Skip to main content

Article Category

Article available in the folowing languages:

Vertrauen Sie ihrem Justizsystem?

Eine unternehmerische EU-geförderte Studie will herausfinden, wie das Justizsystem in verschiedenen europäischen Ländern wahrgenommen wird. Dies könnte ein erster Schritt zur Aufrüstung und Harmonisierung des Systems in ganz Europa sein.

Klimawandel und Umwelt

Das Justizsystem ist ein wichtiges Produkt unserer Werte als Gesellschaft. Es war immer das Rückgrat für Gerechtigkeit, Sicherheit und Fortschritt einer Zivilisation. Im Geiste der Offenheit und Verbesserung untersucht das EU-finanzierte Projekt Euro-Justis das öffentliche Vertrauen in die Justizsysteme und stellt EU-Institutionen und Mitgliedstaaten neue Indikatoren zur Bewertung der Justiz zur Verfügung. Obwohl Mitgliedstaaten die sozialen Indikatoren berücksichtigen, um die Justizpolitik und ihre Bewertung zu verbessern, wurden bisher nur geringe Fortschritte in dieser Hinsicht erzielt. Im Allgemeinen wurden Indikatoren auf der Grundlage von Statistiken wie etwa Kriminalitätstendenzen verwendet. Den schwer messbaren Indikatoren im Hinblick auf das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Justiz wurde jedoch nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ohne derartige Indikatoren kann sich die Kriminalitätspolitik zwar auf Verbrechensbekämpfung konzentrieren, doch wichtige längerfristige Ziele, die zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen, werden nicht beachtet. Um die Herausforderung zu bewältigen, führt Euro-Justis Studien zum Vertrauen der Öffentlichkeit in die Justiz durch. Die Forscher untersuchen Daten zu jedem einzelnen Land, um Indikatoren wie den sozioökonomischen Status und Informationen über das Strafjustizsystem jeden Lands zu interpretieren. Euro-Justis wird Werkzeuge entwickeln, um Indikatoren so zu präsentieren und zu interpretieren, dass sie selbsterklärend und zugänglich sind. Ziel des Projekts ist die Entwicklung wissenschaftlich glaubwürdiger Indikatoren und der Aufbau eines Konsens zwischen den Mitgliedstaaten, um sich über die Bedeutung der Bewertung der Kriminalitätspolitik für das Vertrauen der Öffentlichkeit klar zu werden. Das Projektteam hat bereits den Bedarf für soziale Indikatoren zum Vertrauen der Öffentlichkeit bestimmt, Studien über Vertrauen in der Justiz bewertet und bestehende Indikatoren gesammelt, die bereits wirksam eingesetzt wurden. Es hat Experten für Strafjustiz und andere Stakeholder in sieben Ländern befragt, um den wahrgenommenen Bedarf für diese Indikatoren herauszufinden, und es hat eine Überprüfung der Fachliteratur zu verfügbaren Indikatoren abgeschlossen. Die veröffentlichten Ergebnisse haben zur Erarbeitung der Roadmap des Projekts für die nächsten Schritte beigetragen. Euro-Justis hat 2009 seine erste internationale Konferenz in Sofia, Bulgarien, veranstaltet. Zu den Gästen gehörte auch das Vera Institute of Justice aus den Vereinigten Staaten, das an einem ähnlichen Projekt beteiligt ist. Ein wichtiges Ergebnis des Projekts war die erfolgreiche Beteiligung an der fünften Runde der europäischen Sozialstudie ESS (European Social Survey), die in 30 Ländern durchgeführt wird. Die Studie umfasste 50 Fragen zum Thema Vertrauen in die Justiz, die sich allgemein auf die Wahrnehmung von Gerechtigkeit, Wirksamkeit, Vertrauen und Legitimität bezogen. Dies ist eine sehr wichtige Entwicklung, da sie zur Weiterentwicklung der Indikatoren beiträgt. Die Studie baut auch einen großen komparativen Datensatz auf, der kulturelle Variationen des Vertrauens in die Justiz berücksichtigt und zum Testen von Theorien zur Gestaltung der institutionellen Legitimität beiträgt. Akademische Partner in anderen Ländern werden jetzt auch dazu ermuntert, ähnliche Befragungen in ihren Ländern durchzuführen. Derzeit werden Gespräche mit Australien und Japan sowie mit Trinidad und Tobago geführt. Sobald das Projekt abgeschlossen ist, wird Europa eine bessere Vorstellung davon haben, wie die Öffentlichkeit das Justizsystem wahrnimmt und welche Schritte zur Verbesserung des Systems unternommen werden können.

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich

Wissenschaftliche Fortschritte
Klimawandel und Umwelt

23 Oktober 2020