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Inhalt archiviert am 2022-12-21

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Neuer europäischer wissenschaftlicher Informationsdienst

Während einer Diskussion bei der Eröffnung des Projekts E-BioSci am 6. September erklärte der EU-Forschungskommissar Philippe Busquin, die Verbreitung wissenschaftlicher Informationen überschreite technische Grenzen und sei eng mit kulturellen, wirtschaftlichen, ethischen und ...

Während einer Diskussion bei der Eröffnung des Projekts E-BioSci am 6. September erklärte der EU-Forschungskommissar Philippe Busquin, die Verbreitung wissenschaftlicher Informationen überschreite technische Grenzen und sei eng mit kulturellen, wirtschaftlichen, ethischen und Bildungsfragen verwoben. Kürzlich vergab die Europäische Kommission 2,4 Millionen Euro für das BioSci-Projekt, das genomische und proteomische Daten mit der neuesten Forschungsliteratur aus den Biowissenschaften verknüpfen wird. Die Unterstützung erfolgt über die "flankierenden Maßnahmen" innerhalb des Programms Lebensqualität des Fünften Rahmenprogramms. Der Dienst hat zum Ziel, Europa eine führende Position in der Biotechnologie-Industrie zu verschaffen und Wissenschaftlern und Forschern neue Wege zu weisen, wie sie durch eine zunehmende Flut von biologischen Informationen navigieren können. Das Projekt bringt Verleger, Wissenschaftler, Bibliotheken und Geldgeber aus Deutschland, Spanien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich zusammen. "Das ist der europäische Weg", meinte Carlos Martinez Riera von der GD Forschung der Kommission in Bezug auf die enge Kooperation. Kommissar Busquin betonte, dass die Kommission dieses virtuelle Netz als einen Schritt hin zur Schaffung eines Europäischen Forschungsraums (EFR) sieht. Das Netz von Informationsquellen wird biologische Datenbanken, in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichte Artikel, fortgeschrittene Suchfunktionen und Einrichtungen zur Auffindung von Daten und Bildern umfassen. Busquin hob die Vorteile des Informationsdienstes sowohl für die wissenschaftliche Gemeinschaft als auch die Gesellschaft als Ganzes hervor. Der Kommissar meinte, das Unternehmen, welches selbst ein Forschungsprojekt sei, werde die Förderung von Wissen erleichtern und entwickeln. Les Grivell, der BioSci-Projektkoordinator von EMBO (European Molecular Biology Organisation - Europäische Organisation für Molekularbiologie) sprach von einer "Revolution in der Biologie". "Die Revolution ruft sehr dramatische Änderungen der Art und Weise hervor, wie Biologie durchgeführt und Wissen verbreitet wird", so Grivell. Um seine Behauptung zu stützen, bezog er sich auf Statistiken. Während 1988 20.000 neue Datensätze in Biotechnologie-Datenbanken im ganzen Jahr eingetragen wurden, wurde dieselbe Anzahl im Jahr 2000 täglich in den Datenbanken hinzugefügt. Er bemerkte auch, wie abhängig die Biotechnologie von der digitalen Technologie geworden sei, besonders in Bezug auf Spektren und Bilder, die man unmöglich in gedruckter Form erfassen könne. BioSci werde Pionierarbeit leisten, da es freien Zugang zu so viel veröffentlichtem Material wie möglich bieten werde. Es ermöglicht auch einen schnellen Zugriff, bietet Sicherungsmöglichkeiten und rationelle Suchen sowie die Möglichkeit, Anfragen in verschiedenen Sprachen einzugeben. Das Projekt wird drei Jahre lang von der Europäischen Kommission unterstützt. Während dieser Zeit ist es nicht gewinnorientiert, schützt jedoch den Zugriff auf kommerziell erstelltes Material. Dieses potenzielle Problem wurde von Julio Celis aufgegriffen, der sowohl die FEBS (Federation of Biochemical Societies - Verband der Biochemie-Unternehmen) als auch die EMBC (European Molecular Biology Conference - Europäische Molekularbiologie-Konferenz) vertrat. "Wir müssen aufpassen, nicht alles kostenlos bereitzustellen, sonst werden wir bald nicht mehr existieren", meinte er. Ähnlich drückte sich auch Jayne Marks von der Fachzeitschrift "Nature" aus. "Wenn Dinge nach sechs Monaten kostenlos wären, könnten Bibliotheken es sich nicht leisten, für sechs Monate zu bezahlen", sagte sie. "Einige Ziele sind ziemlich ehrgeizig und wir brauchen bedeutende Forschung, um sie zu erreichen", antwortete Projektkoordinator Les Grivell. Die Forderung nach der kostenlosen Veröffentlichung von Forschungsergebnissen im Internet ist natürlich beliebt, wie ein kürzlich erfolgter Aufruf zum Boykott wissenschaftlicher Verlage, die sich weigern, dies zu tun, zeigte. Es kamen dafür 26.000 Unterschriften in mehr als 150 Ländern zusammen. Die Wurzel der Proteste ist, dass Wissen ein öffentliches Gut ist, das allen zugänglich sein sollte, insbesondere da Forschung oft aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Celis lobte jedoch die Initiative, besonders weil sie den weniger reichen Ländern Unterstützung bietet. "Ich bin erfreut über die Tatsache, dass dies Realität werden wird", erklärte er. "Dies wird den weniger begünstigten Ländern helfen, schnelleren Zugang zu bereits verfügbaren Informationen zu bekommen." Zum Abschluss äußerte Kommissar Busquin seinen Wunsch, dass Europa zum Pionier bei der Einrichtung eines elektronischen wissenschaftlichen Verlagssystems, das allen offen steht, werden soll. "Ich sehe diese Initiative als eine Gelegenheit, die wir nicht verpassen dürfen, sowohl um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Verlagswesens zu steigern als auch, um den Zugang für Forscher und die Gesellschaft im Allgemeinen zu qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu verbessern", erklärte er.

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