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Fünfjahresbewertung: IST-Programm muss erhalten bleiben, ist jedoch reformbedürftig

Das europäische Forschungsprogramm Technologien der Informationsgesellschaft (IST) stelle eine einzigartige Ressource dar und müsse aus diesem Grund gestärkt werden, so die Schlussfolgerung eines Expertengremiums, das die Fünfjahresbewertung des Programms durchführte. Das Gr...

Das europäische Forschungsprogramm Technologien der Informationsgesellschaft (IST) stelle eine einzigartige Ressource dar und müsse aus diesem Grund gestärkt werden, so die Schlussfolgerung eines Expertengremiums, das die Fünfjahresbewertung des Programms durchführte. Das Gremium unter dem Vorsitz von Professor José Mariano Gago, ehemaliger portugiesischer Minister für Wissenschaft und Technologie, hat die Effektivität des IST-Programms zwischen 1999 und 2003 analysiert. Im Abschlussbericht des Gremiums wird das Programm insgesamt als 'positiv' bewertet und darauf hingewiesen, dass die internationale und institutionelle Kollaboration innerhalb der EU effektiv gefördert werde und dass keine nationalen Alternativen existieren oder entwickelt werden könnten. 'Die europäischen IST-Programme sind einzigartig und müssen gestärkt werden', heißt es im Text. Bei einem Presse-Briefing in Brüssel zur Präsentation der Ergebnisse des Gremiums stellte Professor Gago einige der wichtigsten Erfolge des Programms vor, insbesondere die Entwicklung und Normung der Mobiltelefonie sowie die Einführung von Hochgeschwindigkeitsforschungsnetzwerken wie z.B. GÉANT und GRIDs. Mit Blick in die Zukunft fügte er hinzu, dass das Programm sich dringend der digitalen Veröffentlichung und Archivierung wissenschaftlicher Publikationen zuwenden müsse, um Europas globale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Das Gremium betonte außerdem, wie wichtig es sei, das IST-Forschungsprogramm weiterhin über die GD Informationsgesellschaft - ein von der übrigen Forschungsverwaltung der EU unabhängiges Organ - zu verwalten. Die zentrale Rechtfertigung hierfür ist nach Aussage des Gremiums, dass die GD Informationsgesellschaft über die Kompetenzen verfüge, sowohl das IST-Forschungsprogramm als auch die IST-Politiken umzusetzen. Trotz der positiven Gesamtbewertung des Programms äußerte das Gremium jedoch auch einige Bedenken. Hauptsächlich ging es dabei um den deutlichen Rückgang der Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Europa am Programm. Im Betrachtungszeitraum ging die KMU-Beteiligung von 25 Prozent auf 15 Prozent zurück, eine Tendenz, die die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige Kommissarin Viviane Reding als 'inakzeptabel' bezeichnete. Professor Gago und sein Gremium sind der Ansicht, dass der Grund für diesen Rückgang die Einführung neuer Beteiligungsinstrumente ist. 'Diese großen Integrierten Projekte sollten eine kritische Masse schaffen, sie wurden jedoch nicht gut genug eingesetzt und es gab zu viel Bürokratie. Wenn die ständige Zunahme der Bürokratie nicht gestoppt wird, wird sie die Forschung in Europa zugrunde richten', warnte er. Auf die Frage von CORDIS News, was sie tun könne, um die Bürokratie innerhalb des IST-Programms abzubauen, räumte Kommissar Reding ein, dass die Bürokratie zwar ein großes Problem darstelle, die Kommission jedoch bestimmte Entscheidungen nicht allein treffen könne. 'Ich habe z.B. bereits Diskussionen mit dem Europäischen Parlament angeregt über die Frage, wie finanzielle Entscheidungen getroffen werden. Mit den derzeitigen Kontrollmechanismen wird versucht, finanzielle Risiken auszuschließen, aber in der Forschung geht es um den Eingang von Risiken, so dass diese Situation kontraproduktiv ist. Reformen können allerdings nur durch eine Zusammenarbeit von Parlament, Kommission und Rat erreicht werden', fügte sie hinzu. Das Gremium bemerkte außerdem, dass die Gesamtziele der EU für die Informationsgesellschaft nicht durch Forschung allein erreicht werden können und dass daher ein verbesserter IST-Politikmix erforderlich sei. Zu den maßnahmenbedürftigen Bereichen zählen bessere Vorschriften und Politiken für die Schaffung eines neuen Marktes für Technologien, Maßnahmen, die auf die Stimulierung von Innovation und die Verbesserung der Aufnahme von Forschungsergebnissen ausgerichtet sind, sowie die Notwendigkeit, Risiken und Sicherheitsfragen innerhalb eines einzigen kohärenten Rahmenwerks zu behandeln. Schließlich warnte das Gremium, dass die Schaffung eines neuen EU-Mechanismus, wie z.B. des Europäischen Forschungsrats, für die Förderung der Grundlagenforschung nicht die gezielte Grundlagenforschung aus dem IST-Bereich herausnehmen dürfe. 'Typischerweise müssen im IST-Bereich Grundlagen- und angewandte Forschung eng beieinander entwickelt werden und sollten daher in einem einzigen Programm positioniert werden', so der Bericht. Auf die Bitte von CORDIS News, seine Aussage zu erläutern, betonte Professor Gago, dass das Gremium keine Einwände dagegen habe, dass ungerichtete IST-Grundlagenforschung innerhalb eines separaten Rahmenwerks durchgeführt werde. Abschließend begrüßten Professor Gago und sein Gremium Forderungen nach einer Erhöhung des Gesamtforschungsbudgets der EU und führten an, dass IST weiterhin einen der größten Investitionsbereiche unter dem Rahmenprogramm darstellen sollte. 'Das IST-Programm ist für Europa ein wertvolles Gut und muss fortbestehen', schloss er.