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Digitales Europa: die ‘dritte industrielle Revolution’

Bei der Schaffung eines digitalen Europa geht es nicht nur um bessere Funknetzwerkstandards und Breitbandnetze. Es geht um etwas weitaus tiefgreifenderes: eine Umgestaltung des gesamten Wirtschaftssystems. Das zumindest sind die Worte von Jeremy Rifkin, einem renommierten Wirtschaftswissenschaftler und Sozialtheoretiker, der vergangene Woche auf dem Digital Action Day in Brüssel sprach.

Das digitale Zeitalter kann unser neues Wirtschaftssystem in eine neue Realität verwandeln, die von Jeremy Rifkin als ‘collaborative commons’ (dt. ‘kollaborative Gemeingüter’) bezeichnet wird. Es scheint festzustehen, dass es sich hierbei um keine beiläufige Entwicklung handeln wird. Um genau zu sein, handelt es sich um das erste neue Paradigma seit dem Aufstreben des Kapitalismus und des Sozialismus im frühen 19. Jahrhundert. Und diese sogenannte ‘dritte industrielle Revolution’ ist dadurch geprägt, dass jede Facette unseres Lebens digitalisiert wird. Die Gesellschaft ohne Grenzkosten Wenn Sie eine eigene Firma leiten, dann ist Ihnen der Begriff ‘Grenzkosten’ womöglich bekannt. Hierbei handelt es sich um die Kosten, die für die Herstellung zusätzlicher Güter und Dienstleistungen anfallen, nachdem die Fixkosten gedeckt sind. Rifkin ist der Auffassung, dass die technologische Revolution, die wir durchleben, so weitreichend ist, dass die Grenzkosten auf Null sinken könnten. Rifkin verdeutlicht dies anhand von Einzelbeispielen, in denen Personen auf Solar- oder Windenergie zurückgreifen oder in denen 3D-Drucker für die Herstellung von Gütern verwendet werden. Sobald wir über das Equipment verfügten, das uns die Digitalisierung in Aussicht stelle, könnten wir zu ‘Prosumenten’ (Produzenten-Konsumenten) werden und dies wiederum ändere alles von Grund auf. Digitales Europa Rifkin rief die EU dazu auf, dazu beizutragen, dass das System der kollaborativen Gemeingüter für Europa Realität werde. Rifkin ist felsenfest davon überzeugt, dass die Digitalisierung der EU in Verbindung mit ausschließlich einem einzigen Binnenmarkt Vollbeschäftigung in Europa schaffen könne. Eine Umgestaltung unserer Kommunikations-, Verkehrs- und Energienetze würde die Wirtschaft laut Rifkin für 40 Jahre beschäftigen. ‘Der einzige Sektor, für den ich keine Verwendung sehe’, meint Rifkin, ‘ist die Ölindustrie’. Rifkin erklärte, dass die Milliarden an Euro, die die EU in die Infrastruktur investiere, in alte Industriezweige fließen würden, deren Tage gezählt seien. Rifkin meinte hierzu weiter: ‘Wenn die EU auch nur die Hälfte davon in eine neue Infrastruktur für das digitale Europa investiert, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Und ebendies kann kurzfristig umgesetzt werden’. Digital für den Umweltschutz Rifkin ist sich sicher, dass die Gesellschaft ohne Grenzkosten nicht nur ihren Mitgliedern Effizienz und Freiheit bringen, sondern dass auch eine der größten Herausforderungen unserer Zeit besser bewältigt werden könnte: der Klimawandel. ‘Ich bin geschockt’, erklärte Rifkin. ‘Der Klimawandel kann in Echtzeit beobachtet werden. Wir erleben derzeit das sechste große Massenausterben. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten wir bis zu 70 % aller Arten verlieren. Die Zeit ist abgelaufen – die Gesellschaft ohne Grenzkosten ist das ultimative System, um dem Klimawandel zu begegnen. Wenn wir eine optimale Effizienz erreichen, weniger natürliche Ressourcen verbrauchen und das, was wir produzieren, häufig wiederverwenden, können wir die Umwelt entlasten. Wir können damit beginnen, das wirtschaftliche Leben auf der Erde zu demokratisieren. Dies wird ein Kurswechsel sein … Hoffentlich noch rechtzeitig genug, um den Planeten zu retten.’ Weitere Informationen sind abrufbar unter: http://ec.europa.eu/digital-agenda/en/dad14eu#Article

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Belgien

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