Wissenschaftler stellen eigene Forschungsprioritäten vor
Die Rolle der Hochschulen, die Hindernisse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Konflikte zwischen Wissenschaft und Politik und kulturelle Unterschiede waren nur einige der Themen, die auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Wissenschaft und Politik" bei der Eröffnungsveranstaltung des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) am 11. November zur Sprache kamen. Laut Stephen Benn von der britischen Royal Society of Chemistry bestehen auf nationaler Ebene Spannungen zwischen der Welt der Wissenschaft und der Politik. "Politiker verzweifeln oft an Wissenschaftlern, die ihnen nicht immer die gewünschten Informationen zur Verfügung stellen können, während Wissenschaftler auf Grund ihrer langfristigen Perspektive oft an der kurzfristigeren Sicht der Politik verzweifeln", sagte Dr. Benn. Murli Manohar Joshi, der indische Minister für die Entwicklung der Humanressourcen sowie Wissenschaft und Technik, erläuterte in seiner Rede, dass kulturelle Unterschiede zwar die Verfahren im Bereich der Wissenschaft bedingen, aber die Ansichten und Ziele oft die gleichen sind. "In Indien wird der wissenschaftliche Fortschritt nicht so einfach akzeptiert wie im Westen", erklärte Minister Joshi. Sein Land, fügte er hinzu, sei noch nicht so weit, dass es "zwei Prozent des BIP für die Wissenschaft aufwenden" kann. Dennoch bezeichnete er die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und Indien als "Kooperation zum Erwerb neuen Wissens". Für Wissenschaftler und Politiker müsse die Priorität gelten, dass "die Wissenschaft ein menschliches Antlitz besitzt". Im Hinblick auf das Ziel der EU, eine wissensbasierte Gesellschaft zu schaffen, unterstrich Professor Sue Iversen von der Universität Oxford, wie wichtig eine Forschung von Weltrang sei. Politiker und Wissenschaftler müssten zusammenarbeiten, um eine "Kultur der Innovation" zu schaffen. Gleichzeitig betonte sie die Rolle der Hochschulen in diesem Prozess. Hochschulen, so Professor Iversen, leisteten seit vielen Jahrzehnten eine ununterbrochene Bildungsarbeit, sodass sie übertragbare Fertigkeiten anbieten könnten. Während zahlreiche Unternehmen ihre Forschungsinvestitionen zurückschraubten, wandten sich viele andere an forschungsintensive Hochschulen, die die Lücke füllen sollten, fügte sie hinzu. Professor Iversen rief ferner dazu auf, die Hindernisse zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu beseitigen: "Wir können von uns aus in proaktiver Weise handeln und selbst etwas unternehmen", sagte sie.