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Inhalt archiviert am 2022-12-07

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Forschungsminister: Die Wissenschaft muss politischer werden

Wie der französische Forschungsminister Roger Gérard Schwartzenberg vor kurzem auf einer Konferenz über das Verständnis der Wissenschaft in der Öffentlichkeit sagte, müsse Europa einen Weg finden, um die Lücke zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft zu schließen. "Frühe...

Wie der französische Forschungsminister Roger Gérard Schwartzenberg vor kurzem auf einer Konferenz über das Verständnis der Wissenschaft in der Öffentlichkeit sagte, müsse Europa einen Weg finden, um die Lücke zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft zu schließen. "Früher bestand nahezu blindes Vertrauen in die Wissenschaft, heute sieht man sie unter den verschiedensten Aspekten. In bestimmten Fällen wandelte sich das positive Image von Wissenschaftlern wie Pasteur in Frankreich zu einem Frankenstein-Image", wie er gegenüber Politikern und Wissenschaftlern sagte. "Wir müssen eine bürgerliche Wissenschaft erreichen [und] die Wissenschaft politischer machen, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft findet. Die Bürger wünschen die Einbeziehung der Wissenschaft in die politische Diskussion. Wir müssen wieder zu einer informierten Diskussion und Entscheidung finden und das Recht auf Wissen schützen... Es ist daher notwendig, Leitlinien-Diskussionen zu führen,... einen hochwertigen Dialog mit der Politik anzuregen und zu gut informierten Beschlüssen zu kommen." Forschungskommissar Philippe Busquin, der gemeinsam mit dem französischen Forschungsminister die Veranstaltung in Paris eröffnete, schloss sich diesem an. "Je weiter der Übergang von der Wissenschaftsgesellschaft auf die Wissensgesellschaft ist, desto mehr betrifft die Wissenschaft den Bürger", so Busquin. "Dies macht die Diskussion über Fragen der sozialen Werte und die Gefahren, die der Fortschritt der Wissenschaft mit sich bringt, notwendig. Da jedoch die Gefahren immer komplexer werden... besteht die Sorge, dass dies sich jeglicher Kontrolle durch die Gesellschaft entzieht. Dies stellt heute ein großes politisches Problem dar." Da solche Fragen auch immer öfter einen europäischen Aspekt besitzen, betonte das Kommissionsmitglied, dass eine gemeinsame europäische Sprache entwickelt werden müsse, um die bestehenden Probleme zu verstehen. Die derzeitige Diskussion über BSE sei ein vielsagendes Beispiel für die momentane Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber der Wissenschaft; er fügte hinzu: "[An BSE] ist nicht die Wissenschaft schuld, aber das will die Öffentlichkeit nicht wissen. Es handelt sich um ein Verständnisproblem." Außerdem verwies er auf die gerade gescheiterte Umweltkonferenz von Den Haag, die ein weiteres Beispiel für das immer größere Misstrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft sei: "Immer öfter bitten wir die Wissenschaft um Lösungen für Besorgnis erregende Probleme. Wir müssen wissen, was für eine verantwortungsbewusste Wissenschaft getan werden kann, und die Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen kennen." "Wenn aber, wie die Wahrscheinlichkeitsrechnung lehrt, ein "Nullrisiko" nicht existiert, ist die eigentliche Frage doch, wie groß das Risiko sein darf", so das belgische Kommissionsmitglied weiter. Grundlage hierfür müsse die demokratische Diskussion und die Ethik im Einklang mit der Freiheit der Forschung, eines grundlegenden Menschenrechts, sein. "Artikel 13 über Freiheiten des EU-Vertrags . legt die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft dar", so Busquin. Minister Schwartzenberg war der gleichen Meinung. Um Wissenschaft und Gesellschaft zusammen zu bringen, müsse die Wissenschaft öffentlicher und moderner werden, damit die Wissenschaft in legitimer Weise geregelt werden kann. Wissenschaftler müssen das Image des Exzentrikers im Elfenbeinturm loswerden, so Schwartzenberg. "Wir müssen die Wissenschaft öffentlicher machen, damit die Forscher ihre Arbeit in der Öffentlichkeit rechtfertigen können." Dazu sollten die Wissenschaftler seiner Meinung nach die Medien nutzen. In diesem Zusammenhang verweist er die Medien insbesondere auf die festgestellte größere Nachfrage nach Forschungsinformationen. Dazu legte er seine Pläne vor, um die französische Aufsichtsbehörde aufzufordern, der Wissenschaft einen höheren Stellenwert in den Programmen einzuräumen und mehr Wissenschafts-Sendungen wie z.B. die kürzlich ausgestrahlte Sendung "Wissenschaft überall - Wissenschaft für alle" im französischen Fernsehen zu übertragen. Außerdem sagte er, dass der Bürger in einem demokratischen Europa am Entscheidungsprozess teilnehmen sollte. Die Wissenschaft müsse jedoch von der Politik geregelt werden: "Ansonsten würde sie den Gesetzen des Marktes unterliegen, [und] das Streben nach Profit könnte zu lascheren Kontrollen der Wissenschaft führen." Um Wissenschaft und Gesellschaft zusammen zu bringen, müsse sie "technokratischer" werden, so Schwartzenberg. Dies bedeutet, dass die Aufgabe der Fachleute im Entscheidungsprozess festgelegt werden muss: "Zur Gewährleistung des Rechtes auf Information ist Kompetenz, Transparenz und Unabhängigkeit notwendig." Der Minister machte jedoch darauf aufmerksam, dass Wissenschaftler nur zur Beratung, jedoch nicht für Entscheidungen herangezogen werden dürfen. Politiker müssen regieren und Ratschläge annehmen, aber auch entscheiden: "Andernfalls zählt die Öffentlichkeit nicht mehr. Fachleute können Hinweise über die Zukunft geben, aber nicht entscheiden, wie die Zukunft aussieht."irer l'av

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