Der Aufbau einer innovativen Gesellschaft stellt für Lettland eine Herausforderung dar
In einer Zeit, in der politische Entscheidungsträger und Experten selbst in den fortschrittlichsten Volkswirtschaften der EU mit der Herausforderung zu kämpfen haben, ihre Gesellschaft innovativer zu gestalten, erscheint die Aufgabe, die vor den neuen Mitgliedstaaten aus der ehemaligen Sowjetunion liegt, geradezu beängstigend. Nach dem im vergangenen Jahrzehnt erfolgten Übergang von einem Wirtschaftssystem mit überwiegend zentraler Planung zur Marktwirtschaft müssen sich diese Länder nun in den Binnenmarkt integrieren und auf das ehrgeizige Ziel, das von allen EU-Mitgliedstaaten (sowohl den alten als auch den neuen) angenommen wurde, hinarbeiten, Europa bis 2010 zur weltweit wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Volkswirtschaft zu machen. Für Lettland brachte Gundega Lapina, Projektmanagerin im lettischen Innovation Relay Centre (IRC) und Teilnehmerin an der Baltic Dynamics 2004-Konferenz, das Ausmaß dieser Aufgabe auf den Punkt. "Die Förderung von Innovation [in Lettland] stellt eine besondere Herausforderung dar, da wir gerade erst unser nationales Innovationsprogramm aufgestellt haben und immer noch am Anfang dieser Entwicklung stehen. Es ist schwer, Menschen zu finden, die das Innovationskonzept wirklich verstehen, selbst unter den Experten und Fachleuten", erklärte sie gegenüber CORDIS News. Demzufolge, erklärte Lapina, bestehe die Arbeit des IRC in dieser Phase vor allem darin, bei den Menschen ein Bewusstsein für Innovation und für die Einführung innovativer Konzepte sowie einer Innovationskultur zu schaffen, anstatt innovative Partnerschaften zwischen lettischen und ausländischen Unternehmen zu vermitteln. "Es können zwar nationale Innovationsstrategien angenommen werden, doch die Veränderung von Kulturen und Systemen ist eine ganz andere Geschichte", erklärte Lapina. Janis Stabulnieks, Geschäftsführer des Latvian Technology Centre, stimmt dieser Aussage zu. Dr. Stabulnieks begrüßt die nationale Innovationsstrategie und den verbundenen Aktionsplan als gute Initiativen, betont jedoch, dass noch viel zu tun bleibe. "Um die wirtschaftliche Entwicklung zu verstehen, muss man zunächst das Innovationssystem verstehen, das Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft, Finanzen und Gesetzgebung umfasst. All diese Elemente müssen abgedeckt werden, ansonsten wird das Innovationssystem versagen", argumentiert Dr. Stabulnieks. "Des Weiteren muss der Gesellschaft verständlich gemacht werden, warum diese Elemente so wichtig sind. Die Gesellschaft muss das Innovationskonzept verinnerlichen. Erst dann können wir tatsächlich beginnen, eine wissensbasierte Gesellschaft zu schaffen." Weitere Hindernisse für den Übergang von Lettland zu einer wissensbasierten Wirtschaft umfassen laut Dr. Stabulnieks den Mangel an Studenten, die sich an technischen Hochschulen einschreiben, die schwache Verbindungen zwischen Universitäten und der Industrie, mangelnde Systeme zur Unterstützung und Förderung von Innovation wie z.B. Unternehmensberatungen und Risikokapitalgeber, sowie die weit verbreitete Bürokratie. Edvins Karnitis, Professor an der Technischen Universität Riga und Innovationsberater der lettischen Regierung, erklärte, dass die nationale Innovationsstrategie auf zwei Hauptelementen basiere. Eines sei die Neuindustrialisierung der traditionellen Sektoren Lettlands, wie der Holz-, der Lebensmittel- und der Dienstleistungsbranche. Das zweite Element habe die Entwicklung neuer wissensbasierter Sektoren zum Ziel. "Mit diesem [zweiten] Element darf nicht versucht werden, spezifische Sektoren zu definieren, sondern es muss auf Kriterien wie der Schaffung von Wissen, auf Bildung, Mehrwert und Nachhaltigkeit aufbauen", führte er an. Laut Professor Karnitis müssen sich die Aktivitäten der Regierung zur Unterstützung der Strategie auf die Modernisierung von Technologie und Infrastruktur konzentrieren sowie auf die Gewährung von Steuervorteilen für Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen (FuE) vonseiten der Privatwirtschaft. "Die geringen privaten Forschungsinvestitionen stellen ein echtes Problem dar", erklärt er. "Das EU-Ziel von "zwei Dritteln" ist derzeit nicht realistisch. Wir müssen überlegen, wie wir Unternehmen zu FuE-Investitionen motivieren können und dann die entsprechenden Lösungen anwenden." Da Dr. Stabulnieks ungeduldig darauf wartet, dass die Regierung den vielversprechenden Worten der Strategie nun endlich Taten folgen lässt, freut es ihn vielleicht, dass der lettische Wirtschaftsminister Juris Lujans in einer anlässlich der Eröffnung der Konferenz vorbereiteten Stellungnahme erklärte: "Die nachhaltige Bereitstellung von Wissen muss auf einem vollständigen Innovationssystem basieren [...]. Ich muss betonen, dass Innovation mit Menschen und nicht nur mit Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft beginnt. Um eine innovative Gemeinschaft aufzubauen, muss also auch die Öffentlichkeit über Innovation informiert werden. Die Einheit der Gesellschaft ist einer der Grundsteine einer innovativen Wirtschaft." Dies deutet darauf hin, dass es in der lettischen Regierung auf höchster Ebene Personen gibt, die die vor ihnen liegenden Aufgabe in allen Aspekten verstehen. Dr. Stabulnieks wird die Entwicklungen mit Sicherheit aufmerksam verfolgen, um sicherzustellen, dass bei den Maßnahmen seiner Regierung Rücksicht auf die Meinung der Bevölkerung genommen wird.
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