Studie: Entscheidungen von Ärzten durch Religion, Kultur und Geografie beeinflusst
Die Entscheidungen europäischer Ärzte zur Begrenzung lebenserhaltender Maßnahmen für Patienten auf Intensivstationen unterscheiden sich je nach Religion, Kultur und Geografie. Dies geht aus einer größeren Studie zum Thema "Lebensende"-Praktiken in verschiedenen europäischen Ländern hervor. Im Rahmen der von Forschern des medizinischen Zentrums der Hadassah-Hebrew-Universität in Jerusalem (Israel) durchgeführten Ethicus-Studie wurden die Fälle von über 30.000 Patienten in 17 europäischen Ländern untersucht. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Begrenzung lebenserhaltender Maßnahmen allgemein üblich ist, die Praxis sich jedoch von Land zu Land unterscheidet. Die Hauptfaktoren für solche Abweichungen sind religiöse und kulturelle Unterschiede. Das Team wies jedoch auch darauf hin, dass die Werte und Praktiken der Ärzte in den einzelnen Ländern ebenfalls unterschiedlich sind. Die Studie ergab, dass Ärzte aus Südeuropa weniger geneigt sind, von einer Behandlung abzusehen, um den "Prozess des Sterbens" zu verkürzen, als Ärzte in Nordeuropa. Außerdem brechen protestantische und römisch-katholische Ärzte ebenso wie ihre Kollegen ohne Religionszugehörigkeit lebenserhaltende Maßnahmen eher ab als muslimische, jüdische oder griechisch-orthodoxe Ärzte. Neben geografischen und religiösen Faktoren sind der Studie zufolge jedoch auch das Alter des Patienten, die Diagnose und die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation wichtige Erwägungen. Insgesamt wurde bei fast drei Viertel der Patienten, deren Tod durch die Studie abgedeckt wurde, die Behandlung begrenzt. Bei einem Drittel solcher Begrenzungen handelte es sich um den Abbruch der Behandlung und bei einem weiteren Drittel um das Absehen von einer Behandlung. Professor Charles Sprung von der Hadassah-Hebrew-Universität, der die Studie leitete, sagte: "In den 70er Jahren wurde versucht, jeden Patienten wiederzubeleben. Diese Entscheidung gehört nicht mehr zur Routine. [D]ie Ärzte hören den Patienten und deren Angehörigen zu, um zu verstehen, was dem einzelnen Patienten lieber wäre und was am besten für den Patienten ist." Professor Sprung hofft, dass die Studie Ärzten, Krankenschwestern, Patienten und Angehörigen helfen wird, "mit den schwierigen und schmerzlichen Entscheidungen, die täglich getroffen werden, besser klar zu kommen".
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