Die belgische Lösung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle
Die EU-Kommissionsmitglieder Philippe Busquin (Forschung) und Loyola de Palacio (Energie und Verkehr) besuchten am 4. Februar das belgische Kernforschungszentrum (SCK-CEN) in Mol (Belgien), um sich über eine unterirdische Forschungseinrichtung zur Untersuchung der Möglichkeiten zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Tonformationen zu informieren. Das belgische Kernforschungszentrum (SCK-CEN) hat in Zusammenarbeit mit der belgischen Nationalen Einrichtung für Radioaktiven Abfall und angereicherte Spaltprodukte (NERAS) das Projekt High Activity Disposal Experimental Site (HADES) auf den Weg gebracht, das vom europäischen Untertage-Forschungslabor für die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Tonformationen (European Underground Research Infrastructure for Disposal of Nuclear Waste in Clay Environment, EURIDICE) betrieben wird. Mit diesem Jointventure, das zum Großteil von der Europäischen Kommission finanziert wird, sollten das Know-how und die Erfahrungen beider Organisationen gebündelt werden. "[HADES] ist von zentraler Bedeutung für die Prüfung und Durchführung von Konzepten zur Endlagerung in großer Tiefe. Es handelt sich um ein einzigartiges wissenschaftliches und technisches Instrument für Schulungszwecke und zur Gründung gemeinsamer internationaler multidisziplinärer Forschungsgruppen", sagte Jean-Paul Minon, Generaldirektor der NERAS. Das HADES-Labor wird in einer Tiefe von 224 Meter in einer Boom-Tonschicht ausgebaggert. Es beschäftigt sich in erster Linie mit den chemischen Reaktionen von Abfallkörpern, die in der Umwelt entsorgt werden sollen, und der Migration von Strahlenelementen. Laut Frank Deconinck, dem Leiter von SCK-CEN, tragen Projekte wie HADES zur "Erhaltung der Führungsrolle Europas auf diesem Gebiet" [der Nuklearforschung] bei. HADES ist weltweit das einzige unterirdische Labor, das sich mit der Durchführbarkeit der Entsorgung hochradioaktiver Abfälle in plastischem Ton befasst. Zusammen mit dem Demonstrationsprojekt PRACLAY (Preliminary Demonstration Test for Clay Disposal of Highly Radioactive Waste) können die Forscher das Konzept der geologischen Endlagerung in der Boom-Tonschicht im tatsächlichen Maßstab und bei den zu erwartenden Temperaturen testen und weiter untersuchen. Die Boom-Tonschicht in Mol ist 32 Millionen Jahre alt und enthält bereits von Natur aus Uran, Thorium und langlebige Isotope. Die bisherigen Forschungsmaßnahmen in Mol deuten darauf hin, dass Ton eine sichere Lösung darstellt. Das Projekt HADES hat sich in den vergangenen 20 Jahren dank der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission und verschiedener Maßnahmen unter den Rahmenprogrammen immer weiter entwickelt. So wurde der Standort etwa um einen zweiten Zugangsschacht und einen zusätzlichen Stollen erweitert. Von Laboratorien wie HADES erhofft man sich einen Beitrag zur Entwicklung von unterirdischen Lagerstätten für hochradioaktive Abfälle, denn wenn die kürzlich vorgeschlagenen Richtlinien in Kraft treten sollten, müssten die Mitgliedstaaten spätestens 2013 überall in Europa über betriebsfähige Lagerstätten verfügen.