Kommission legt nationale Strategien zur Beschleunigung der Breitbandnutzung vor
Die Europäische Kommission hat eine Mitteilung veröffentlicht, die ein enormes Wachstum an europäischer Breitbandnutzung bestätigt und die nationalen Strategien der Mitgliedstaaten für eine schnellere Verbreitung des Breitbandzugangs umreißt. Die Anzahl der Menschen und Unternehmen, die über einen schnellen Internetzugang verfügen, stieg im Jahr 2003 um mehr als 80%, heißt es in der Mitteilung. Damit nimmt die Breitbandnutzung in der EU schneller zu als in den USA. "Die breite Verfügbarkeit schneller Internetzugänge ist unverzichtbar, wenn wir die Vorzüge der Informationsgesellschaft voll nutzen wollen", meint Erkki Liikanen, der für die Informationsgesellschaft und Unternehmen verantwortliche europäische Kommissar. "Besonders in einigen großen Mitgliedstaaten wie Frankreich und Italien haben wir beeindruckende Zuwachsraten gesehen. Nun dürfen wir nicht an Schwung verlieren, besonders wenn es um die Schaffung wettbewerbsorientierter Märkte und um ein günstiges rechtliches Umfeld für Investitionen geht." Der Aktionsplan der Kommission eEurope 2005 macht die allgemeine Verfügbarkeit und die Verwendung von Breitband zu einem Hauptziel, das bis Ende 2005 erreicht sein muss. Die Mitgliedstaaten der EU-15 haben nun alle umrissen, wie sie dieses Ziel erreichen wollen, und auch die neuen Mitgliedstaaten werden ihre nationalen Breitbandstrategien bis Ende 2004 vorlegen. Die politischen Entscheidungsträger sind sich des Potenzials bewusst, das die Breitbandtechnologie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bietet, indem sie ihnen die Chance gibt, ihre Produktivität und Innovation anzukurbeln. Das dänische Ministerium für Wissenschaft und Technologie hat eine Initiative zur Förderung der Breitbandkommunikation durch KMU eingeleitet, die den KMU Schulungen und Unterstützung durch private Berater anbietet. Die Entwicklung von Breitband hat das Gesundheitswesen und die Medizin revolutioniert. Sie ermöglicht die Echtzeitzusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Einrichtungen und Berufsgruppen und macht Anwendungen wie beispielsweise Fernkonsultation und Fernüberwachung möglich. Die deutsche Strategie setzt Ziele für die Entwicklung von elektronischen Krankenakten für Patienten. Die Bildung stellt einen weiteren Bereich dar, in dem die Breitbandnutzung für einen deutlichen Unterschied sorgen kann. Die portugiesische e-U-Initiative sieht die Verfügbarkeit von Online-Diensten und Informationen mit schnellem Internetzugang campusweit in jeder portugiesischen Universität vor. In allen 57 Universitäten werden Wi-Fi-Systeme installiert. Dieses Projekt wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt und unterhält Verbindungen zum Online Scientific Library Project, das über 3 500 internationale wissenschaftliche Zeitschriften ins Netz bringt. Mehrere Strategien einschließlich derjenigen Österreichs, Italiens und Schwedens beinhalten finanzielle Anreize in Form von Steuersubventionen für Breitbandverbindungen. In Italien sah das Haushaltsgesetz für 2003 insgesamt 27Mio. Euro für die Subventionierung von Breitbandzugängen für Unternehmen und Privatnutzer vor. Die Initiative hatte mehr als 350.000 neue Anschlüsse zur Folge und angesichts dieser Ergebnisse wurden die finanziellen Mittel im Haushalt 2004 auf 30Mio. Euro angehoben. "Die Analyse der Breitbandstrategien zeigt, dass die vorgeschlagenen Initiativen auf ähnlichen Grundsätzen fußen, was darauf hindeutet, dass die Bereitstellung von Breitbandinfrastrukturen in der EU von einem gemeinsamen Grundgedanken geleitet wird", heißt es in der Mitteilung. Auf der Angebotsseite gehören zu diesen Grundsätzen die Bedeutung der FuE für die Entwicklung der Breitbandkommunikation der nächsten Generation, Kostensenkungen sowie innovative Anwendungen und Dienste; Schritte zur Gewährleistung des Wettbewerbs zwischen alternativen Plattformen und die Nutzung öffentlicher Maßnahmen für den Ausbau der Flächendeckung unterversorgter Gebiete. Auf der Nachfrageseite beinhalten die nationalen Strategien allesamt eine Politik der Nachfragebündelung, die die Sicherheit für Investoren erhöht und die Nutzung durch Verwaltungen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen intensiviert. Die Strategien anerkennen außerdem die Bedeutung von Sicherheit und Vertrauen für die Förderung der Breitbandnutzung und die Notwendigkeit des Abbaus von Hindernissen für die Entwicklung neuer, innovativer Inhalte, wobei Fortschritte in Bereichen wie Urheberrechtsschutz und DRM-Systeme zu erzielen sind. Während die Strategien Bereiche umreißen, die weitere Anstrengungen erfordern, macht sich die EU was die Breitbandnutzung angeht außerordentlich gut und ist dabei, die Lücke zu seinen Mitbewerbern - in erster Linie Südkorea und Kanada - zu schließen. Mit einer Verbreitungsrate von 23% hat Südkorea nun beinahe die Marktsättigung erreicht. Einige EU-Mitgliedstaaten waren in der zweiten Jahreshälfte 2003 unter den am schnellsten wachsenden Märkten.