Exzellenznetze nehmen Gestalt an
Die vorgeschlagenen Exzellenznetze, die einen Grundpfeiler der Vorschläge der Europäischen Kommission für das nächste FTE-Rahmenprogramm von 2002 bis 2006 bilden, standen im Mittelpunkt eines Treffens im Rahmen des vierten norwegischen FuE- und IT-Forums am 30.März in Brüssel. "Ziel der Bildung der Exzellenznetze ist die Stärkung der europäischen wissenschaftlichen und technologischen Spitzenleistungen durch eine dauerhafte Bündelung der in den verschiedenen europäischen Regionen vorhandenen Forschungskapazitäten auf mehreren Gebieten erstrangiger Bedeutung. Das soll dadurch erfolgen, dass sich Forschungseinrichtungen zur Ausführung so genannter "gemeinsamer Arbeitsprogramme" zusammenschließen", heißt es im Vorschlag der Europäischen Kommission über das Rahmenprogramm 2002-2006 im Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung (FTE). "Durch die Einrichtung und die Arbeit dieser Netze sollen einflussreiche "virtuelle Exzellenzzentren" entstehen", heißt es weiter. In einer Rede auf dieser Veranstaltung erklärte Hervé Péro, Referatsleiter in der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission, warum im Fünften Rahmenprogramm thematische Netze eingeführt wurden und warum die Exzellenznetze Ausdruck einer effizienteren Struktur sind. Mit den thematischen Netzen wolle die Kommission den Informationsaustausch, konsistente Herangehensweisen und das Benchmarking fördern, wobei allerdings der letztgenannte Aspekt noch nicht abschließend behandelt worden sei. "Wir müssen unsere Arbeitsweise reformieren, die darin bestand, dass wir zwar jeden Tag bemüht waren, aber zu wenige Durchbrüche schafften", so Péro. "Wir müssen nun bahnbrechende Leistungen zeigen." Von den Exzellenznetzen erwartet man sich sowohl eine integrierende Wirkung als auch eine Vereinfachung. Voraussetzung dazu ist, dass die Forscher sich mit ihrer Arbeitsumgebung beschäftigen, der Aufbau von Kapazitäten gefördert und die Netze mit Maßnahmen auf nationaler oder europäischer Ebene verknüpft werden. Ein wichtiger Aspekt der Netze ist die Verbesserung der Kontinuität. Bisher lösen sich die Netze im Allgemeinen mit dem Abschluss eines Projekts auf, was die langfristige Forschung und damit Vorteile auf lange Sicht ausschließt. Mehr Effizienz soll erreicht werden, indem die Teilnehmer etwa bei der Planung von Maßnahmen größere gestalterische Freiheiten erhalten und die Maßnahmen dezentralisiert werden. Solche Netze sollten auch kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) zugute kommen. Thematische Netze erwiesen sich im derzeitigen Fünften Rahmenprogramm als Erfolg. Sie finden sich vor allem in der generische Forschung und umfassen die Teilnahme zahlreicher Hochschulen und Forschungsorganisationen, die "sich austauschen, weil sie die Vorteile sehen", wie Péro sagte. Inzwischen sind in den Netzen durchschnittlich dreißig Partner aktiv. Unter dem Growth-Programm des Fünften Rahmenprogramms erhielten zahlreiche thematische Netze Fördermittel auf Grund der letzten drei Aufforderungen zur Interessensbekundung. 23Netze wurden nach den drei letzten Aufrufen für "Leitaktion I" unter Growth beibehalten, nach den drei letzten Aufrufen für "Mess- und Prüftechnik" waren es neun. Die Verhandlungen mit bestimmten, nach dem letzten Aufruf ausgewählten Netzen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Eines der Leitaktion-I-Netze ist E-CORE, ein Netz aus 66Partnern aus 20Ländern, darunter 14EU-Mitgliedstaaten, das zur besseren Wettbewerbsfähigkeit der Bauindustrie beitragen soll. Das Netz stellt einen "alleinigen Ansprechpartner" für Beteiligte dar, die sich über die neuesten technischen Fortschritte in der Bauforschung informieren wollen. Es wird als Bezugsgruppe zur Entwicklung zukünftiger FTE-Strategien auf diesem Gebiet sowie als Forum zum Informationsaustausch dienen und die grenzüberschreitende Forschungszusammenarbeit organisieren. Das Netz erhält Gemeinschaftsmittel in Höhe von 2,7Millionen Euro. Andere Beispiele sind CEPPI, ein KMU-Netz aus der Zellstoff- und Papierindustrie, das als Forum für den Wissensaustausch und Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Endverbrauchern und Zulieferern zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit Europas dient, OSNET, eine Vertretung der Organisationen der Ziersteinindustrie, oder Bak-Tec, ein Netz, das die Forschung im Bereich der Backindustrie koordiniert und zur Verbesserung der Effizienz in der Verarbeitung beiträgt. PECCTA, ein Netz aus dem Bereich der Mess- und Prüftechnik, beschäftigt sich mit der Verbesserung der Wettbewerbsposition der europäischen Zierbeschichtungsbranche und insbesondere mit der Minimierung der Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und der Arbeitsicherheit. Das Projekt soll die besten europäischen Praktiken in der Beschichtung bestimmen und den Technologietransfer hinsichtlich ihrer Verbreitung fördern. Die Website und die Workshops des Netzes bieten Informationen und praktische unabhängige Beratung für zahlreiche KMU dieses Sektors. Im Bereich der Mess- und Prüftechnik wurden in letzter Zeit weitere Netze ins Leben gerufen, darunter MEDEVMATNET, das sich mit der Innovation in der Entwicklung und Prüfung von Materialien zum Einsatz in der Biomedizin beschäftigt, POLECER, das wichtige Entwicklungsgebiete in der Polar-Elektrokeramik bestimmt, die FuE-Maßnahmen koordiniert, die effiziente Verbreitung der Ergebnisse an die Nutzer in der Branche gewährleistet und die Umsetzung neuartiger Technologien zur Entwicklung neuer Produkte unterstützt, sowie DIENET, dessen Schwerpunkt auf umweltfreundlichen Techniken zur spanlosen Metallbearbeitung liegt. Nach Angaben von Hervé Pero wird die Kommission eine "wichtige Rolle" für die neuen Netze spielen. Dies umfasst die Berücksichtigung der Ressourcen der Mitgliedstaaten in gemeinsamen strategischen Zielen und die Förderung des Bekanntheitsgrades der europäischen Forschung, wie etwa durch die Einrichtung von Websites für die Netze.
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