Minister: Portugal will sich darauf konzentrieren, Wissenschaft marktfähig zu machen
Während einige europäische Länder noch darüber diskutieren, wie die EU-Wettbewerbsfähigkeitsziele, beispielsweise das 3-Prozent-Ziel von Barcelona, am besten erreicht werden können, haben andere Nationen bereits die Tatsache akzeptiert, dass derart ehrgeizige Ziele bis 2010 außerhalb ihrer Möglichkeiten liegen. Portugal gehört zu den letztgenannten. In den vergangenen Jahren hat man sich dort - mit Unterstützung aus dem EU-Strukturfonds - auf die Modernisierung von Wirtschaft und Infrastruktur konzentriert, jedoch weniger auf den Aufbau einer weltweit wettbewerbsfähigen Wissensgesellschaft. In Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der derzeit neue Industriezweige geschaffen und ältere exportiert werden, besteht jedoch für Portugal die Möglichkeit und vielleicht sogar die Notwendigkeit, schnell aufzuschließen, sofern die Bedingungen stimmen. Auf der Jahreskonferenz des Dean European Academic Network in der nordportugiesischen Stadt Porto erklärte der portugiesische Minister für Wissenschaft und Innovation Pedro Sampaio Nunes, dass Europa seiner Meinung nach die im Jahr 2000 festgelegten Ziele von Lissabon irgendwie erreichen werde und die Menschen sich nicht zu viele Sorgen über den derzeitigen Fortschritt machen sollten. "In den ersten fünf Jahren der Strategie wurde ein zu großer Schwerpunkt auf IT [Informationstechnologie] gelegt und ein zu geringer auf die Schaffung eines Binnenmarktes im Forschungsbereich sowie auf die Verbesserung der Forschungsinfrastruktur", erklärt Nunes. Der Minister räumt ein, dass Portugal Schwierigkeiten mit dem Ziel von Barcelona hat, da die Forschungsausgaben des Landes derzeit bei 0,85 Prozent des BIP liegen und zwei Drittel dieser Ausgaben aus öffentlichen Finanzierungsquellen stammen. "Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es bei Lissabon nicht nur um die Forschungsausgaben geht. Europa muss sich auf alle Elemente der Strategie konzentrieren, denn tatsächlich sind es die Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die Wachstum und Arbeitsplätze schaffen." Die portugiesische Forschungs- und Innovationspolitik sei eng mit der Lissabon-Strategie verbunden, erklärte Nunes, wobei der Schwerpunkt darauf liege, die Wissenschaft marktfähig zu machen. Er bestätigte die enorme Bedeutung des Strukturfonds für das Land im Allgemeinen und sagte, dass Portugals Forschungsstrukturen gleichzeitig in Richtung der EU-Programme und Finanzierungsquellen umstrukturiert werden. Angesichts der geringen Landesgröße hält Nunes es für nicht realistisch, zu versuchen auf allen Forschungsgebieten wettbewerbsfähig zu sein. Seiner Meinung nach sollte sich Portugal stattdessen auf bestimmte Schwerpunktbereiche konzentrieren, wie z.B. IT und Biotechnologie. Auf die Frage, warum er gerade diese Bereiche anführe, antwortete Nunes, dass "diese Sektoren empfänglicher für Innovation sind als traditionellere Industriezweige und Portugal derzeit über exzellente Fähigkeiten auf diesen Gebieten verfügt." Da das Thema der Konferenz Forschung, Innovation und Wissenstransfer an europäischen Universitäten lautete, erklärte Nunes, dass Hochschuleinrichtungen vor der schwierigen Aufgabe stehen, die Privatwirtschaft für Engagement und Investitionen in die Hochschulforschung zu gewinnen. "Setzen Sie sich nicht nur Publikationen zum Ziel!" forderte er die Dekane dringend auf. Universitäten spielen im Wissenszyklus eine wesentliche Rolle, so der Minister, da sie neues Wissen schaffen, bereits vorhandenes Wissen lehren und zu den zentralen Akteuren bei Innovation und Wissenstransfer zählen. CORDIS News fragte Nunes, was am dringendsten gebraucht werde, um die Innovationsleistung der portugiesischen Universitäten zu verbessern. Die Antwort lautete: "Wir brauchen mehr Verbindungen zwischen den Universitäten und der Industrie, um die Forschungsbemühungen in unternehmerische Leistung umzusetzen." Nunes fragte sich, warum - da Europa offensichtlich Schwierigkeiten hat, seine Forschung marktfähig zu machen - die wichtigste neue Funktion des Siebten Rahmenprogramms (RP7) mit EU-Investitionen in die Grundlagenforschung über den Europäischen Forschungsrat (EFR) offenbar in eine andere Richtung gehe. "Der Schwerpunkt sollte auf Verbindungen zwischen Forschung und Industrie liegen!" erklärte er. Der Minister schloss, indem er den Konferenzteilnehmern in Erinnerung rief, dass Europas größte Schwächen im Bereich der Innovation nicht auf die Universitäten zurückzuführen seien, sondern vielmehr auf das Niveau der Ausbildung an den Grundschulen und weiterführenden Schulen. "Dies liegt nicht an mangelnden Investitionen. Daher muss das System eine grundlegende Schwäche haben." Die Universitäten müssen jedoch trotzdem eine Rolle spielen, indem sie dazu beitragen, eine allgemein stärker wissenschaftsorientierte Kultur in der Gesellschaft zu schaffen, schlussfolgerte er.
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