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Inhalt archiviert am 2023-01-01

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Die Zukunft des nachhaltigen Land- und Seeverkehrs - Referatsleiter im Gespräch mit CORDIS Nachrichten

Technik und Politik sind alleine nicht in der Lage, den Schwerpunkt der Verkehrsbilanz weg vom Straßenverkehr zu verlagern, sagte Christos Tokamanis, Leiter des Referats Landverkehrs- und Meerestechnologien, im Gespräch mit CORDIS Nachrichten. Im Hinblick auf die Nachhaltigke...

Technik und Politik sind alleine nicht in der Lage, den Schwerpunkt der Verkehrsbilanz weg vom Straßenverkehr zu verlagern, sagte Christos Tokamanis, Leiter des Referats Landverkehrs- und Meerestechnologien, im Gespräch mit CORDIS Nachrichten. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit finanziere die Kommission daher Maßnahmen auf verschiedenen Gebieten, darunter die Energieversorgungs-Infrastruktur, die Fahrzeugtechnik, die Intermodaliät, die Erziehung der Verkehrsteilnehmer, Mobilitätsdienste, Straßenbau und die dynamische Navigation. Diese Fragen stünden auf der Tagesordnung der Konferenz der Kommission "Surface transport technologies for sustainable development" (Land- und Seeverkehrstechnologien für eine nachhaltige Entwicklung) vom 4. bis 6. Juni in Valencia. Die Konferenz habe das Ziel, die erzielten Fortschritte bei der Entwicklung einer neuen Technologiegeneration für Automobile, Eisenbahnen, den Schiffbau und den intermodalen Verkehr zu festigen, sagte Tokamanis. Daneben betrachte die Konferenz auch die Zukunft der Land- und Seeverkehrstechnik innerhalb des Europäischen Forschungsraums (EFR) und des Europäischen Innovationsraums. Neben der unmittelbaren Zukunft, so Tokamanis, werde die Konferenz auch langfristigere Perspektiven behandeln. Die Kommission habe bereits Beratergruppen eingesetzt, die Szenarien für das Jahr 2020 und 2030 aufstellen sollen. "Die Konferenz stellt eine Art Frühstart des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) innerhalb des Europäischen Forschungsraums und gleichzeitig eine Betrachtung des politischen Umfelds dar", sagte Tokamanis. Man könne sich zwar fragen, ob es Sinn macht, Fragen des Straßen-, Schienen- und Seeverkehrs auf einer gemeinsamen Veranstaltung abzuhandeln; Tokamanis zufolge bestehen aber Synergien zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern, und hier könnten zukünftige Maßnahmen ansetzen. Die Nachhaltigkeit habe im Programm "Wettbewerbsorientiertes und nachhaltiges Wachstum" des Fünften Rahmenprogramms immer eine Schlüsselrolle gespielt. Nach der Lissabonner Erklärung und dem Europäischen Rat von Göteborg im letzten Jahr, der erklärte, dass die nachhaltige Entwicklung zukünftig zu den wichtigsten Politiken der Kommission gehören müsse, habe dieses Thema jedoch wieder an Bedeutung gewonnen, wie Tokamanis gegenüber CORDIS Nachrichten erklärte. Auf die Frage, ob die Kommission den europäischen Bürgern davon abraten solle, auf den Straßenverkehr, das am wenigstens nachhaltige Landverkehrsmittel, zurückzugreifen, entgegnete Tokamanis, "abraten" sei nicht das richtige Wort. "Heute leiden wir darunter, dass sich ein Verkehrsmittel gegenüber den anderen durchgesetzt hat. Das hat viel mit persönlichen Vorlieben zu tun. Die Menschen sind sehr auf die eigene Mobilität bedacht. Sie kaufen sich zum Beispiel ein Auto und behandeln es wie ihre eigene Wohnung, und mit wachsendem Wohlstand und Lebensstandard legen sie sich gleich zwei oder drei Autos zu. Die im Weißbuch zur Verkehrspolitik und im Grünbuch zur Energiepolitik dargelegte Politik der Kommission befürwortet eine Veränderung des Verkehrsmix und des Energiemix", sagte Tokamanis. Die Kommission sei daher für eine Verlagerung sowohl des Personen- als auch des Frachtverkehrs von der Straße auf die Schiene und das Wasser; gleichzeitig sollten statt traditionellen fossilen Brennstoffen mehr erneuerbare Energieträger und Wasserstoff eingesetzt werden. Kann die Kommission aber über die von ihr finanzierten Forschungsmaßnahmen auf alte Gewohnheiten einwirken? "Die Politik wird dies nicht alleine schaffen, und die Technik ebenso wenig", meint Tokamanis. Tokamanis erwartet hingegen, dass eine Verschiebung des Gleichgewichts möglich ist, wenn alle zur Verfügung stehenden Technologien eingesetzt werden. "Der momentan verfolgte Ansatz stützt sich auf eine sehr begrenzte technologische Grundlage, obwohl eigentlich zahlreiche Technologien zur Verfügung stehen", sagte er. "Wir wollen eine ausgewogenere Verteilung dieser Technologien erreichen, indem der Schwerpunkt von einem Verkehrsträger auf einen anderen verlagert wird, und so den Bedarf an Verkehrsmitteln in den Städten senken [...] und ihn auf andere Verkehrsträger umschichten." Zwar gebe es auch bei anderen Verkehrsträgern Nachteile, etwa die Probleme der Eisenbahn im Bereich der Interoperabilität und der Verknüpfung der Netze, doch würden diese Bereiche von Forschungsmaßnahmen mit Unterstützung der Kommission berücksichtigt. Die Forschung auf dem Gebiet der Eisenbahn unter dem RP5 habe sich etwa mit der passiven Sicherheit, dem Aufprallenergieaufnahmevermögen, neuen Antriebssystemen, Energieeffizienz und Lärmverringerung beschäftigt. Die Forschung auf dem Gebiet des Seeverkehrs hat gleichzeitig einen neuen Schiffstyp hervorgebracht, der "nicht nach empirischen Vorgaben, sondern nach Regeln gebaut wird, die auf einer Risikobewertung basieren", so Tokamanis. Die Unterstützung durch die Kommission endet jedoch nicht im Forschungsbereich. "Wir entwickeln nicht nur einzelne Technologien, sondern entscheidende Technologien, um diese in Technologieplattformen zu integrieren, die dem Endprodukt oder -prozess ähneln. In Valencia wollen wir den gesamten Innovationsprozess von der Forschungsidee bis zum neuen Produkt und dessen Umsetzung vorstellen", sagte Tokamanis gegenüber CORDIS Nachrichten. Was die weitere Zukunft anbelangt, hat der Referatsleiter bereits Reaktionen seitens der Forschergemeinde auf Themen erhalten, die Gegenstand eines integrierten Projekts oder Spitzenforschungsnetzes sein könnten. Ein wahrscheinliches Thema für ein integriertes Projekt ist die integrierte Sicherheit, wobei Forschungsinstitute, die sich mit dem Schienenverkehr beschäftigen, sich zu Spitzenforschungsnetzen zusammenschließen könnten, um neue standardisierte Mess- und Produktionsverfahren zu entwickeln. Rund 3500 Schiffbauer und Vertreter von Werften in ganz Europa würden ebenfalls von einem Spitzenforschungsnetz profitieren. Tokamanis erwartet, dass das Programm "Growth" beim Übergang zum RP6 in keiner Weise verliert. "Das Growth-Programm bleibt mehr oder weniger gleich", sagte er. Der Verkehrsbereich werde sogar ausgeweitet. Die Forschungshaushalte für Luftfahrt, Raumfahrt und Land- und Seeverkehr machen zusammen weit mehr aus als die 2,7 Milliarden Euro, die unter dem RP5 bereitstehen. "Insgesamt gewinnen wir dabei", sagte Tokamanis.

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