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Aufruf zu Offenheit und internationalem Engagement für Ethik in der medizinischen Forschung

Während eines internationalen Seminars über Ethik in der medizinischen Forschung, das am 13. Oktober in Brüssel stattfand, war einer der wenigen Punkte, in dem die meisten übereinstimmten, dass die Behandlung solcher Fragen auf internationaler Ebene ein äußerst schwieriges Vor...

Während eines internationalen Seminars über Ethik in der medizinischen Forschung, das am 13. Oktober in Brüssel stattfand, war einer der wenigen Punkte, in dem die meisten übereinstimmten, dass die Behandlung solcher Fragen auf internationaler Ebene ein äußerst schwieriges Vorhaben sei. Doch trotz der Schwierigkeit, eine internationale Diskussion über ethische Fragen aufrechtzuerhalten, riefen viele der Teilnehmer der Veranstaltung, die gemeinsam vom norwegischen Forschungs- und Innovationsforum und dem slowenischen Ministerium für Bildung, Forschung und Sport organisiert wurde, schließlich dazu auf, mehr Meinungsaustausche dieser Art durchzuführen. Laut Barbara Rhode, Leiterin des Referats für Ethik und Wissenschaft bei der GD Forschung der Kommission, ist das Thema Ethik für die Europäische Union generell schwierig, ob nun im Zusammenhang mit medizinischer Forschung oder anderen Wissenschaftsbereichen. "Obwohl es eine Verpflichtung gibt, grundlegende ethische Prinzipien innerhalb des Sechsten Rahmenprogramms [RP6] zu respektieren, hat die Kommission nicht die Befugnis, ethische Fragen zu behandeln, da diese aus der nationalen Vielfalt und den verschiedenen Empfindungen heraus entstehen und daher dem Subsidiaritätsprinzip unterliegen", so Rhode. Die wichtigsten ethischen Standards unter dem RP6 sind, dass die Teilnehmer an EU-geförderter Forschung die Vorschriften und ethischen Regeln des Landes erfüllen müssen, in dem die Forschung durchgeführt wird. Soweit angemessen müssen die Forscher auch die Genehmigung des zuständigen nationalen oder lokalen Ethikausschusses einholen, bevor sie mit der Arbeit beginnen, erläuterte Rhodes weiter. Wenn der Kommission Vorschläge zur Forschung in ethisch sensiblen Bereichen vorgelegt werden, überprüft außerdem eine multidisziplinäre Expertengruppe den Plan. An Projekten, die grundlegende ethische Prinzipien verletzen könnten, können dann Änderungen vorgenommen werden. Viele Forscher seien sich der in ihrem Land gültigen ethischen Vorschriften nicht bewusst, bevor sie ihre Vorschläge einreichten. Dies stelle eine der Schwierigkeiten dar, denen sich die Kommission gegenübersieht, so Rhode. Sie rief daher die Mitgliedstaaten auf, mehr zu tun, um über die relevante Gesetzgebung und die Richtlinien zu informieren. Professor Joze Trontelj, Vorsitzender des slowenischen nationalen Ausschusses für medizinische Ethik, wurde gebeten, die besonderen ethischen Herausforderungen für die mittel- und osteuropäischen Länder zu bewerten. Er warnte, dass in der Region noch immer viele Beispiele für ethisch fragwürdige Praktiken zu finden seien, insbesondere im Bereich der klinischen Versuche an Menschen. Eines der Hauptprobleme dabei, solchen Missbrauch zu erkennen und auszumerzen, so Professor Trontelj, sei, dass die in diesen Ländern für die ethische Prüfung zuständigen Gremien aufgrund der vielen bürokratischen Vorschriften und der großen Zahl der Versuchsanträge überlastet sind. Da es noch keine internationalen Richtlinien für den ethischen Umgang mit Forschung über Stammzellen und In-vitro-Embryonen gibt, erwartet Professor Trontelj, dass das Problem zunächst noch schlimmer wird, bevor sich die Situation bessert. Ein Zusatzprotokoll zur Menschenrechtskonvention, das sich mit Forschungsethik beschäftigt, wäre ein wichtiger Schritt vorwärts, so Professor Trontelj. Für Professor Jan Helge Solbakk, Direktor des Zentrums für medizinische Ethik an der Universität von Oslo, ist die Etablierung einer Debatte auf internationaler Ebene der Schlüssel dazu, zu praktischen Vereinbarungen zu gelangen. Er warnte vor den Gefahren, die damit verbunden sind, therapeutisches Potenzial überzubewerten, um ein bestimmtes Forschungsgebiet voranzutreiben. Außerdem vertrat er die Ansicht, dass Regionen wie Europa eine Verpflichtung hätten, ihre Ausgaben für Forschung über Krankheiten, die die Entwicklungsländer betreffen, zu erhöhen. "Solange 90 Prozent der geschätzten 60 Milliarden Euro, die jedes Jahr für medizinische Forschung ausgegeben werden, für die gesundheitlichen Belange der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verwendet werden, sollten die Länder, die nicht bereit sind, zu den umfassenderen Bemühungen um weltweite Gesundheit beizutragen, für grobe Menschenrechtsverletzungen im Namen der biomedizinischen Forschung zur Verantwortung gezogen werden", erklärte Professor Solbakk. Rhode räumte ein, dass die EU selbst sich nicht so sehr für die Dimension der ethischen Forschung der Entwicklungswelt eingesetzt habe, wie sie sollte, weil sie sich bisher mehr auf Fragen der internen Vielfalt konzentriert habe. Diese Erfahrung und die Vielfalt bedeuteten jedoch, dass die EU eine wichtige Rolle im globalen Prozess zu spielen habe, fügte sie hinzu. In seinen Schlussfolgerungen aus dem Seminar erwähnte Christian Hambro, Generaldirektor des Forschungsrats von Norwegen, dass einige der aufgetretenen ethischen Fragen der medizinischen Forschung zu wichtig seien, als dass sie von einzelnen Forschern oder sogar von der wissenschaftlichen Gemeinschaft insgesamt behandelt werden könnten. Professor Trontelj stimmte dem zu und forderte, dass die Öffentlichkeit konsultiert werden müsse. Er erinnerte an deren Pflicht, sich aus glaubwürdigen Quellen über die Fragen zu informieren. "Wir müssen die Ethik von der Politik trennen. Es sollte Wissenschaftlern nicht erlaubt sein, unrealistische Erwartungen an die Wissenschaft, wie sie die Politiker manchmal haben, zu schüren." Rhode stimmte zu, dass seitens der EU mehr Kooperation mit den Beitrittsländern und den Entwicklungsländern erforderlich sei. Schließlich betonte sie, dass - trotz der Komplexität der Fragen - Ethik nicht als eine Barriere oder ein bürokratisches Hindernis für den Fortschritt betrachtet werden sollte, sondern als Ermächtigung für die Wissenschaft.