Forscher skizzieren Nutzungsmöglichkeiten der integrierten Projekte und Exzellenznetze
Vertreter der Forschergemeinschaft präsentierten bei einer Veranstaltung der Kommission am 11. März in Brüssel ihre Visionen zu den Nutzungsmöglichkeiten der neuen Instrumente, die für das Sechste Rahmenprogramm (RP6) vorgeschlagen wurden. Ziel der Veranstaltung war es, "Informationsmultiplikatoren" über die neuen Instrumente zu informieren, besonders in Bezug auf den sechsten vorrangigen Themenbereich "Nachhaltige Entwicklung und globale Veränderungen". Vertreter der Automobil- und Schiffbauindustrie skizzierten, wie sie integrierte Projekte und Exzellenznetze in ihren Forschungsgebieten nutzen würden. Dr. Ulf Palmquist von EUCAR (European Council for Automotive R&D) sagte, ein integriertes Projekt im Bereich integrierter Sicherheit würde die Sammlung mehrerer Projekte oder Unterprojekte rund um einen Entwicklungsweg hin zu einem Gesamtziel bedeuten. Diese Projekte würden eine Reihe von Themenbereichen des RP6 abdecken, darunter Technologien der Informationsgesellschaft, Nanotechnologie und nachhaltige Entwicklung. Im Hinblick auf das Management sieht EUCAR "zur Verwaltung eines so großen Projekts geschichtete und verteilte Verantwortlichkeiten" vor. Dies würde eine Kerngruppe für die strategische Gesamtverwaltung des Projekts einbeziehen, mit einem Projektmanager, der für das tagtägliche Management und die Arbeitsvorgänge zuständig wäre. Während die Kommission zwischen drei und fünf Jahre laufende integrierte Projekte anstrebt, ist Dr. Palmquist der Überzeugung, dass ein Zeitraum von fünf bis acht Jahren angemessener wäre, mit einem Gesamthaushalt von etwa 20 Millionen Euro. Bezüglich der Rechte zum Schutz des geistigen Eigentums befürwortet Dr. Palmquist die gemeinsame Nutzung von Resultaten innerhalb einzelner Unterprojekte, jedoch ohne globalen Zugriff auf das Wissen der einzelnen Partner. Er erwarte außerdem den Austausch von Bewertungsergebnissen, nicht aber der Lösungen. Dr. Palmquist befürwortet die Absicht der Kommission, finanzielle Unterstützung in Form einer "Beihilfe zum Budget" zu bieten. Seiner Ansicht nach ermöglicht sie ein operationelles und taktisches Management des Projekts sowie Flexibilität in Bezug auf die Umschichtung der Ressourcen und gewährleistet Transparenz in der Verwaltung. Die finanzielle Gesamtverantwortung solle nach EUCAR die Kerngruppe und die Verantwortung vor Ort jedes Projekt und jeder daran beteiligte Partner tragen. Michael Goldan vom Verband der niederländischen Schiffbauindustrie VNSI sagte, Exzellenznetze würden der europäischen Schiffsbauindustrie Nutzen bringen und ihr helfen, mit Schiffsbauunternehmen aus dem Fernen Osten zu konkurrieren. Goldan machte besonders darauf aufmerksam, dass die europäische Forschung im Bereich Schiffsbau in hohem Maße spezialisiert sei und oft kleine Organisationen umfasse. Für die Industrie sei es daher schwierig, genügend kritische Masse in Bezug auf Humanressourcen und Infrastrukturen zu mobilisieren. Goldan beschrieb seine Vorstellung von einem Exzellenznetz als ein Programm gemeinsam durchgeführter Forschungsarbeiten, die integrierte Aktivitäten umfassen würden wie etwa Programmierung, Austausch von Personal, Forschungsplattformen, reale und virtuelle Einrichtungen und möglicherweise einen neuen Unternehmensschwerpunkt, der eine Anpassung an die Aktivitäten der Beteiligten beinhalte. Über das Netz würden Spitzenleistungen durch die Schulung der Forscher, Informationsverbreitung und Vernetzung verbreitet werden. Goldan ist davon überzeugt, dass ein solches Netz zu wettbewerbsfähiger Konstruktion und Produktion, neuen Schiffskonzepten, zum Eintritt in neue Märkte und Dienste, zu schnelleren Schnittstellen zwischen Schiff und Land und zu sichereren und umweltfreundlicheren Schiffen führen würde. Goldan stellt sich ein typisches Netz vor, an dem etwa sieben Partner von Universitäten und Forschungsinstituten mit jeweils fünf Forschern beteiligt sein sollten. Darüber hinaus sollten 14 Partner aus der Industrie beteiligt sein, von denen jeder zwei oder drei Forscher einbringt. Im Ergebnis wären dies insgesamt 105 Forscher. Seiner Meinung nach soll die Hälfte der Haushaltsmittel für Forschung, 20 Prozent für Integration, 20 Prozent für die Verbreitung von Informationen und nicht mehr als 10 Prozent für die Verwaltung aufgebracht werden. Vertreter der Kommission betonten allerdings, dass die Forschungsintensität von einem Thema zum anderen variieren würde. Goldan schloss mit der Feststellung, dass Exzellenznetze die Chance böten, Forschungskapazitäten zu verstärken, was innerhalb der Industrie besonders vonnöten sei. Für ihn sei ein solches Netz ein Mittel zur Integration in Europa. Dazu könnten die bestehenden Netze, wie z.B. die im Fünften Rahmenprogramm geschaffenen thematischen Netzwerke, als Ausgangspunkt genutzt werden.