EU-Projekt hilft hörbehinderten Menschen bei der Telefonkommunikation
Ein von der EU finanziertes Projekt, in dessen Rahmen ein Telefon mit einem virtuellen Gesicht entwickelt werden soll, das hörbehinderten Menschen bei der Benutzung ihres normalen Telefons hilft, zeigt vielversprechende Ergebnisse. In den vergangenen fünf Jahren stellte die Europäische Kommission 1,27 Millionen Euro für das unter dem Fünften Rahmenprogramm (RP5) finanzierte Projekt Synface ("virtuelles Gesicht") zur Verfügung. Die Projektpartner aus Schweden, Großbritannien und den Niederlanden haben in dieser Zeit eine Software entwickelt, die ein mit der Sprache synchronisiertes virtuelles Gesicht erzeugt. "Das Synface-System ist ein wichtiger Schritt dahin, hörgeschädigten Menschen die Kommunikation zu erleichtern. Die Telefonbenutzung wird vereinfacht, da die Audiokomponente durch die visuelle Animation ergänzt wird", erklärte Inger Karlsson in ihrer Eigenschaft als Koordinatorin des unter dem vorrangigen Themenbereich "Technologien der Informationsgesellschaft (IKT)" finanzierten Projekts. Synface läuft auf einem normalen Computer oder Laptop und kann an jede Art von Telefon, auch an Mobiltelefone, angeschlossen werden. Das System erkennt die im gesprochenen Wort des Gesprächspartners am anderen Ende der Leitung enthaltenen Laute und gibt die Lippenbewegungen realistisch auf einem virtuellen Gesicht wieder, das auf dem Computerbildschirm angezeigt wird. Das Gespräch kann damit sowohl mit dem Gehörsinn als auch visuell verfolgt werden. Kontinuierliche Versuche in Großbritannien zeigen, dass 84 Prozent der Benutzer das System bei der Erkennung von gesprochenen Worten als hilfreich empfinden. 74 Prozent sind der Meinung, dass Telefongespräche erleichtert werden und ihnen eine normale Konversation ermöglicht wird. "Die meisten Testpersonen äußern sich sehr positiv über das neue System. Allerdings empfindet nicht jeder Benutzer das System als gleichermaßen hilfreich. Die Effizienz ist davon abhängig, wie gut der Benutzer hören und wie gut er von den Lippen ablesen kann", fügte Dr. Karlsson hinzu. "Trotz allem bietet das System erhebliche Vorteile gegenüber anderen Techniken." Da Synface Laute anstelle von Worten erkennt, können die Lippenbewegungen wesentlich schneller erzeugt werden. Durch die Konzentration auf Laute ist das System außerdem in der Lage, unbekannte Wörter darzustellen, und kann daher in verschiedenen Sprachen eingesetzt werden. Da über 80 Millionen Europäer an einer Hörbehinderung leiden, ist der Markt für ein derartiges System riesengroß, insbesondere angesichts der Tatsache, dass für die kommenden Jahre eine weitere Zunahme von Hörproblemen vorausgesagt wird. "Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung in Europa nimmt auch die Zahl der Hörbehinderungen zu. Einige Studien prognostizieren sogar, dass Hörprobleme in Zukunft immer früher auftreten werden, weil junge Menschen heutzutage extremen Lärmemissionen ausgesetzt sind", führte Dr. Karlsson weiter aus. Sie erklärte ferner, dass hörbehinderte Menschen nicht die einzigen Nutznießer des neuen Systems sein könnten. Der multimodale Sprachansatz könnte auch für andere Benutzer hilfreich sein, die in einer lauten Umgebung telefonieren möchten oder eine andere Muttersprache als die gesprochene Sprache haben. Bislang arbeitet Synface in Englisch, Schwedisch und Niederländisch und erkennt verschiedene regionale Dialekte. Das System befindet sich derzeit in der letzten Testphase. Das Projektteam hofft, die Synface-Software innerhalb der nächsten zwei Jahre auf den Markt bringen zu können.
Länder
Niederlande, Schweden, Vereinigtes Königreich