Kommission verlangt stärkere Koordinierung der Forschungstätigkeiten im Bereich Luft- und Raumfahrt
Die Europäische Kommission hat eine Mitteilung vorgelegt, mit der sie auf den STAR-21-Bericht über die Schaffung eines kohärenten Rahmens für die Luft- und Raumfahrt in der EU reagiert und ankündigt, die europäische Forschung insbesondere im Bereich der Verteidigung ausbauen zu wollen. Aus Sicht der Kommission ist die Luft- und Raumfahrtindustrie als hochqualifizierte Hochtechnologiebranche mit doppeltem Verwendungszweck von großer Bedeutung für die Verwirklichung einer Reihe von Zielen der EU, so etwa Europa bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen, im gleichen Zeitraum die Forschungsinvestitionen auf drei Prozent des BIP zu erhöhen und eine EU-Verteidigungsstrategie auszuarbeiten. Der STAR-21-Bericht wurde 2002 vorgelegt, nachdem eine Beratungsgruppe die Mängel des bestehenden Umfelds für die Luft- und Raumfahrt in Europa analysiert hatte. Der Bericht kam zu der Schlussfolgerung, dass der regulatorische und politische Rahmen stark verbessert werden muss, um die Lücke zwischen den politischen und wirtschaftlichen Ambitionen Europas zu schließen. Zu den Schlüsselbereichen für Maßnahmen zählen Forschung, Raumfahrt und Verteidigung. "Es besteht weitgehender Konsens bei allen Betroffenen, dass die Koordinierung der europäischen Luft- und Raumfahrtforschung verbessert werden muss", heißt es in der Mitteilung. "Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass das Erkennen des Bedarfs an besserer Koordinierung an sich nicht ausreicht, um die erforderlichen Änderungen des komplexen europäischen Beschaffungssystems für Luft- und Raumfahrttechnologie herbeizuführen." Die Kommission folgert daraus, dass neue Mechanismen entwickelt werden müssen, um dieses gemeinsame Ziel in die Praxis umzusetzen. Das Problem liegt weniger in der zivilen Luftfahrtforschung, denn STAR 21 stellt fest, dass in diesem Bereich durch die Arbeit des Beirats für Luftfahrtforschung in Europa (Advisory Council for Aeronautical Research in Europe - ACARE) bedeutende Fortschritte erzielt wurden. Es ist vor allem die verteidigungsbezogene Luft- und Raumfahrtforschung, in der der Bericht Mängel feststellt. Koordinierung ist von entscheidender Bedeutung, damit europäische Unternehmen erfolgreich mit ihren US-amerikanischen Gegenspielern konkurrieren können, die in den Genuss viel größerer Ausgaben für die Forschung im Verteidigungsbereich kommen. Die Kommission begrüßt daher den Beschluss des Europäischen Rates von Thessaloniki, die Einrichtung einer zwischenstaatlichen Agentur für die Bereiche Entwicklung der Verteidigungsfähigkeiten, Forschung, Beschaffung und Rüstung voranzutreiben. Die Kommission, die erst vor kurzem vorbereitende Maßnahmen zu einer sicherheitsrelevanten Forschungsstrategie in die Wege geleitet hat, hat selbst weitere Schritte unternommen. Weiter heißt es in der Mitteilung, dass die Mitgliedstaaten gegebenenfalls ihre nationalen Prioritäten anpassen müssen, damit ein ausreichendes Maß an Verpflichtungen und unabhängigen Ressourcen bereitsteht, denn diese seien Voraussetzungen für den Erfolg, so die Kommission. Was die Raumfahrt anbelangt, sichert die Kommission zu, sie werde "die erforderlichen Schritte ergreifen, um ein möglichst günstiges Umfeld für die Industrie zu schaffen, damit diese ihre Fähigkeiten erhalten und weiterentwickeln kann". Das bedeutet, so der Bericht, "dass eine umfassende europäische Raumfahrtpolitik erarbeitet werden muss, die den strategischen Charakter dieser Branche berücksichtigt und einen gemeinsamen Rahmen bereitstellt, innerhalb dessen die europäische Industrie und die betroffenen nationalen und zwischenstaatlichen Agenturen ihre Aktivitäten optimieren können". Die Mitteilung fordert eine stärkere Koordinierung der verteidigungsbezogenen Raumfahrtprogramme, die in Europa bisher national oder bilateral und mit begrenzten Mitteln durchgeführt wurden. Es bestehen Befürchtungen, wonach die Abwärtsentwicklung des kommerziellen Raumfahrtmarktes bedeuten könne, dass Europa nicht nur Gefahr läuft, Marktanteile an die USA zu verlieren, sondern sogar die Fähigkeit, das über die letzten Jahre erworbene technische Spitzenniveau zu bewahren. "Europa muss ein konsolidiertes industrielles und institutionelles Konzept entwickeln, um seine Aktivitäten auf dem Gebiet der Raumfahrt noch stärker zu integrieren", lautet die Schlussfolgerung der Mitteilung.