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Inhalt archiviert am 2022-12-21

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Der leitende Wissenschaftler des israelischen Industrieministeriums im Gespräch mit CORDIS-Nachrichten

Carmel Vernia ist für die israelische Regierungspolitik auf dem Gebiet der industriellen Forschung und Entwicklung verantwortlich. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind in Israel mehrere Institute für die FuE-Politik zuständig, sodass das Zuschusssystem in die akademische und i...

Carmel Vernia ist für die israelische Regierungspolitik auf dem Gebiet der industriellen Forschung und Entwicklung verantwortlich. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind in Israel mehrere Institute für die FuE-Politik zuständig, sodass das Zuschusssystem in die akademische und industrielle FuE geteilt ist. Als leitender Wissenschaftler im Industrieministerium hat er die Verteilung von rund 250 bis 300Millionen Euro unter sich - ca. 60Prozent der Landesaufwendungen für FuE. In einem Interview mit CORDIS-Nachrichten legt Vernia dar, wie und aus welchen Gründen er die israelische Wirtschaft für die Beteiligung am Fünften Rahmenprogramm gewinnen will. Israel hätte nach seinem Dafürhalten bisher mehr tun können. Obwohl der israelischen Wirtschaft das FTE-Programm der EU ein Begriff ist, da sie sich bereits an der Schlussphase des Vierten Rahmenprogramms beteiligt hatte, brauchte die Wirtschaft lange, bis sie Interesse zeigte. Der Bekanntheitsgrad nehme jedoch kontinuierlich zu: "Der Trend geht in die richtige Richtung... Das Programm wird bekannter, und die Verantwortlichen zeigen mehr Interesse, da ihnen erfolgreiche Projekte bekannt sind. Ich halte dies für eine ganz normale Lernkurve. Viele Industriebetriebe waren anfangs skeptisch, denken nun aber ernsthaft über eine Teilnahme nach." Carmel Vernia spricht aus Erfahrung. Bevor er vor acht Monaten in die Behörde wechselte, war er für das israelische Hitech-Unternehmen Comverse tätig, wo er an zwei Projekten unter dem Europäischen Rahmenprogramm beteiligt war. Ihr Erfolg machte sie zu einer wertvollen Erfahrung, so Vernia. Anfangs hegte er jedoch die gleichen Bedenken wie viele israelische Industrielle: "Sie gingen davon aus, dass sie mit einer immensen Bürokratie zu kämpfen hätten und nur eines von vier bis fünf Projekten erfolgreich zu Ende geführt würde", wie er CORDIS-Nachrichten sagte. "Die Suche nach einem europäischen Partner gestaltet sich recht mühsam, außerdem bestanden Alternativen in Form von Zuschüssen, die von meiner Behörde und im Rahmen anderer bilateraler Verhandlungen bereitstehen." Die Zeiten haben sich aber geändert. Israelische Unternehmen kennen mittlerweile die Vorteile des Rahmenprogramms, gleichzeitig kommen sie schwerer an staatliche Förderungen heran. Die Unternehmen sind sich nun bewusst, dass eine Beteiligung am Rahmenprogramm nicht so anstrengend ist, wie sie bisher dachten. "Die Bürokratie lässt sich in den Griff kriegen. Es gibt Erfolge, und die israelischen Firmen zeigen ansprechende Leistungen", so Vernia. Da Israel ein kleines Land ist, seien die Unternehmen gezwungen, sich von vornherein auf dem Weltmarkt zu behaupten: "Jede Firma denkt vom ersten Tag an international." Israel unterhält schon immer intensive Wirtschaftsbeziehungen zu den USA, war jedoch auch immer bestrebt, die Verbindungen nach Europa zu stärken. "Europa ist von der Größe des Marktes, den technologischen Grundlagen und dem Potenzial für Partnerschaften her genauso wichtig wie die USA... Daher ist es meines Erachtens richtiger zu sagen, dass Israel immer Beziehungen zu Europa wollte, Europa Israel jedoch bis vor kurzem gar nicht kannte." Die israelische Industrie hat europäischen Partnern viel zu bieten, wie Vernia meint: "Israelische Hitech-Unternehmen und die gesamte Unternehmerschaft sind äußerst kreativ. Sie sind sehr arbeitsam und engagiert. Meiner Meinung nach hat Israel einen besseren Zugang zum US-Markt als viele andere Länder. Zurzeit erfreut sich Israel einer gesteigerten Präsenz auf den Aktienmärkten, was für viele, gerade kleinere europäische Länder nicht der Fall ist. Ein weiterer Vorteil der Israelis ist ihre Fremdsprachenkenntnis: "Die Kommunikation mit uns gestaltet sich ganz unkompliziert und kann auf jeden Fall auf Englisch und oft auch anderen Sprachen ablaufen. Außerdem sind wir an der Spitze, was Technologien anbelangt." Israelis sind nach den Worten Vernias auch flexibel und anpassungsfähig, was er eher für ein Merkmal der Mentalität als eine Folge einer bestimmten Politik hält: "Wir sind es gewohnt, Zulieferer von Kunden in der ganzen Welt zu sein, sodass unsere Arbeitszeiten und Arbeitsgewohnheiten anpassungsfähig sind. Der lokale Markt ist fast bedeutungslos, sodass wir zur Flexibilität gezwungen sind." Unternehmergeist wird in Israel insbesondere im Biotechnologie- und Hightech-Sektor groß geschrieben. Das Industrieministerium sei zwar bereit, Jungunternehmen zu fördern, doch sind die Zahlen laut Vernia erneut eher Ausdruck einer Kultur als Ergebnis staatlicher Anreize. Dennoch fordert er mehr Risikofreudigkeit: "Es ist nicht schlimm, beim ersten Versuch zu scheitern und es erneut zu versuchen. Dies ist vielleicht der Grund, warum Risiken eingegangen werden... Ich scheue nicht vor risikobehafteten Projekten zurück." "Eines der von mir geleiteten Programme ist ein Gründerprogramm, wo wir absichtlich nur solche Projekte akzeptieren, die ein zu großes Risiko für Privatanleger darstellen. Wir stellen diesen Projekten bis zu drei Jahre lang Unterkünfte und etwas Geld zur Verfügung, sodass sie die Phase erreichen, in der sie private Geldgeber anziehen. Klappt das nicht, ist es nicht schlimm. Sie verlieren zwar ein bisschen Geld dabei, können es aber mit neuen Techniken und neuen Ideen erneut versuchen." "Ein anderer Grund für die Stärke der israelischen Industrie ist, dass vor 20Jahren eine Menge Geld in die Forschung im Verteidigungsbereich geflossen ist. Im Land selbst bestand eine sehr starke Nachfrage nach solchen Techniken, daher sind wir in der Lage, Ausrüstungen auf einem solch hohen technischen Niveau anzubieten." Die Teilnahme am Rahmenprogramm der EU hilft nun der israelischen Wirtschaft sich weiterzuentwickeln, indem Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gefördert werden. "Ich bin sicher, dass sich dies auf die Qualität ausgewirkt hat", so der leitende Wissenschaftler. "Ich bin an einem ähnlichen Programm zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und der Industrie in Israel beteiligt. Meines Erachtens werden die Auswirkungen des Fünften Rahmenprogramms mehr als deutlich." Im Hinblick auf die in Brüssel laufenden Diskussionen über den Europäischen Forschungsraum (EFR) geht Vernia davon aus, dass eine veränderte EU-Forschungspolitik auch Auswirkungen auf die zukünftige Beteiligung Israels haben könnte. "Ich muss sagen, dass wir uns ein bisschen ausgeschlossen von Europa fühlen. Wie das Sechste Rahmenprogramm der EU auch aussehen wird, wir werden uns jedenfalls bemühen, uns so einzubringen, dass unser relativer Vorteil genutzt wird. Wie die Voraussetzungen auch aussehen, wir werden eine Möglichkeit finden, uns so zu beteiligen, dass wir mindestens so erfolgreich wie im Fünften Rahmenprogramm sind." "Israelische Unternehmen sind nach europäischen Standards KMU. Ihre Stärken liegen in erster Linie im IT- und Kommunikationsbereich, sodass Programme unter dem Sechsten Rahmenprogramm, bei denen unsere Stärken nützlich sind, für uns ein Erfolg werden." Israel teilt die Besorgnis von Ländern wie Spanien, Belgien und Dänemark, wonach der Schwerpunkt des EFR zu Lasten des Wettbewerbs auf Großprojekten liegt: "Je weniger Wettbewerb besteht, desto schwieriger wird die Teilnahme. Israel hat den Vorteil, dass seine Wirtschaft Wettbewerb gewohnt ist und sich gut schlägt. Dies ist ein weiteres Merkmal eines kleinen Landes mit einem kleinen lokalen Markt." Vernia wartet ab, bis die endgültige Struktur des Sechsten Rahmenprogramms vorliegt, und will dann erst eigene Pläne vorlegen, mit denen die Teilnahme seines Landes mindestens auf dem gleichen Stand gehalten werden kann. "Der Teufel steckt im Detail", meint Vernia. Israel ist bei der industriellen Zusammenarbeit in FuE mit europäischen Partnern zwar nicht völlig auf das Rahmenprogramm angewiesen, da es Mitglied bei Eureka ist und bilaterale FuE-Verträge mit mehreren europäischen Ländern unterhält, das Rahmenprogramm ist aber dennoch wichtig, so Vernia: "Allein sein Umfang von 15 Milliarden Euro über vier Jahre zeigt bereits seine große Bedeutung. Außerdem hinterlässt es Spuren: Durch das Programm lernten Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzuarbeiten. Wir können mit anderen Partnern zusammenarbeiten, deren Technologien eine Ergänzung darstellen, und Zugriff auf größere Fördermittel bekommen. Dies ist eine gute Maßnahme zur Förderung der Zusammenarbeit, was allen Partnern in den beteiligten Ländern zugute kommt."

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