der Projektkoordinator und Geschäftsführer von Inventivio Klaus-Peter Hars. Mit diesem Hilfsmittel will das Projektteam die Arbeitslosenquote bis 2028 um 10 % senken.

Die Technologie

Über die letzten sechs Jahre hat Inventivio ein taktiles Grafikdisplay namens Tactonom entwickelt. Das Gerät kann über 10 500 Tastpunkte darstellen, über die die blinden Nutzer alle Informationen mit ihren Fingerspitzen lesen können, denn es übersetzt die Bildschirminhalte automatisch in Brailleschrift und taktile Grafiken. Die Softwareplattform ist offen zugänglich und externe Entwickler können ihre eigenen Apps erstellen. „Erstmals können blinde Menschen so Karten, Bilder, Diagramme, Formen, Grundrisse, Tabellen, Symbolbilder und andere grafische Informationen wahrnehmen“, zählt Hars auf. Der Koordinator weiter: „Dieses Gerät kann blinde Menschen in vielerlei Hinsicht unterstützen. Interaktive Karten erleichtern die Mobilität, Infografiken bereichern das Lernen, Tabellen lesen zu können hilft am Arbeitsplatz und der barrierefreie Zugang zum Internet verbessert die gesellschaftliche Teilhabe.“

Marktdynamik als Herausforderung

Die Entwicklung des Tactonom steht kurz vor dem Abschluss. Ehe das Gerät auf den Markt kommt, wurden noch Marktanalysen in Frankreich, Österreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich durchgeführt. „Wir wollten Größe, Dynamik und Zielgruppen des jeweiligen Marktes sowie seine Vertriebslandschaft, sein Erstattungssystem und die Wettbewerbsumgebung verstehen“, so Hars. Aus der Marktanalyse zeigte sich, dass die Dynamik aller untersuchten Märkte in ihrem Erstattungssystem äußerst unterschiedlich war. Diese Systeme sind in der Medizingeräteindustrie ein wichtiger Faktor, da sie festlegen in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen die Gesellschaft für solche Hilfstechnologien aufkommt. In den meisten europäischen Ländern werden Hilfstechnologien für blinde Menschen subventioniert. Doch die Erstattung wird in jedem Land anders gehandhabt. Darum stellt die Erstattung eine Marktbarriere dar. Denn ohne Unterstützung der geldgebenden Institutionen lässt sich eine Technologie, sogar wenn sie wie das Tactonom dem Nutzer eine signifikant höhere Selbstständigkeit ermöglichen kann, kaum vermarkten. Hars ergänzt: „Wir hoffen, dass diese Differenzierung des europäischen Gesundheitsmarktes eines Tages eine Ende hat. Ein harmonisierter Markt wäre für die zukünftige Innovation, Wirtschaftlichkeit und auch für das Wohlergehen der Menschen in Europa ein großer Schritt in die richtige Richtung.“ Bis dahin bespielt Inventivio jeden Markt einzeln und wendet sich dort vor Markteintritt an die jeweils zuständigen Geldgeber. Von dieser Herausforderung abgesehen hat das Projekt für die vier Länder erfolgversprechende Geschäftspläne erstellt. Momentan schließt das Unternehmen die Arbeiten an der Hardware des Tactonom ab und investiert stark in die Entwicklung von Software, zusätzlichen Apps und Funktionen. Sobald die Hardware fertiggestellt und umfassend getestet wurde, geht Inventivio damit zuerst auf den deutschen Markt und weitet sich in den Folgejahren auf alle europäischen Länder aus, damit Menschen mit Sehbehinderungen eine Chance auf Arbeit bekommen.

Schlüsselbegriffe

Tactonom, blind, Menschen mit Sehbehinderungen, Arbeitslosenquote, Arbeitsumgebung, Arbeitsplatz, taktile Grafik, graphische Informationen, Braille

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