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Gleichberechtigung lässt kognitive Alterung bei Frauen milder verlaufen

Neue, von der Columbia University geleitete Forschungsarbeiten, bei denen mehrere Datensätze untersucht wurden (darunter einige, die in drei umfassenden EU-geförderten Projekten zum Thema Alterung zusammengestellt wurden), zeigten, wie sich die kognitiven Fähigkeiten von Frauen in Ländern verbesserten, in denen die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eine wichtige Rolle spielt.

Forscher von der Mailman school of Public Health der Columbia University untersuchten den Zusammenhang zwischen der Einstellung gegenüber Geschlechterrollen und der kognitiven Funktion älterer Frauen und Männer aus soziokultureller Perspektive. Vorausgehende Studien waren eher auf wirtschaftliche Entwicklung und sozioökonomische Faktoren konzentriert, die Frauen im Laufe ihres Lebens nur wenige Möglichkeiten eröffneten und für sie zu einer niedrigen kognitiven Leistung führten. Doch bis heute war noch völlig unerforscht, wie sich die Einstellung gegenüber Geschlechterrollen in den späteren Lebensjahren auf die kognitive Leistung von Frauen auswirkt. „Diese Forschung stellt einen ersten Versuch dar, Licht auf diese ernsten, jedoch nicht ausreichend untersuchten Folgen von Ungleichberechtigung auf die Gesundheit von Frauen in späteren Lebensjahren zu werfen“, betonte der Forscher und Hauptautor der Studie Dr. Eric Bonsang von der Universität Paris-Dauphine und der Mailman School of Public Health der Columbia University. Die Forscher analysierten Wertungen der kognitiven Leistung aus Studien, die mit 226 661 Personen aus 27 Ländern im Alter zwischen 50 und 93 Jahren (Jahrgänge 1920 bis 1959) durchgeführt wurden. Die verschiedenen Aufgaben umfassten beispielsweise eine Liste mit 10 Wörtern, von denen sich die Probanden so viele wie möglich merken und sofort oder nach einer kurzen Verzögerung wiedergeben sollten. In anderen Aufgaben sollten die Teilnehmer auf folgende Aussage antworten: „Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollte Männern gegenüber Frauen das Vorrecht auf eine Stelle eingeräumt werden.“ Die Forscher suchten nach Anzeichen dafür, dass Frauen, die hinsichtlich Geschlechterrollen in einer von traditionellen Ansichten geprägten Gesellschaft leben, mit höherer Wahrscheinlichkeit weniger Zugang zu Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten und daher in späteren Lebensjahren im Vergleich zu gleichaltrigen Männern über eine geringere kognitive Leistung verfügen. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht und belegen tatsächlich große Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern, und die kulturellen Einstellungen hinsichtlich Geschlechterrollen wirkten sich auf die kognitive Leistung und Entwicklung aus. „Dies zeigt, dass Frauen in Ländern, in denen Gleichberechtigung wichtig ist, mit ihrer kognitiven Leistung in späteren Lebensjahren höhere Wertungen erreichen als Frauen in anderen Gesellschaften. Und in Ländern, in denen die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mit der Zeit voranschritt, verbesserte sich die kognitive Leistung der Frauen relativ zu den Männern“, merkte Bonsang an. Diese Unterschiede zwischen den Ländern werden dank der gesammelten Daten jetzt besser verstanden. Am höchsten war die kognitive Leistung der Frauen in Schweden, einem Land, das im Kontext der Gleichberechtigung für seinen Wandel hin zu moderneren Ansichten bekannt ist. Am anderen Ende der Skala lagen traditionellere Länder wie Ghana, wo die Männer die Frauen übertrafen. „Diese Erkenntnisse verdeutlichen den Bedarf für politische Maßnahmen, mit denen die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern reduziert wird, da die aufgezeigten Konsequenzen über den Arbeitsmarkt und ungleiche Gehälter hinausgehen“, unterstreicht Bonsang. Wie neulich jedoch der große Eklat in Großbritannien um die gewaltigen Einkommensunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Topverdienern in der BBC belegte, sind kulturelle Einstellungen und Werte in Ländern, in denen die Geschlechter weitestgehend als gleichberechtigt angesehen werden, noch immer keine Garantie für vollkommene Gleichbehandlung. Die Forscher zogen Daten aus den Studien „US Health and Retirement“ Study“, „Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“, „English Longitudinal Study of Ageing“ und „World Health Organization Study on Global AGEing and Adult Health“ heran. Außerdem nutzten sie umfassende, in der EU gesammelte Daten zum Thema Alterung, die in den EU-geförderten RP7-Projekten SHARE-PREP, SHARE-LEAP und SHARE M4 erhoben wurden, die in den Jahren 2009, 2010 bzw. 2014 zum Ende kamen. Weitere Informationen: SHARE-PREP-Projektseite bei CORDIS SHARE_LEAP-Projektseite bei CORDIS SHARE_M4-Projektseite bei CORDIS

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