Forschung ist Schlüsselbereich in STAR 21
Die Erhöhung der Mittel für die Forschung im europäischen Luft- und Raumfahrtsektor und die Koordinierung der Maßnahmen auf diesem Gebiet gehören zu den wichtigsten Empfehlungen des Berichts STAR 21 ("Strategic Aerospace Review for the 21st Century"), den die Europäische Kommission am 16. Juli vorlegte. Nach Angaben des Berichts machen Sicherheit, Verteidigung und die damit verbundene Forschung größte Anstrengungen notwendig. Er empfiehlt neben der Bereitstellung zusätzlicher Mittel eine Harmonisierung der Verteidigungshaushalte und eine gemeinsame Festlegung der militärischen Beschaffungsbudgets in Europa, da hier immer noch vor allem nationale Aspekte im Vordergrund stünden. Mehr Kohärenz würde Europa zugute kommen, da dies nicht nur zur Angleichung der Wettbewerbsbedingungen im Vergleich zu den USA beiträgt, sondern auch zu größeren Spinoff-Vorteilen führen würde. Es gäbe zahlreiche Beispiele dafür, dass die Verteidigungsforschung auch einen zivilen Nutzen hat, so etwa GPS (Global Positioning Systems). Der Bericht nennt zwei Prioritäten, nämlich Verbesserungen der Struktur der europäischen Forschung und Technologie in der zivilen und der militärischen Luft- und Raumfahrt sowie rasche Fortschritte bei der Entwicklung eines einheitlicheren europäischen Marktes für Verteidigungsgüter. Die Erhöhung der Rüstungsausgaben der EU-Länder wäre dem Bericht zufolge ein Schritt zur Lösung dieser Fragen. Wichtigster Konkurrent der EU in der Luft- und Raumfahrt sind die USA, die die Hälfte des Weltmarkts beherrschen. Die USA geben rund drei Prozent ihres BIP (Bruttoinlandsprodukt) für Rüstung aus, die EU-Länder im Durchschnitt jedoch weniger als zwei Prozent und manche Länder nur ein Prozent. Zwar erwartet der Bericht eine Intensivierung der Beziehungen zwischen den USA und der EU (die einen Anteil von rund einem Drittel am weltweiten Luft- und Raumfahrtmarkt hat), doch es seien andere Bedingungen für den gegenseitigen Marktzugang notwendig, damit die EU wirklich wettbewerbsfähig werden kann. Wie Kommissionsmitglied Erkki Liikanen (Unternehmen und Informationsgesellschaft) erklärte, besäßen die USA mehr oder weniger freien Zugang zum EU-Rüstungsmarkt, während die EU nur einen recht begrenzten Zugang habe. So gäbe es sogar Verteidigungsbestimmungen, nach denen ausschließlich US-Unternehmen bestimmte Produkte und Dienstleistungen liefern dürfen. EU-Forschungskommissar Philippe Busquin erklärte, er sei sich der Bedeutung einer koordinierten Reaktion der EU auf Fragen der Luft- und Raumfahrt bewusst. "Mittel- und langfristige Strategien für die Industrie hängen weitgehend vom wissenschaftlichen Fortschritt ab. Der Luft- und Raumfahrtsektor ist ein einschlägiges Beispiel dafür, wie Europa eine starke Industrieplattform aufbauen kann, die sich auf technologische Anwendungen, Produkte und Verfahren der Weltklasse stützt, indem die Ressourcen auf EU-Ebene gebündelt werden und dadurch eine wettbewerbskritische Masse erzeugt wird." Daneben verwies er darauf, dass "Luft- und Raumfahrt" ein vorrangiger Themenbereich im Sechsten Forschungsrahmenprogramm ist. Bei der Vorstellung des Berichts war neben Liikanen auch Jean-Paul Béchat, der Vorsitzende und CEO des Luft- und Raumfahrtunternehmens SNECMA, zugegen. Er betonte, der Weltraum werde von großer Bedeutung für die Erforschung der Luft und die biotechnologische Forschung sein, und stellte gleichzeitig klar, dass Steueranreize für entsprechende Forschungsmaßnahmen zwar willkommen seien, die Industrie jedoch nicht nach Subventionen gerufen habe. Der Bericht stellt fest, dass die europäischen Bürger die Fortschritte im Luft- und Raumfahrtsektor in unterschiedlicher Weise spüren werden. "Die Luft- und Raumfahrt ist von entscheidender Bedeutung für die Verwirklichung der Ziele Europas, was das Wirtschaftswachstum, die Sicherheit und die Lebensqualität anbelangt", so der Bericht. Die Europäische Kommission wünscht "möglichst umfassende Reaktionen" auf diesen Bericht, dessen Erstellung ein Jahr dauerte. Daran mitgewirkt haben sowohl Politiker, darunter fünf Kommissionsmitglieder, als auch Führungskräfte aus dem Luft- und Raumfahrtsektor.