Laut einem Bericht muss die von der EU finanzierte Gesundheitsforschung mehr mit den interessierten Stellen interagieren
Die von der EU finanzierten Forschungsprojekte zur Kontrolle der Infektionskrankheiten zum Wohle der Gesundheit unter dem Fünften Rahmenprogramm (RP5) zeigten einen deutlichen Mehrwert für Europa, aber laut einer Bewertung der Auswirkungen durch das Fraunhofer Institut muss die Interaktion zwischen den Patienten und anderen interessierten Stellen stärker gefördert werden. Das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe bewertete im Auftrag der Generaldirektion Forschung der Kommission die Auswirkungen von 145 Projekten, die im Rahmen der Priorität 'Lebensqualität und Management lebender Ressourcen des RP5 finanziert wurden, auf der Basis ihrer Zwischen- und Abschlußberichte, der Halbzeitüberprüfungen durch externe Sachverständige und telefonischer Befragungen. Hinsichtlich der Planung und der Nutzung der Projekte wurden bei der Interaktion mit Patienten und anderen Interessenten Mängel festgestellt. So wurde beispielsweise die Weiterleitung der Projektergebnisse an die Wissenschaft durch ein generell höhere Anzahl von Veröffentlichungen zufriedenstellend erreicht. Doch laut dem Bericht "gibt es nur wenige Konferenzen, die von den Projekten selbst veranstaltet wurden und an die speziellen Zielgruppen einschließlich der Politiker und der breiten Öffentlichkeit gerichtet waren". Zu den weiteren Problemen, die die Bewerter bei der Projektplanung erkannten, gehörte die Tatsache, dass einige Projektleiter nicht genau abschätzen konnten, wie schwer manche Ziele zu erreichen sind, beispielsweise der Aufbau einer Datenbank oder das Rekrutieren von Patienten, und die langwierigen Vertragsverhandlungen mit der Kommission. In dem Bericht heißt es: "Teilweise waren die Verhandlungen aufgrund zeitraubender Prozesse innerhalb der Kommission in Verbindung mit den erforderlichen Verfahren langwierig und problematisch." Das Fraunhofer Institut kam zu dem Schluss, dass in der Implementierungsphase die Interaktion und Koordinierung der Projekte mit anderen von der EU bezuschussten Projekte sowie nationalen und internationalen Forschungsprogrammen immer noch verbesserungsbedürftig ist. Darüber hinaus könnte in der Struktur von Projekten für die Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen mehr Spielraum gelassen werden, damit die Forscher ihrer Arbeit bei ungünstigen Ergebnissen eine neue Richtung geben können. Einige Teilnehmer erklärten auch, sie seien durch die Vielzahl der administrativen Aufgaben, die sie als unnötig rigide ansahen, fast erschlagen, aber in vielen Fällen wurden auch Feedback und Kontrolle seitens der Kommission geschätzt. Was die quantitativen Auswirkungen der Projekte angeht, kam die Bewertung zu folgendem Schluss: Bei den Initiativen zur Entwicklung eines neuen Medikaments oder Impfstoffs befanden sich 14 in der klinischen Phase I, vier in Phase II und 10 in Phase III, und insgesamt wurden auch neun epidemiologische Studien durchgeführt. Insgesamt waren 33 Patente geplant, 30 waren angemeldet, und acht waren bereits bewilligt worden. Der Bericht erwähnt auch, dass die Forschungsbemühungen insgesamt von internationaler Bedeutung waren, da sich viele der Projekte auf Krankheiten konzentrierten, die vor allem in Entwicklungsländern auftreten. Neben der Bewertung der Projekte in Bezug auf die thematischen Ziele der Priorität Lebensqualität wurde auch die Leistung im Hinblick auf nicht-thematische Ziele bewertet. Obwohl beispielsweise eine Zusammenarbeit in der Industrie in Projekten gut funktionierte, wo es klare kommerzielle Ziele gab, wurde die Gesamtzahl der 122 Industriepartner, die an der thematischen Priorität beteiligt waren, als zu gering angesehen. Laut dem Bericht gab es auch relativ wenige Partner und Koordinatoren aus neuen und kleineren Mitgliedstaaten. Zum Schluss versuchen die Bewerter, aus ihrer Beurteilung Lehren für die Zukunft zu ziehen. Sie sind der Ansicht, dass man sich mehr auf die Beteiligung der Industrie und der klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) an Projekten bemühen sollte, um Produkte rasch auf den Markt zu bringen. Der Bericht spricht auch von der Gefahr, dass das im Lauf eines Projekts gesammelte Wissen aufgrund des begrenzten Budgets nach Projektende verloren gehen könnte. Daher wird empfohlen, dass die Kommission den Kontakt zu erfolgreichen Vertragnehmern und Koordinatoren aufrecht erhält. Schließlich fordert das Team die Kommission angesichts der Risiken, die mit dem Versuch der Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe verbunden sind, dringend auf, flexiblere Finanzierungsprogramme in Erwägung zu ziehen, um sicher zu stellen, dass Teams in der Lage sind, mit eventuell eintretenden Rückschlägen fertig zu werden.