EU finanziert neuartige Krebstherapie
Bei einer bahnbrechenden Krebstherapie namens Bor-Neutroneneinfangtherapie (Boron Neutron Capture Therapy - BNCT) wurde die Phase I Studie abgeschlossen und die Phase II Studie eingeleitet. Dies gaben Forscher auf einer Pressekonferenz in Amsterdam bekannt, die von der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission veranstaltet wurde. Die Wissenschaftler räumten jedoch ein, dass die BNCT, die einzigartige Chancen für eine hochselektive, gezielte Krebsbehandlung auf der Grundlage von Nuklearphysik und moderner Onkologie bietet, noch weiterer Forschungsarbeit bedarf. Als gezielte Strahlentherapie von Tumoren verfügt die BNCT über das Potential, in gesundem Gewebe eingebettete Tumorzellen selektiv zu zerstören und gleichzeitig das gesunde Umgebungsgewebe unversehrt zu lassen. Man hofft, im Rahmen der BNCT-Forschung neuartige Krebstherapien entwickeln zu können, mit deren Hilfe das Leben von Patienten mit Gehirntumoren im fortgeschrittenen Stadium verlängert werden kann. Derzeit kann diese innovative Behandlungsform nur in nuklearen Forschungsreaktoren durchgeführt werden. In Europa findet die Entwicklungsarbeit am Hochflussreaktor (HFR) des Instituts für Energie der GFS in Petten, Niederlande, statt. Die Arbeit wird unter dem Fünften Rahmenprogramm (RP5) der EU finanziert und von einer Forschungspartnerschaft durchgeführt, die sich aus Universitätskliniken in Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Ungarn und den USA zusammensetzt. "Dies ist die erste medizinische Behandlung, die in einem Nuklearreaktor durchgeführt wird. Das Umfeld ist daher nicht nur für die Patienten, sondern auch für das medizinische Personal ungewohnt", erläuterte Dr. A. Witty von der Universität Essen, Deutschland, auf der Pressekonferenz. Die BNCT basiert auf der Fähigkeit des nicht radioaktiven Bor-Isotops 10 B, Neutronen aus einem Neutronenstrahl einzufangen und bei dieser Reaktion zwei extrem energiereiche Teilchen zu produzieren. Diese Teilchen haben eine hohe biologische Wirkung, die Krebszellen abtötet, gesunde Zellen jedoch nur minimal beeinträchtigt. Bislang wurden 27 Patienten im HFR aufgrund eines Glioblastoms, der aggressivsten Form primärer Gehirntumore, behandelt. "Auch wenn keiner dieser Patienten heute noch lebt", so Professor Dr. Wolfgang Sauerwein, "haben die klinischen Phase I Versuche gezeigt, dass das von uns eingesetzte Verfahren sicher ist. Zudem konnten Sicherheitsgrenzwerte und -dosierungen definiert werden." Die Patienten, so Dr. Sauerwein weiter, seien ausgewählt worden, weil sich die Krankheit bei ihnen bereits im fortgeschrittenen Stadium befunden habe und eine konventionelle Strahlentherapie keine Erfolge gezeigt habe. Nachdem die Sicherheit des Verfahrens nachgewiesen wurde, arbeiten Dr. Sauerwein und sein Team nun an der Wirksamkeit der Technologie, der Arzneimittelentwicklung und der Erarbeitung internationaler Sicherheits- und Qualitätsnormen.
Länder
Niederlande