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Estnische Internet-Tour startet durch

Die Arbeit eines kleinen estnischen Unternehmens namens Tiigrituur, das Esten jeden Alters und aus allen Schichten dabei unterstützt, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, die das Internet ihnen bietet, wurde von den Preisrichtern der Global Bangemann Challenge Awards 1999 ausgez...

Die Arbeit eines kleinen estnischen Unternehmens namens Tiigrituur, das Esten jeden Alters und aus allen Schichten dabei unterstützt, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, die das Internet ihnen bietet, wurde von den Preisrichtern der Global Bangemann Challenge Awards 1999 ausgezeichnet. Tiigrituur (engl. Tiger Tour) wurde dieses Jahr bereits im Rahmen einer Festveranstaltung in Stockholm einstimmig zum Sieger in der Sparte "Gleiche Zugangschancen zu Netzwerken" erklärt. Das Unternehmen Tiger Tour verfügt jedoch nur über ein sehr schmales Budget, so daß die Weltbank den Gründern die Fähre bezahlen mußte, damit diese ihren Preis in Empfang nehmen konnten. Bei Tiger Tour handelt es sich um einen LKW-Fuhrpark, der einmal jährlich auf Tour geht und an Bord allen Interessenten freien Internetzugang und Internetschulungen zur Verfügung stellt. Das Unternehmen wurde von der Tiger Leap Foundation (Tigersprung-Stiftung) ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, moderne Informations- und Kommunikationstechnik in das estnische Ausbildungssystem zu integrieren. Tiger Tour beabsichtigt, Anfänger bei ihren "ersten Gehversuchen" am Computer zu unterstützen sowie ein stärkeres IT-Bewußtsein in Estland zu schaffen. Enel Magi, Generaldirektor der Tiger Leap Foundation, sagte: "Der Sieg bei der Bangemann Challenge-Verleihung war uns sehr wichtig, da er uns ermöglicht, der Welt zu zeigen, welche Maßnahmen ein so kleines Land wie Estland ergreift. Er hilft uns auch, diesen Service weiterhin zur Verfügung stellen zu können, da größere und wohlhabendere Unternehmen zu Spenden angespornt werden". Zur Zeit besteht das winzige Budget von Tiger Tour aus Spenden privater Organisationen. Die Tour hatte ihren Ursprung in einer eintägigen Veranstaltung auf dem alten Marktplatz in Tallinn, der Hauptstadt von Estland, wo 100 Computer aufgebaut wurden, die jedem zur Verfügung standen. Dozenten unterstützten bei der Anwendung und erklärten den Umgang mit Computern. Die Veranstaltung fand solchen Anklang, daß im darauffolgenden Jahr eine achttägige Tour daraus wurde, die von 30 Experten aus dem IT-Bereich und 400 Freiwilligen begleitet wurde. Der Leiter des Projektes Tiger Tour Linnar Viik sagte: "Wir möchten die Menschen mit der Informationstechnologie vertraut machen, ihnen zeigen, wie man sie anwendet, und ihnen die Angst vor der Technologie nehmen." "Ich hoffe, wir haben Interesse geweckt und vielen Menschen, in deren Leben die Informationstechnologie eine wichtige Rolle spielen wird, einen Einblick in die Technik verschafft. Wir sagen nicht, daß jedermann das Internet nutzen muß. Wir möchten lediglich die Möglichkeiten im Leben um eine zusätzliche Dimension erweitern." 1998 konnte die Tiger Tour stolz von sich behaupten, ihrem Motto "Das Internet verbindet Menschen, keine Computer" gerecht geworden zu sein. Fast alle 250.000 Besucher der Tour eröffneten ein kostenloses E-mail-Konto auf dem öffentlichen Mailserver der Tiger Tour, der die Esten mit anderen Menschen in verschiedenen Teilen des Landes und darüber hinaus verbindet. Herr Viik schätzte, daß die 1998er Tour mehr als 10.000 neue E-mail-Anwender, zehn Prozent aller derzeitigen E-mail-Anwender in Estland, hervorbrachte. Zudem sollen über 5.000 Personen mit Internet-Banking begonnen haben. Die Veranstaltung wurde zur öffentlichen Veranstaltung des Jahres 1998 in Estland gewählt, und verschiedene Regionen forderten einen Besuch. Die Tiger Tour 1999 besuchte acht Städte - sechs davon zum ersten Mal - unter dem neuen Motto "Das Internet macht's möglich". Den Teilnehmern wurden die Möglichkeiten des Internet im Zusammenhang mit neuen Medientools und anwendungen vorgeführt. Das gesamte Land wurde durch die Produktion einer Internet-Liveübertragung für das estnische Fernsehen und die Berichterstattung in einer überregionalen Tageszeitung in die Tour einbezogen. In jeder Stadt, die im Rahmen der Tour besucht wurde, boten etwa 50 einheimische Schulkinder ihre Hilfe an, bauten Zelte und Geräte auf und standen gegebenenfalls mit Rat und Tat zur Seite. In diesem Jahr standen am ersten Tag noch vier weitere Freiwillige zur Verfügung, berichtet Herr Viik: "Sie kamen einfach vorbei und verzichteten acht Tage lang auf ihr normales Leben, um mit uns durchs Land zu ziehen. Die Tatsache, daß vier Leute dies freiwillig auf sich nehmen, hat uns alle sehr beeindruckt." Estland ist zwar ein kleines Land, aber es steht mit seinen 30.000 Internet-Servern, die den Anwendern Dienstleistungen wie beispielsweise Live-Übertragungen aus dem Parlament oder alle Bankdienste bieten, voll hinter der Internetrevolution. Hier handelt es sich nicht um einen plötzlichen Durchbruch, sondern um das Ergebnis gezielter nationaler Programme wie beispielsweise der Tiger Tour. Darüber hinaus gibt es über 70 öffentliche Zugangsstellen, die mit einem @ gekennzeichnet sind und den Leuten, die keinen Computer besitzen, einen kostenlosen Internetzugang bieten. Die Projektleiterin der Global Bangemann Challenge Ulla Skidden sagte, das Projekt Tiger Tour sei mehr als nur ein kostenloser Internetdienst. Die Veranstalter der Tiger Tour trafen sich mit lokalen Politikern und Entscheidungsträgern während ihrer Tour durch Estland, um ihnen ihre Botschaft nahezubringen. "Sie versuchen ihnen klarzumachen, daß es keine Alternative gibt. Sie müssen die Informationstechnologie fördern, wenn Estland wachsen soll", sagte sie. "Die Tiigrituur-Tour ist ein schönes Beispiel für die Geisteshaltung, die in kleinen Ländern wie Estland zu finden ist, die sich auf dem Weg von extremer Armut zu einem relativ hochentwickelten Land befinden. Der Wille, schnell voranzukommen, ist enorm. Um dies zu erreichen, wird im Rahmen der Projekte versucht, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, daß sie ohne Informationstechnologie nicht vorankommen können." "Die Preisrichter entschieden sich einstimmig für Tiigrituur, weil dies ein sehr effizientes und kostengünstiges Projekt ist, dessen Nutzen enorm ist." Der Global Bangemann-Wettbewerb wurde 1997 ins Leben gerufen, um IT-Projekte auszuzeichnen, die den Menschen helfen, mehr Wohlstand, Gesundheit und Demokratie zu erreichen. Er löst das von EU-Kommissar Martin Bangemann angeregte europäische Projekt "Bangemann Challenge" ab, das auf den Bangemann-Bericht "Europa und die globale Informationsgesellschaft" aus dem Jahre 1994 folgte. Dieser Bericht enthält eine Sammlung von Leitlinien für Europa zum Eintritt in die Informationsgesellschaft. Im nächsten Jahr erhält der Wettbewerb den Namen "Stockholm Challenge". Er soll als dauerhafter IT-Wettbewerb eingerichtet werden. Bewerbungen können ab 1. Oktober 1999 eingereicht werden.

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