EIB und Weltbank betonen Bedarf an stärkeren Verbindungen zwischen Hochschulen und Industrie in Polen
In einem von der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Weltbank veröffentlichten Bericht zur Hochschulausbildung in Polen ist zu lesen, dass die Verbindungen zwischen der akademischen Forschung und der Industrie nur schwach ausbildet seien und die akademische Welt sich ihres Potentials als Quelle von Innovation und wirtschaftlich überlebensfähigen technologischen Fortschritten nur unzureichend bewusst sei. In dem Bericht wird zudem ein Mangel an Verbindungen zwischen Hochschulen und Industrie in Form von Verträgen oder gemeinsamer Forschung, Personalaustausch, Patentaustausch, Technologielizenzierung sowie Kauf oder gemeinsamer Nutzung von Ausrüstung beklagt. "Dies kann auf das Erbe des kommunistischen Regimes zurückzuführen sein, unter dem die Grundlagenforschung einen wesentlich höheren Stellenwert hatte und größeres Ansehen genoss als die angewandte Forschung, da sie als ideologiefrei betrachtet wurde. Außerdem gibt es nur eine geringe Nachfrage (Pull) vonseiten der Industrie und Unternehmen in Polen, wodurch sich die Förderung von Projekten mit mehr Praxisbezug als schwierig erweist", so der Wortlaut des Berichts. Die vorherrschende Rolle der Grundlagenforschung in Polen hat zu einer Anhäufung von nationalem Fachwissen in verschiedenen Bereichen geführt und auch die Art und Weise beeinflusst, in der Projektvorschläge bewertet werden, so die EIB und die Weltbank. Polen bewertet Institute und Projektanträge auf der Grundlage traditioneller Ergebnisindikatoren für die akademische Forschung, insbesondere anhand von Publikationen in renommierten akademischen Zeitschriften, und räumt industriellen oder gesellschaftlichen Aktivitäten nur einen geringen Stellenwert ein. Dieselben Kriterien bestimmten die Karriereentwicklung polnischer Forscher, die sich wesentlich stärker auf Publikationen in internationalen Fachzeitschriften mit Peer Review konzentrieren als auf Patente oder industrielle Innovationen. Die Lösung, so ist im Bericht zu lesen, bestehe darin, für die Hochschulinstitute umsetzbare Anreize für Veränderung zu schaffen. Die Anreize sollten die Verbindungen zwischen Lehre, Forschung und die Schaffung von Wohlstand betonen und die Hochschulen darin bestärken, die Frage geistigen Eigentums ebenso ernst zu nehmen wie die Publikation der Ergebnisse akademischer Forschung. Als weitere Option stehe die Stärkung oder Einrichtung von Forschungs- und Vermarktungseinheiten zur Verfügung. Es wurde bereits versucht, Gründerzentren, Technologietransferzentren und Wissenschaftsparks in Polen einzurichten, doch bislang nur mit geringem Erfolg. Allerdings konnte hierdurch ein verbessertes Verständnis für die Zeit, Maßnahmen und Hilfsmittel erarbeitet werden, die für eine erfolgreiche Umsetzung vonnöten sind, so der Berichtstext weiter. Die beteiligten Akteure haben entsprechende Zentren im Ausland besucht, um beispielhafte Vorgehensweisen kennen zu lernen. Der Mangel an mittel- und langfristig verfügbarer öffentlicher Finanzierung in Polen mache es jedoch schwer, derartige Beispiele zuhause nachzuahmen. Die Weltbank und die EIB schlagen daher vor, dass die zuständigen Ministerien die Hochschulen darin bestärken sollten, eine Politik der "Auswahl der Besten" zu verfolgen und gleichzeitig die Verbindungen zur Wirtschaft durch die Integration von Praktika in den Studienplan zu intensivieren. Ein EIB-Darlehen in Höhe von 250 Millionen Euro sollte der polnischen Forschungsgemeinschaft in ihren Bemühungen Auftrieb verleihen. "Mit dem Darlehen zur Förderung von Wissenschaft und Innovation sollen Projekte aus den aktuellen und zukünftigen Investitionsprogrammen für Forschung und Innovation in Polen unterstützt werden", erklärte die EIB am 15. Oktober. "Über das EIB-Darlehen werden Zuweisungen aus dem öffentlichen Haushalt finanziert, um einen Beitrag zur Umsetzung ausgewählter Investitionsprojekte zur Förderung von Wissenschaft und Innovation zu leisten", so die EIB weiter.
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