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Gegensätzliche Standpunkte bei einer öffentlichen Anhörung zum RP6

Die vom Industrieausschuss des Europäischen Parlaments zu einer öffentlichen Anhörung zum Sechsten Rahmenprogramm (RP6) für Forschung und Entwicklung eingeladenen Experten haben eine große Bandbreite an Ansichten zum Ausdruck gebracht, darunter auch einige, die die Gültigkeit ...

Die vom Industrieausschuss des Europäischen Parlaments zu einer öffentlichen Anhörung zum Sechsten Rahmenprogramm (RP6) für Forschung und Entwicklung eingeladenen Experten haben eine große Bandbreite an Ansichten zum Ausdruck gebracht, darunter auch einige, die die Gültigkeit von Teilen des Programms in Frage stellten. Der Berichterstatter des Europäischen Parlaments, das französische MdEP Gérard Caudron, hob die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Diskussion zwischen Wissenschaftlern und der europäischen Öffentlichkeit hervor. Er betonte ferner die Notwendigkeit der Sicherstellung eines nahtlosen Übergangs vom Fünften zum Sechsten Rahmenprogramm. Die lebhafteste Diskussion wurde vom ersten und letzten, sich zu Wort meldenden Experten angeregt. Dr. Freek Heidekamp vom TNO für Strategie- und Forschungsplanung aus den Niederlanden sprach von den Vorzügen der Genomik und Biotechnologie für die Gesundheit, während Dr. Mae-Wan Ho vom britischen Institute of Science in Society den entgegengesetzten Standpunkt vertrat. Die beiden Experten hatten grundsätzlich verschiedene Auffassungen darüber, wie Wissenschaft betrieben werden sollte. Dr. Heidekamp vertrat den traditionellen Standpunkt zur wissenschaftlichen Forschung, mit der Tendenz zu einem reduktionistischen Modell, einem Programm folgend, das sich aus der Trägheit seiner eigenen Entdeckungen ableitet und vorwiegend von wirtschaftlichen Interessen gelenkt wird. Bei diesem Modell wird die soziale Verantwortlichkeit in erster Line durch Politiker und Aktionäre vermittelt. Folglich zeigte er sich mit den Vorschlägen zum RP6 grundsätzlich zufrieden. Im Gegensatz dazu argumentierte Dr.Wan Ho, dass die Frage nach der sozialen Verantwortung des RP6 nicht einmal gestellt worden sei und dass die Öffentlichkeit bei der Entscheidung zur Struktur des Programms kaum etwas zu melden gehabt habe. Demzufolge subventioniere die EU eine von Unternehmen betriebene Wissenschaft in Bereichen wie beispielsweise der Nuklear- und GM-Technologie, die möglicherweise nicht im Interesse der Öffentlichkeit liege und etwas sei, was die Europäer eindeutig nicht wollten. Dr. Wan Ho argumentierte ferner, dass gerade die Struktur der Instrumente - nämlich die Netze für Spitzenforschung und integrierte Projekte unter Einbeziehung privater und öffentlicher Partnerschaften - der Forschung der großen Unternehmen nützten und anders denkende Minderheiten, die innovative Forschung zu nicht kommerziellen Zwecken betrieben, außen vor ließen. Dr. Wan Ho schlug als Alternativen eine verstärkte Forschung im Bereich der organischen Landwirtschaft und eines holistischen Modells für das Gesundheitswesen vor. Die versammelten Vertreter der von Unternehmen betriebenen Forschung stimmten diesem Standpunkt nicht in vollem Umfang zu. Es wurde argumentiert, dass die EU den USA beim Förderungsvolumen hinterherhinke: die Kommission schlägt vor, dass für den Zeitraum von 2002 bis 2006 2000 Millionen Euro in die Genomik und Biotechnologie investiert werden, während der Jahresetat der US-Regierung für denselben Bereich 700 Millionen Euro betrage. Es herrschte Einvernehmen, dass der Präventivmedizin mehr Bedeutung beigemessen werden sollte und dass die potenziellen Gefahren der Biotechnologie, wie beispielsweise durch Biotechnologen, die versehentlich Superviren herstellen, Beachtung geschenkt werden müsse. Der Bericht von Gérard Caudron wird vermutlich im September oder Oktober vom Ausschuss verabschiedet und im Oktober oder November in einer Plenarsitzung zur Abstimmung gebracht.