CJK in Blutkonserven?
Wissenschaftler des britischen Institute of Animal Health haben den Nachweis gefunden, dass die bovine spongiforme Enzephalopathie - oder Rinderwahnsinn - im Blut von Tieren übertragen werden kann, die keinerlei klinische Zeichen der Krankheit aufweisen. Die Studie, die am 16. September im Medizin-Journal "The Lancet" veröffentlicht wurde, ist auch hinsichtlich der Übertragung der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (V-CJK) von Interesse; von dieser Erkrankung des Menschen wird angenommen, dass sie vom gleichen Erreger ausgelöst wird. Laut der Studie scheint es möglich, dass die Krankheit durch Blutspenden von in einem frühen Stadium an V-CJK Erkrankten auf Patienten übertragen werden könnte, die Blut oder Blutprodukte erhalten. Die Krankheit hat bisher 82 Menschen vor allem aus dem Vereinigten Königreich, aber auch aus der Republik Irland und Frankreich das Leben gekostet. Von allen wird angenommen, dass sie sich beim Verzehr von Rindfleisch von BSE-infizierten Tieren infiziert haben. Die mögliche Gefahr der Übertragung über Blut und Blutprodukte ließ letztes Jahr die USA und Kanada Blutspenden von Menschen untersagen, die sich zwischen 1980 und 1996 länger als sechs Monate im VK aufgehalten haben. Mehrere andere Länder erließen ähnliche Verbote, obwohl auf Seiten der Blutbanken darauf hingewiesen wurde, dass diese Kontrollen zu chronischen Spenderblut-Engpässen führen könnten. Andere gaben an, dass ein Mangel an Spenderblut eine größere Gefahr für Menschen sei als das theoretische Infektionsrisiko. Die Studie in "The Lancet" bestätigt, dass solche Vorsichtsmaßnahmen gerechtfertigt waren. Für die Studie wurde gesunden Schafen aus Neuseeland, wo noch niemals BSE oder Scrapie, die entsprechende Erkrankung bei Schafen, registriert wurde, Blut von Schafen transfundiert, an die Hirn von BSE-infiziertem Vieh verfüttert worden war. Die Geberschafe zeigten 300 Tage nach der Bluttransfusion Anzeichen von BSE; bisher hat eines der 19 Schafe, die Blut erhielten, auch klinische Symptome gezeigt. Diese Ergebnisse bestätigen die Ergebnisse früherer Studien an Mäusen, die von Wissenschaftlern in den US-amerikanischen National Institutes of Health in Bethesda durchgeführt wurden. Diese ergaben, dass der Erreger vor allem in den weißen Blutkörperchen von Mäusen anzutreffen war, die erst später klinische Symptome entwickelten. Trotz allem sind die amerikanischen Wissenschaftler nicht der Auffassung, dass wegen der Sicherheit von Bluttransfusionen ein Grund zur Beunruhigung besteht. "Bei unserem auf Nagetieren basierenden Modell wird mit großer Sicherheit die Infektiosität des menschlichen Bluts mit natürlich vorkommenden CJK-Erregern überschätzt; das gleiche gilt für die Gefahr, dass solches Blut so infektiös ist, dass die Krankheit durch eine intravenöse Transfusion auf andere Menschen übertragen wird; sie wird zwar nicht quantifiziert, ist aber wohl kaum größer als Null". Das VK hat im vergangenen Jahr dennoch beschlossen, die weißen Blutkörperchen aus dem gesamten Spenderblut zu filtern und Blutplasma nur aus solchen Ländern einzuführen, in denen V-CJK bisher nicht aufgetreten ist. Die britische Regierung betont, dass es sich hier um eine Vorsorgemaßnahme handele und kein Nachweis dafür bestehe, dass CJK "jemals durch Bluttransfusionen oder Blutprodukte auf Menschen übertragen wurde".