Neuorganisation der schwedischen Forschung führt zu klareren Ausgangspunkten - Interview
Schweden wird nach der Umgestaltung seiner nationalen wissenschaftlichen Förderinstitute eine kohärentere Forschungspolitik betreiben können, so Pär Omling, Generaldirektor des seit dem 1. Januar bestehenden Schwedischen Forschungsrats in einem Exklusivinterview mit CORDIS-Nachrichten. Anfang des Jahres wurden vier neue Forschungsräte und eine neue Behörde für Forschung und Entwicklung gebildet. Gleichzeitig wurden zahlreiche bestehende Forschungsräte aufgelöst. Neben dem neuen Schwedischen Forschungsrat wurden zwei neue Räte für Bereiche eingerichtet, in denen ein hoher Wissensstand verlangt wird. Dies betrifft die Arbeits- und Sozialwissenschaften sowie Umwelt, Raumplanung und Landwirtschaft. Abgerundet wird die neue Struktur durch die Schwedische Agentur für Innovationssysteme, die Forschung und Entwicklung (FuE) nach Bedarf finanziert, um so Innovationssysteme und nachhaltige Entwicklung und Wachstum zu fördern. Mit dieser Neuorganisation soll die Aufsplitterung innerhalb der schwedischen Forschungslandschaft verringert werden. Wie Omling gegenüber CORDIS-Nachrichten sagte, setze sowohl die Finanzierung als auch das Management der Forschung ein höheres Maß an Übersichtlichkeit voraus. "Wenn man eine gute Idee fördern wollte, kam man jedes Mal bei der Umsetzung in Schwierigkeiten", sagte Omling. Außerdem sei das Ziel dieser Maßnahme, zu weniger, aber dafür größeren Behörden zu gelangen und ein Gleichgewicht zwischen der Grundlagen- und der "politischen" Forschung wie etwa zu Umwelt- und gesellschaftlichen Fragen herzustellen. Der Rat, so Omling, habe die Aufgabe, "die Grundlagenforschung auf einem möglichst hohen Niveau zu fördern" und gleichzeitig ein "Bottom-Up-Konzept" zu verfolgen. Diese Einrichtung wird im Übrigen mehrheitlich von Wissenschaftlern kontrolliert. Sie arbeitet eng mit staatlichen Stellen zusammen, da der Staat das Budget für verschiedene Forschungsbereiche auf Grundlage von Anträgen und Empfehlungen seitens des Rates festlegt. Der Rat kann jedoch unter Beachtung der Rahmenbedingungen seine Gelder nach eigenen Vorstellungen verteilen. Vorrangige Bereiche sind die Naturwissenschaften, die zurzeit mit einer Milliarde schwedischen Kronen (ungefähr 110.375.500 Euro) unterstützt werden, die medizinische Forschung, die 350Millionen Kronen (ungefähr 38.642.000 Euro) erhält, und die Geisteswissenschaften, für die 200 Millionen Kronen (ungefähr 22.082.000 Euro) aufgewendet werden. Der schwedische Forschungsrat legt außerdem besonderen Wert auf die Einstellung junger Wissenschaftler und die Fächer Biologie, Materialforschung und Informationstechnologie. Wie Omling gegenüber CORDIS-Nachrichten sagte, engagiere sich der Rat zurzeit auch in der Pädagogik. Was die Zahlen anbelangt, ist Omling zufrieden mit der Beteiligung Schwedens an EU-Forschungsprojekten, wünscht sich jedoch eine Verstärkung der europäischen Zusammenarbeit. "Die EU braucht eine Vision", sagte Omling. Daher ist er auch für die Idee eines Europäischen Forschungsrates, der mit Wissenschaftlern besetzt ist und von der Europäischen Kommission finanziert wird. Für Omling ist dies aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und Japan eine Notwendigkeit. Außerdem würde eine solche Stelle auch eine deutliche Unterstützung der Wissenschaft für die weitere europäische Integration mit sich bringen. Dabei ist sich Omling aber bewusst, dass wissenschaftliche Einrichtungen dazu neigen, ihre eigenen Pfründe zu schützen. Er sieht eine Lösung darin, den nationalen Forschungsräten einen eigenen Haushalt zu geben und gleichzeitig integriertere Projekte ins Leben zu rufen. Omling weiß, dass dies ein recht ehrgeiziges Projekt ist, und empfiehlt daher, diese Maßnahmen vielleicht erst im Siebten Rahmenprogramm (RP7) und nicht schon in RP6 einzuführen. Allgemein befürwortet er die Vorschläge der Kommission für das nächste Rahmenprogramm, das er als einen "Schritt in Richtung des Europäischen Forschungsraums (EFR)" ansieht. Allerdings stellt er den "Zwang zur Verwendung privater und staatlicher Mittel für Großprojekte" in Frage, da dies nach seinem Dafürhalten eine versteckte Unterstützung bestimmter Projekte bedeute. Wenn private Unternehmen solche Förderungen zum Überleben brauchen, stimme etwas nicht, so Omling. Er ist der Meinung, diese Mittel sollten mehr für die "echte" Forschung verwendet werden.
Länder
Schweden