Europäische Forschung verweist auf zentrale Rolle von Kometen bei der Entstehung von Leben
Eine internationale Gruppe von Astronomen hat das Vorhandensein komplexer organischer Moleküle in der chemischen Zusammensetzung von zwei Kometen bestätigt. Dies könnte die Theorie erhärten, dass Kometen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Leben auf der Erde spielten. Die Forschungsarbeiten wurden von Wissenschaftlern aus Finnland, Frankreich und den Niederlanden durchgeführt und von einem Team der Universität Lüttich in Belgien koordiniert. Als unser Sonnensystem noch jung war, wurden die neu entstandenen Planeten von Kometen mit Kernen aus Eis und Staub bombardiert. Seit Jahrzehnen schon nehmen zahlreiche Wissenschaftler an, dass Wasser und weitere organische Moleküle, die für die Entstehung von Leben auf der Erde notwendig sind, aus diesen Zusammenstößen hervorgegangen sein könnten. Weiterhin herrschte bereits die Erkenntnis vor, dass die Kometen, die von diesen Kollisionen verschont blieben und bis heute überlebt haben, ein klares Bild der vor 4,6 Milliarden Jahren vorherrschenden physikochemischen Bedingungen geben könnten. Der erste Durchbruch des Teams fand 1997 statt, als der Komet Hale-Bopp die Erde in einem Abstand von 194 Millionen Kilometern passierte. Die Wissenschaftler analysierten mit dem auf den Kanarischen Inseln aufgestellten "Nordic Optical Telescope" die chemische Zusammensetzung des Kometen und waren überrascht, als sie Mengen eines schweren Stickstoffisotops fanden, die so hoch waren, dass sie nicht von einfachen Molekülen stammen konnten. Die Entdeckung deutete auf das Vorhandensein komplexer organischer Materie in dem Kometen hin. Um sich darüber aber ganz sicher zu sein, mussten die Astronomen zur Erhärtung der Theorie weitere Beobachtungen durchführen. Sie mussten bis Herbst 2002 warten, bevor wieder ein Komet am Himmel auftauchte, der strahlend genug war, um genaue Messungen zuzulassen. Mit einem Instrument des "Very Large Telescope" (VLT) in Chile konnten die Forscher das Vorhandensein komplexer organischer Moleküle im Kometen WM1 (LINEAR) nachweisen. Die Arbeit der Gruppe wird höchstwahrscheinlich den Horizont bei der Erforschung von Kometen erweitern. Noch fundamentaler jedoch ist, dass diese Himmelskörper, die angeblich Untergang und Katastrophen auf die Erde bringen sollten, unter Umständen etwas viel weniger Verheerendes mit sich brachten: das Leben selbst.
Länder
Belgien, Finnland, Frankreich, Niederlande