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Inhalt archiviert am 2023-01-13

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EU-Projekt entwickelt günstigen Korrosionstest für Öltanker

Nach katastrophalen Verschmutzungen durch Rohöl auf Grund einer unerkannt gebliebenen Korrosion von Einhüllen-Tankschiffen, wie es z.B. bei der Erika-Katastrophe im Jahr 1999, hat die EU eine Initiative finanziert, die das Prüfungverfahren zur strukturellen Unversehrtheit solc...

Nach katastrophalen Verschmutzungen durch Rohöl auf Grund einer unerkannt gebliebenen Korrosion von Einhüllen-Tankschiffen, wie es z.B. bei der Erika-Katastrophe im Jahr 1999, hat die EU eine Initiative finanziert, die das Prüfungverfahren zur strukturellen Unversehrtheit solcher Schiffe vereinfachen soll. Schätzungen zufolge besitzen von zurzeit etwa 7.000 mittleren bis großen Tankern, die die Weltmeere befahren, 5.000 nur eine Hülle. Die riesigen Mengen Rohöl, die mit diesen Schiffen transportiert werden, befinden sich daher nur hinter einer rund 20 Millimeter dicken Metallwand. Während die äußere Korrosion der Hülle relativ langsam voranschreitet und leicht zu erkennen ist, können die Stoffe, die sich in den Tanks der Schiffe befinden, die Hülle um drei bis vier Millimeter pro Jahr korrodieren lassen. Zudem erfordert die Erkennung dieses Vorgangs ein komplexes und kostspieliges Verfahren. Vor einem Test muss der Tanker vollständig entleert werden, sodass er für einige Zeit außer Betrieb ist. Die dadurch entstehenden Kosten können sich bei großen Tankschiffen auf bis zu einer Million Euro belaufen. Im Rahmen einer früheren, von der EU geförderten Maßnahme wurde jedoch festgestellt, dass diese Korrosion auch über die so genannte Schallemissionsprüfung (Acoustic Emission Examination, AE) festgestellt werden kann. Nachdem die Wirksamkeit dieser Technik im Experiment bestätigt wurde, wurde der österreichische TÜV, zu dessen Spezialgebieten die AE-Technik gehört, ausgewählt, um eine Maßnahme des Fünften Rahmenprogramms (RP5) zu koordinieren, die ein Prüfverfahren bei Tankern während des Betriebs entwickeln sollte. Wie Peter Tscheliesnig vom TÜV Österreich gegenüber CORDIS-Nachrichten erläuterte, mussten dazu nicht nur besondere Hardware-Bauteile entwickelt werden, die für effektive Messungen in explosiven Umgebungen geeignet sind, sondern auch Software-Tools, die die bei diesem Verfahren anfallenden riesigen Datenmengen verarbeiten und in Ergebnisse umwandeln können. "Wir haben das Verfahren validiert und die notwendigen Hardware- und Softwarekomponenten entwickelt. Sobald die amtliche Zulassung der Bauteile für explosive Umgebungen vorliegt, werden wir das System auf Schiffen unter tatsächlichen Arbeitsbedingungen testen", sagte Tscheliesnig. Dabei wird der TÜV durch weitere Projektpartner unterstützt, darunter die polnische Klassifikationsgesellschaft und das Danziger Meeresinstitut, die dem TÜV wichtige Informationen über die Anforderungen der Schifffahrts- und der Seeverkehrs-Sicherheitsbranche liefern. Zudem könnte das Konsortium eine Anwendergruppe gründen, der Schifffahrtslinien, Hafenbehörden und Klassifikationsgesellschaften angehören und die an der Prüfung des Verfahrens mitwirkt. "Was die Validierung und die Prüfung des Systems in der Praxis anbelangt, verlässt sich der TÜV auf seine Partner, denn in Österreich gibt es ja keine Öltanker", so Tscheliesnig. Aus Tscheliesnigs Sicht wird dieses System bedeutende Auswirkungen haben: "Durch einen solchen Prozess sinkt der Zeitaufwand für eine Korrosionsprüfung auf zwei bis drei Stunden. Außerdem könnten die zuständigen Behörden Stichproben durchführen, sobald ein Schiff in einen Hafen eingelaufen ist. Dies würde gewährleisten, dass die Gefahr einer Katastrophe wie im Fall der Prestige so früh wie möglich erkannt werden kann." Die ökologischen Vorteile liegen auf der Hand, und Tscheliesnig erwartet, dass die Schifffahrtsbranche die Schnelligkeit und die relativ niedrigen Kosten des Verfahrens begrüßen wird. Darüber hinaus dürften zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen größere Umweltkatastrophen dazu beitragen, den schon wiederholt angegriffenen Ruf der Branche zu verbessern. Für die AE-Technik und ihre Bauteile wurden bereits Patentanträge gestellt. Da das derzeitige Projekt noch eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren hat, hofft das Konsortium, eine neue Version des Systems vorstellen zu können, die ständig an Bord eines Schiffes installiert werden kann und deren Daten an Stellen an Land zur Verarbeitung und Analyse geschickt werden können. Wenn dies gelänge, würden Katastrophen, bei denen Tausende Tonnen Öl aus korrodierten Schiffshüllen in die Umwelt strömen, zukünftig hoffentlich ausgeschlossen.

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