Byrne: Wissenschaft ist das Fundament der EU-Gesetzgebung
Obwohl sich die Grenzen des wissenschaftlichen Wissens laufend ändern, ist die Wissenschaft für eine effektive Gesetzgebung in Europa unabdingbar, so die Meinung des EU-Kommissars für Gesundheit und Verbraucherschutz David Byrne. Da wissenschaftliche Entdeckungen die Grenzen unseres Wissens ständig erweitern, "muss eine auf Wissenschaft basierte Gesetzgebung unweigerlich als Übergangsphase betrachtet werden, die den aktuellen Wissensstand zu einem bestimmten Zeitpunkt reflektiert. Unsere aktuelle Gesetzgebung auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse von vor einem Jahrhundert zu gründen wäre undenkbar", führte Kommissar Byrne auf dem Toxikologie-Forum am 27. Mai in Brüssel aus. Er fügte jedoch hinzu: "Trotz dieser Unsicherheiten gibt es keine vernünftige Alternative zur Wissenschaft. Sie muss daher definitiv ein unentbehrlicher und fundamentaler Bestandteil bleiben, der alle rechtlichen Entscheidungen beeinflusst." Die Europäische Union regelt anhand der zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen und medizinischen Gutachten eine große Anzahl an Substanzen, Produkten und Prozessen einschließlich Nahrungsmittelzusätze und Tiermedizin. Byrne gab jedoch zu bedenken, dass rechtliche Entscheidungen schnell an Gültigkeit verlieren können, da sie immer vom Tempo des Fortschritts des entsprechenden wissenschaftlichen Gebietes abhängen. "Die wissenschaftliche Basis für eine bestimmte Verordnung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt universell als unumstößlich gilt, kann schon kurze Zeit später völlig überholt sein", sagte er. Byrne fügte hinzu, dass die Gründung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit der Rolle der Wissenschaft im Regulierungssystem der EU einen "enormen Auftrieb" geben werde. Er führte aus, dass die vorhandene Infrastruktur zur Unterstützung der wissenschaftlichen Ausschüsse der Kommission nicht mehr angemessen sei, und dass die Behörde im Prozess der Risikobewertung einen höheren Grad an Unabhängigkeit bieten könne.