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Istanbul Urban Earthquake Test Site

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Erdbebenforschung - keine wackelige Wissenschaft mehr

Die Fähigkeit zur Abschätzung standortspezifischer Bodenbewegungscharakteristiken hat entscheidende Bedeutung für die Bewertung der Anfälligkeit von Bauwerken gegenüber Erdbeben. Man begründete ein EU-finanziertes Projekt, um Fortschritte in diesem Bereich der Forschung und darüber hinaus zu erzielen.

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Seismische Arrays, die in Gebieten mit hoher seismischer Aktivität eingesetzt werden, zeichnen Bodenbewegungen bei Erdbeben auf und bilden ein wichtiges Mittel zur Erhebung von Nachweisen vor Ort in Bezug auf die Reaktion von Bodenschichten. Die von diesen Arrays erstellten Informationen und Daten sind äußerst wichtig für die Verifizierung, Kalibrierung und Entwicklung prädiktiver Instrumente, die in der Erdbebenforschung zum Einsatz kommen. Angesichts der Bedeutung dieses Verfahrens zur Datenerhebung sollte das URBANQUAKE-Projekt ("Istanbul urban earthquake test site") seismische Array-Netzwerke in Istanbul, Türkei, installieren und überwachen. Die Region gilt als ein Gebiet mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten 30 Jahren dort ein schweres Erdbeben geben wird. URBANQUAKE installierte ergänzend zum bereits bestehenden horizontalen Istanbul Rapid Response Network (IRRN) innerhalb der Stadt Istanbul ein leistungsfähiges Bewegungsnetzwerk vertikaler Arrays. Diese können eine beträchtliche Anzahl von erdbebenbezogenen Datensätzen innerhalb einer relativ kurzen Zeit produzieren. Diese Art der Unterstützung bildete zusammen mit 150 000 EUR Forschungsfinanzhilfe von TÜBITAK, der Türkischen Anstalt für Wissenschaftliche und Technologische Forschung, die Grundlage für die Schaffung eines vollständig funktionsfähigen urbanen Erdbeben-Teststandort. Sämtliche Projektziele wurden erreicht und es konnten größere Finanzmittel für zukünftige Maßnahmen im Zusammenhang mit URBANQUAKE-Aktivitäten zugesichert werden. Ein Beispiel dafür ist die angestrebten Eröffnung eines Exzellenzzentrums für Erdbebeningenieurwesen am Kandilli Observatory and Earthquake Research Institute der Bosporus-Universität. In Ataköy (ATK) in der Nähe des Atatürk International Airport, Zeytinburnu (ZYT) und Fatih (FTH) wurden vertikale Arrays eingesetzt. Diese arbeiten synchron mit dem IRRN und stellen Referenz-Untergrundbewegungen für die durch das Netzwerk gesammelten Bodenbewegungen bereit. Ein Beispiel für die Anwendung der durch die Arrays erzeugten Daten betrifft die Untersuchung der vorhergesagten und modellierten Reaktionen am Standort auf Basis detaillierter Informationen über die ungestörten Bodenbedingungen vor Ort. Eine weitere Errungenschaft im Rahmen des Projekts war die Entwicklung einer Mikrozonierungsmethodik, die eine standortspezifische Reaktionsanalyse einbezieht, um Zerstörungsszenarien für urbane Gebiete zu erstellen. Die Resultate werden in Schadensverteilungskarten für Gebäude und Rohrleitungssysteme angezeigt. Die Methodik wurde zu einem Softwarepaket (KoeriLossV2, 2007) weiterentwickelt, um ein praktisches Werkzeug zur Bewertung der seismischen Gefährdung eines städtischen Gebiets in der Hand zu haben. Die Arbeiten des Projekts sind auf verschiedenen internationalen Konferenzen und Workshops sowie auch in Artikeln in von Experten begutachteten Veröffentlichungen vorgestellt worden, die internationale Anerkennung erbringen und die weltweite Aufmerksamkeit dieser besonderen Forschergemeinschaft erregen. Die Daten, die bereits in dem urbanen Erdbebentestgelände anfielen, ermöglichen Fortschritte in der Entwicklung und Kalibrierung der Methoden zur Standort-Antwort-Analyse und standortspezifischer Schadensszenarien. Die Projektergebnisse sowie die laufenden Forschungsarbeiten tragen somit eine Fülle von Informationen bei, die erforderliche Maßnahmen und Fortschritte auf dem Gebiet der Erdbebenforschung unterstützen. Die in Bezug auf die Instrumentierung und die gesammelten Daten in Europa einzigartigen URBANQUAKE-Leistungen werden überdies die Wettbewerbsfähigkeit der EU auf diesem Spezialgebiet steigern.

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