Mit Hilfe von Mäusen die Alzheimer-Krankheit enträtseln
Mäuse, die menschliche, mit der Alzheimer-Krankheit verbundene Gene ausdrücken, können der Wissenschaft helfen zu verstehen, wie die Krankheit sich entwickelt, und für präklinische Versuche mit potentiellen Therapien eingesetzt werden. Hintergrund Die Alzheimer-Krankheit (AK) charakterisiert sich durch eine Neurodegeneration im Gehirn, die zu einem schrittweisen geistigen Abbau und letztlich zum Verlust der Kontrolle über alle Körperfunktionen führt. AK ist nicht nur eine persönliche Katastrophe für die betroffenen Patienten und ihre Familien, sondern auch ein zunehmendes Problem für die Gesellschaft. Je älter die Bevölkerung wird, um so häufiger tritt die Krankheit auf. Bis zum Jahr 2030 wird die Anzahl von AK-Fällen in Europa voraussichtlich bei 5 Millionen liegen. Die Versorgung eines AK-Patienten kostest mehr als 12 000 Euro pro Jahr. Es gibt keine wirksame Behandlung, keinen direkten Diagnosetest. Auch über die Entwicklung der Krankheit ist wenig bekannt. Ein bedeutender Durchbruch wurde mit der Identifizierung von Genvarianten erreicht, die entweder bestimmte erbliche Formen von AK hervorrufen oder Risikofaktoren darstellen. Dadurch, daß man diese Gene und ihre normalen Gegenstücke in relativ einfachen Systemen (Kulturzellen und Mäuse) ausdrückt, wird es möglich, nach und nach die Ursachen von AK zu enträtseln und therapeutische Strategien zu entwickeln. Diese Ziele verfolgt das EU-Projekt ,,Transgenic mouse und rat models for Alzheimer's disease". Beschreibung, Wirkung und Ergebnisse Das Projekt konzentriert sich in erster Linie auf normale und mutierte Proteine und die Gene, von denen sie codiert werden. Die Teams arbeiten mit vielen verschiedenen Methoden, um die Funktionen dieser Proteine und die Interaktionen zwischen ihnen zu untersuchen. Ein besonders effizienter Ansatz ist, Rassen von Mäusen zu entwickeln, deren Gehirn entweder nicht in der Lage ist, das normale Maus-Äquivalent eines AK-verbundenen Gens auszudrücken, oder eins oder mehrere der verantwortlichen Humangene ausdrückt (transgene Mäuse). Damit wurden Mäuse geschaffen, die AK-ähnliche Symptome (Angst, Aggression, Lernstörungen usw.) und Anzeichen für Neurodegeneration entwickeln, und AK-Tiermodelle verfügbar gemacht, die eingesetzt werden, um die Wirkung von Medikamenten und Therapien zu testen. Im Rahmen dieses Projekts werden entscheidende Informationen über die normalen Funktionen bestimmter Proteine im Gehirn sowie über die Vorgänge im Gehirn von Menschen, die von der Alzheimer-Krankheit betroffen sind, erarbeitet. Einige Pharma- und Biotech-Unternehmen haben Interesse an den Mäusemodellen als präklinische Testsysteme signalisiert, und inzwischen sind bereits mehrere Verträge unterzeichnet worden. Organisation der Partnerschaft An der Arbeit sind zwei Teams beteiligt, die transgene Mäuse erzeugen und charakterisieren (Zentrum für Humangenetik, Katholieke Universiteit Leuven, Belgien, und das Centre for Genome Research, Edinburgh, UK); des weiteren eine Gruppe von Gehirnfachleuten (Addenbrooke's Hospital, Cambridge, UK), eine auf virale Gentherapie spezialisierte Abteilung (Hôpital de la Salpêtrière, Paris, Frankreich), und ein Team, das sich mit den neurogenetischen Aspekten befaßt (Interuniversitair Instituut Antwerpen, Belgien).