Busquin spricht paradoxes Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft an
Beim Treffen der Europäischen Forschungsminister am 16. November legte Forschungskommissar Philippe Busquin ein Diskussionspapier vor, in dem die Einleitung einer umfassenden Debatte betreffend die Rolle und die Stellung der Wissenschaft in der modernen Gesellschaft vorgeschlagen wird. Das Papier mit dem Titel "Science, society and the citizen in Europe" (Wissenschaft, Gesellschaft und der Bürger in Europa) konzentriert sich auf vier Aspekte: das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, Forschungsschwerpunkte, Risikomanagement und der Dialog zwischen Wissenschaftlern, Politikern und einzelnen Personen. Man hofft, dass das Papier durch Vorschläge für Aktionen, die auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene durchzuführen oder zu planen sind, eine bessere Nutzung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in der EU anregen wird. Dabei soll dieses Papier sowohl innerhalb der Institutionen der EU als auch in der breiten Öffentlichkeit eine Debatte zu diesen Themen initiieren. Das Papier wird zudem als ein weiterer Schritt in Richtung Entwicklung eines Europäischen Forschungsraums (EFR) angesehen, welcher den Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft besondere Bedeutung beimisst. "Im heutigen Europa ist das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft auf eine gewisse Art paradox", reflektierte Kommissar Busquin. "Die Europäer erwarten von der Wissenschaft eine ganze Menge, aber mehrere Fälle in jüngster Zeit - wie beispielsweise die BSE-Krise - zeigen die Schwierigkeiten auf, die beim Umgang mit wissenschaftlichen Kenntnissen auftreten können. Es ist dringend notwendig, diese Fragen mit Laien auf eine Art zu diskutieren, die sie verstehen." Das Papier ist in vier Abschnitte unterteilt: - "Neue Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft" erklärt, dass neue Beziehungen notwendig sind, um jüngste Entwicklungen in Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zu reflektieren. - "Der Gesellschaft die Forschung näher bringen" betont den Bedarf, die Forschungspolitik in Übereinstimmung mit gesellschaftlichen Prioritäten, vor allem umweltbezogener, wirtschaftlicher und sozialer Angelegenheiten, zu strukturieren. - "Verantwortliche Nutzung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts" umfasst Vorschläge, wie das Vorsorgeprinzip durch den Umgang mit Fachkenntnissen und die Anerkennung der Bedeutung ethischer Fragen angewandt werden kann. - "Verstärkung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft" betrifft die Entwicklung neuer Formen des Dialogs zwischen Forschern, Experten, Politikern, industriellen Entscheidungsträgern und einzelnen Personen insbesondere auf europäischer Ebene. Das Thema der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist auch Bestandteil der laufenden Diskussion der Kommission über die europäische Regierungsstruktur an sich, bei der es darum geht, die Lücke zwischen den Entscheidungsträgern und den Bürgern, die von diesen Entscheidungen betroffen sind, zu schließen. Wissenschaft und Technik haben insbesondere einen symbolischen Stellenwert wegen ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft, der Komplexität der durch sie aufgeworfenen Probleme und des Verhältnisses zwischen Entscheidungsträgern, Experten und einzelnen Personen. Die immer höher werdenden Erwartungen an eine verbesserte Lebensqualität, die von neuen Technologien beeinflusst werden sollte, werden allzu oft von einem verstärkten Misstrauen gegenüber diesen Technologien begleitet.