EMBO verlangt Maßnahmen für eine ausgewogenere Vertretung der Geschlechter in den Biowissenschaften
Die Europäische Organisation für Molekularbiologie (EMBO) hat ein Positionspapier vorgelegt, in dem sie Maßnahmen verlangt, um die Gleichstellung von Männern und Frauen in der biowissenschaftlichen Forschung zu gewährleisten. Diese Stellungnahme war vom EMBO-Rat im Anschluss an das Seminar "The glass ceiling for women in the life sciences" (Die gläserne Decke für Frauen in den Biowissenschaften) verabschiedet worden, das der Verband im Juni 2001 durchgeführt hatte. Darin wird auf die Unterrepräsentation der Frauen in leitenden Positionen der Biowissenschaften verwiesen, denn "obwohl es unter den Studenten mindestens so viele Frauen wie Männer gibt, nimmt der Frauenanteil ab, je höher es die Karriereleiter hinauf geht", heißt es. Die EMBO warnt die Forschung davor, diese Talente außer Acht zu lassen, denn "die Biowissenschaften werden immer bedeutender, wobei der Bedarf für gut ausgebildete Naturwissenschaftler zunimmt, während die Zahl der Studenten der Naturwissenschaften abnimmt". Nach Ansicht der EMBO leiden die Karrieren von Frauen auch unter dem Druck, Arbeit und Familie miteinander verbinden zu müssen, denn "Schwangerschaften fallen häufig mit der Phase zusammen, in der die meisten jungen Naturwissenschaftlerinnen sich eine unabhängige Position erarbeiten. Wenn sie aber längere Zeit aus dem Labor sind, sind sie weniger wettbewerbsfähig". Außerdem fehle es an Naturwissenschaftlerinnen, die Frauen als Vorbilder dienen könnten, sodass sie, auch angesichts der unzureichenden Unterstützung am Arbeitsplatz, zögerten, "Forschungsmittel zu beantragen oder sich um gehobene Positionen zu bewerben". Die Stellungnahme macht sowohl offene Formen der Diskriminierung, z.B. die Dominanz von Männern auf Konferenzen und in leitenden Positionen, als auch eher subtile Formen, so etwa niedrigere Gehälter, deutlich, die Hindernisse in der Laufbahn von Naturwissenschaftlerinnen darstellen können. Die Autoren empfehlen die Sammlung und ständige Aktualisierung von Informationen über Fragen der Beschäftigung, Löhne, Budgets, Zuschüsse und Laborflächen sowie die Aufstellung von Zielvorgaben im Hinblick auf die Erhöhung der Anzahl qualifizierter Frauen in leitenden Positionen. Sie schlagen außerdem vor, Naturwissenschaftlern, die neben ihrer Forscherlaufbahn auch Kinder großziehen, Unterstützung zu leisten, familienfreundliche Lösungen wie Kinderbetreuung und flexible Beschäftigungsverhältnisse einzuführen und die Bedeutung der Beteiligung von Frauen an Konferenzen und Kursen besser herauszustellen. Ferner sollten Mentoring-Programme unterstützt werden und Frauen sollten ermuntert werden, hohe, wettbewerbsfähige Forschungsmittel zu beantragen und sich um leitende Positionen als Naturwissenschaftlerinnen zu bemühen. EMBO ist dabei, das Förderprogramm "Restart" für Naturwissenschaftlerinnen einzurichten, die nach einer Babypause wieder in den Beruf einsteigen. Die erste Frist für die Einreichung von Bewerbungen ist der 15.August 2002.