Die Wissenschaftler konzentrieren sich eher auf die positiven Aspekte der Mobilität als auf 'Brain Drain
Der Begriff 'Brain Drain sei übertrieben, erklärten die Teilnehmer an einer internationalen Konferenz am 30. Juni in Paris mit dem Titel 'Brain Drain, Brain Gain, Main Challenges. Hauptbotschaft der Konferenz war, dass die Mobilität, die in der Wissenschaft wesentlich ist, den Forschern hinsichtlich des Wissens und der Horizonterweiterung nutzt. Allerdings betonten die Teilnehmer auch die Notwendigkeit, dass die europäischen Länder attraktive Karrierechancen bieten müssen um sicherzustellen, dass Nachwuchsforscher in Europa bleiben. Forschungen haben nämlich ergeben, dass europäische Wissenschaftler, die lange außerhalb ihres Landes arbeiten, für ihr Land einen wirtschaftlichen Verlust darstellen. "Die EU entwickelt letztendlich ihr Potenzial in der Wissenschaft. Wir sollten darauf stolz sein, aber es bleibt noch viel zu tun, um Wissenschaftler anzuziehen und zu befähigen", erklärte Alexandre Quintanilha, Direktor des Instituts für Molekular- und Zellbiologie der Universität Porto. "Wir müssen rascher und aggressiver vorgehen." Derzeit konzentrieren sich die nationalen und europäischen Maßnahmen, mit denen junge Forscher bei ihren Karriereentscheidungen unterstützt werden sollen, auf drei Achsen, nämlich lebenslange Mobilitätsmöglichkeiten, Forscher aus Drittländern und Rückkehr und Wiedereingliederung der Forscher aus der EU. Ziel der Konferenz war die Erörterung der Frage, wie man attraktive Rückkehrprogramme und Auslandsnetze für europäische Wissenschaftler, die derzeit außerhalb der EU arbeiten, entwickeln kann. Elisabeth Giacobino, Forschungsdirektorin im französischen Ministerium für Forschung und Bildung, erklärte: "Die meisten europäischen Nachwuchsforscher, die im Ausland studieren oder arbeiten, möchten in ihr Land zurückkehren. Daher muss die Rückkehr attraktiver werden. Bei der Rückkehr dürfen nicht mehr nur finanzielle Anreize zum Tragen kommen, sondern es ist auch mehr Verantwortung für die Forscher gefragt." Nach der Aussage der Teilnehmer leidet Europa unter fehlenden Karriereaussichten. Es gibt nicht genug Postgraduierten-Studiengänge, und es gibt nur eine begrenzte Anzahl von strukturierten Postgraduierten-Programmen. Darüber hinaus gibt es häufig keine oder zu wenig Tätigkeiten im Ausland. EU-Forschungskommissar Philippe Busquin fügte hinzu: "Das europäische Problem ist der Mangel an intersektorieller Mobilität. Diese Aufteilung unserer Struktur ist eine Bedrohung für unsere Wirtschaft. Europa muss seine Vision erweitern und ein positiveres Bild der Forscher wiedergeben." Dr. David Schindel, Leiter der europäischen Stelle der National Science Foundation (NSF) erklärte die Hauptunterschiede zwischen den europäischen und amerikanischen Ansätzen für Wissenschaft und Technologie: "Nach der Philosophie in den USA werden Ausbildung und Forschung integriert. Wir haben eine mehrdimensionale Sicht von Exzellenz und einen sehr flexiblen Ansatz. Wir suchen nach Mehrwert." Der amerikanische Ansatz, so Dr. Schindel weiter, besteht darin, den Forschern große und flexible Forschungsmittel zu geben. Sobald die finanzierende Stelle ermittelt hat, dass ein Projekt unterstützenswert ist, erhalten die Forscher die Mittel, über die sie dann nach Gutdünken verfügen können. Darüber hinaus bekommen die amerikanischen Universitäten 'volle Kostenerstattung, ein Konzept, das Europa noch nicht erreicht hat. Dr. Jacek Kuznicki, Direktor des Internationalen Instituts für Molekular- und Zellbiologie in Warschau, hat 27 Jahre in den USA zugebracht, bevor er wieder nach Polen zurückkehrte und dort sein Institut eröffnete. Er schlägt vor, dass sich Europa enger an dem amerikanischen Modell orientieren sollte und 'jungen Forschern mehr Möglichkeiten für eine frühe Unabhängigkeit, mehr Mittel für auf Hypothesen gestützte Projekte und weniger Bürokratie bei Mittelgewährung und Berichtswesen bieten sollte. Antonio Giordano, Direktor des Sbarro Instituts für Krebsforschung und Molekularmedizin, stimmte dem zu und meinte, dass das europäische System unter einem Hierarchieproblem leide, das junge Menschen daran hindere, ihr volles Potenzial zu entfalten. Raffaele Liberali, Direktor für Humanressourcen, Mobilität und Marie-Curie-Aktionen bei der Europäischen Kommission, erklärte, die einzige Antwort bestünde in der Schaffung interessanter Karriereaussichten für Forscher in Europa. Rémi Barré vom französischen CNAM (Centre National des Arts et Métiers) unterstrich diesen Punkt, indem er sagte: "Wenn junge Forscher ihr Land verlassen, dann deshalb, weil es ihnen nichts zu bieten hat. Wie viele junge US-Wissenschaftler verlassen ihr Land? Doch sehr wenige." Eine auf der Konferenz mehrfach zum Ausdruck gebrachte Idee war die Notwendigkeit der Schaffung eines globalen wissenschaftlichen Netzwerks. Das Programm 'Im Dienste der Nation der chinesischen Regierung wurde als gutes Beispiel für den Wert von virtuellen Netzwerken für im Ausland tätige Forscher angeführt. Die Association of Chinese Biologists (etwa: Vereinigung chinesischer Biologen) in den USA hat entscheidend zum Aufkommen der Nanotechnologieindustrie in China beigetragen. Mauro Ferrari, ein Dozent an der Ohio State University, zog den Schluss: "Die Fokussierung auf die Kreativität macht Europa wettbewerbsfähiger und gibt der EU die Möglichkeit zur Erreichung einer echten Führungsposition."