FP7 ist für die Schaffung eines Europäischen Meeresforschungsraum äußerst wichtig
Auf der Europäischen Meeresforschungskonferenz, die vor kurzem in Galway, Irland, stattgefunden hat, war für alle Teilnehmer ein sehr wichtiger Tagesordnungspunkt die Frage, wie man der Meereswissenschaft eine bedeutende Rolle im kommenden Siebten Rahmenprogramm (RP7) sichern kann. Als Follow-up zu dieser Veranstaltung hielt das norwegische Forschungs- und Innovationsforum am 11. Juni ein Treffen in Brüssel ab, bei dem es um eine detailliertere Untersuchung der Zukunft der Meeresforschung insbesondere im Zusammenhang mit dem Europäischen Forschungsraum (ERA) ging. Bei der Eröffnung des Treffens im Namen der irischen Präsidentschaft erklärte Dr. Peter Heffernan, CEO des irischen Marine Institute und Gastgeber der Konferenz in Galway, dass Europa, obwohl es über eine gut entwickelte Meereswissenschaftsgemeinde verfügt, durch einen Mangel an Integration, Zielgerichtetheit und Vision behindert wird. Bei der Veranstaltung EUROCEAN 2004 verabschiedeten die Teilnehmer die Erklärung von Galway, in der der wichtige Beitrag der Meeresindustrien zur Agenda von Lissabon und die wichtige Rolle anerkannt werden, die die Wissenschaft spielen muss, um sicherzustellen, dass dieser Beitrag in Harmonie mit der Umwelt erzielt wird. Nach den Worten von Dr. Heffernan muss die Meereswissenschaft daher folgende Vision annehmen: "Eine blühende Meereswirtschaft, die in Harmonie mit der Umwelt besteht und von Exzellenz im ERA unterstützt wird." Die Erklärung von Galway unterstrich auch die wichtige Rolle, die das RP7 zur Unterstützung der Exzellenz in Meereswissenschaft und -technologie spielen muss. Laut Dr. Heffernan braucht es jedoch ein neues Paradigma, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, wobei man weniger die traditionelle Sicht der Meeresforschung als nur ein Thema auf einer Liste von Prioritäten beibehalten sollte. Vielmehr müsste die Meereswissenschaft im gesamten Spektrum von RP7 hervorstechen. "Einfach so weitermachen wie bisher reicht nicht. Wir müssen die Meereswissenschaft horizontal in allen sechs vorgeschlagenen Achsen des RP7 integrieren und einen Programmausschuss einrichten, der den Prozess überwacht und leitet." Unterstützt wurde diese Vision von Dr. Heffernan von der norwegischen Ministerin für Forschung und Ausbildung, Kristin Clement. Frau Clement sagte, dass im Bereich der Meeresforschung Bedarf für mehr Grundlagenforschung, mehr Humanressourcen und Mobilität, neue Infrastrukturen und Schiffe und für eine bessere Unterstützung durch die Politik besteht. All dies entspricht den vorgeschlagenen Eckpfeilern des Siebten Rahmenprogramms. "Das Schöne an den marinen Ressourcen ist ihre Erneuerbarkeit, aber dafür müssen sie verantwortungsbewusst genutzt werden", erklärte die Ministerin. "Internationale Zusammenarbeit ist notwendiger als je zuvor. Die großen komplexen Infrastrukturen, die langen Zeitpläne und die weite geografische Abdeckung führen dazu, dass es einzelne Länder allein nicht schaffen." Frau Clement ist der Ansicht, dass es zwei Bereiche gibt, in denen Wissen unbedingt erforderlich ist, nämlich die Polarregion und die Tiefseeforschung. "Europa hat die Gelegenheit, sich an der Erforschung der Tiefseebereiche zu beteiligen. Dies erfordert eine schwierige und komplexe Technologie, bietet aber auch große potenzielle Erträge." "Europa könnte eine aktivere Rolle bei Erforschung und Management der Meere spielen, und Norwegen ist bereit, zu diesem Ziel im RP7 und im ERA zu kooperieren", beendete Frau Clement ihre Rede. In der Zwischenzeit hat der Europäische Forschungsminister Philippe Busquin erklärt, dass es nach der Konferenz in Galway deutlich wurde, dass die europäische Meeresforschungsgemeinde bereits mobil macht, um im ERA eine Rolle zu spielen. Minister Busquin fügte hinzu, dass das RP7 und der ERA besser integriert werden müssen und dass Verbindungen, beispielsweise zwischen Ökosystemen, Fischerei und Umwelt, besser erforscht werden sollten. Nach diesen Hauptreden befasste sich eine Expertengruppe detaillierter mit der möglichen Rolle der Meeresforschung im RP7. Frau Dr. Kerstin Johannesson, Dozentin für Meeresökologie an der Universität Göteborg in Schweden, erklärte, dass es nicht die Zeit für Überlegungen zu exotischen Forschungsprojekten ist: "Es gibt immer noch viele grundlegende, wenig attraktive Probleme, die auf eine Lösung warten." Um die Effizienz solcher Forschungen zu optimieren, plädiert Frau Dr. Johannesson für eine von der Forschung bestimmte Agenda, wo wissenschaftliche Exzellenz oberstes Kriterium ist. "Ich bin kein Anhänger großer, vernetzter Projekte - kleinere und flexiblere Forschungsgruppen sind wichtiger und nützlicher", argumentierte sie. In diesem Zusammenhang erklärte Frau Dr. Johannesson, dass sie das Vierte und Fünfte Rahmenprogramm für effizienter hielt als das RP6, aber sie akzeptierte, dass Zusammenarbeit in weit größerem Umfang erforderlich ist, um große Schiffe, Feldstationen und andere Infrastrukturen bereit zu stellen, die kleine Gruppen alleine nicht aufbringen können. Einblicke aus der Sicht der Kommission bot Pierre Mathy, Leiter für Biodiversität und marine Ökosysteme bei der GD Forschung. Er erklärte, dass seiner Ansicht nach die Meereswissenschaft und -technologie definitiv auf der Agenda für das RP7 stehen sollen, aber die letztendliche Art und Weise ist eine noch offene Frage. "Natürlich wird das, was wir im RP7 machen werden, davon abhängen, was die Mitgliedsstaaten und die assoziierten Länder bezüglich der Geldmittel für das Programm beschließen", fügte er hinzu. Herr Mathys Direktor in der Direktion Umwelt der GD Forschung ist Pierre Valette, der in seinen Äußerungen so weit ging zu sagen, dass die Meeresforschung, obwohl die thematischen Prioritäten noch festzulegen sind, definitiv zu den Umweltforschungstätigkeiten des RP7 gehören wird: "Die Veranstaltung in Galway und dieses Treffen waren für die Prioritätensetzung des RP7 hervorragend. Auch die Lehren aus dem RP6 werden für die Ausgestaltung der zukünftigen Forschungsagenda wichtig sein." Er unterstrich: "Wissenschaft und Industrie müssen zusammenarbeiten, denn dies ist für das Erreichen der Ziele von Lissabon und Barcelona unabdingbar. Die Meeresforschung muss auch die umweltbezogene, ökonomische und soziale Ausgewogenheit der Agenda von Lissabon widerspiegeln." Zusammenfassend fügte Karin Refsnes, Direktorin des norwegischen Forschungsrats hinzu, dass auch die neuen EU-Mitgliedsstaaten stark von der Meeresforschung betroffen sind, was ein weiterer wichtiger Grund ist, sie in das RP7 aufzunehmen. "Die Notwendigkeit, die Meeresforschung in allen sechs vorgeschlagenen Eckpfeilern des RP7 zu integrieren, wurde heute von vielen angesprochen. Nun müssen wir uns der Herausforderung stellen, wie wir dies erreichen. Wir brauchen eine starke europäische Führung, aber wir werden die Herausforderung meistern, und wir haben sicherlich die Wissenschaftler, mit denen wir Erfolg haben werden."
Länder
Norwegen