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Forscher und MdEPs nehmen zu forschungspolitischen Vorschlägen der Kommission Stellung

'Was Europa braucht, ist politischer Wille. Dieser bildet sich derzeit zwar heraus, muss jedoch explizit und klar geäußert werden', so der Tenor einer öffentlichen Anhörung zur Zukunft der europäischen Forschung, die am 24. Januar im Ausschuss für Industrie, Forschung und Ener...

'Was Europa braucht, ist politischer Wille. Dieser bildet sich derzeit zwar heraus, muss jedoch explizit und klar geäußert werden', so der Tenor einer öffentlichen Anhörung zur Zukunft der europäischen Forschung, die am 24. Januar im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments stattfand. Der Aufruf kam von Carl Sundberg, Professor am schwedischen Karolinska-Institut, der zudem dem Wunsch äußerte, 'dass sich mehr Parlamentarier für die Wissenschaft stark machen'. Auf der Anhörung hatten Vertreter der Forschungsgemeinschaft die Möglichkeit, sich zu den Vorschlägen der Kommission zur Zukunft der europäischen Forschung zu äußern und darzulegen, in welche Richtung die Vorschläge ihrer Ansicht nach entwickelt werden sollten. Die MdEPs waren an der Reaktion der beteiligten Akteure auf die Vorschläge interessiert und wollten klarstellen, was ihrer Meinung nach die Prioritäten für die Forschungspolitik sein sollten. Die Diskussionen konzentrierten sich insbesondere auf die Grundlagenforschung und den geplanten Europäischen Forschungsrat (ERC), kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Innovation, vorrangige Themenbereiche und Technologieplattformen. In ihren Präsentationen wiesen Professor Sundberg und Federico Mayor, Vorsitzender des ERC-Expertengremiums, auf die Bedeutung einer unabhängigen Leitung des ERC hin. Zudem sei es wichtig, den ERC dazu zu nutzen, mehr Forscher aus Drittländern nach Europa zu locken. Horst Soboll von UNICE brachte seine Unterstützung für den ERC zum Ausdruck, sofern diese neue Einrichtung nicht zulasten der Industrie gehe. Die Gründung müsse ergänzend zu bestehenden Aktivitäten des Rahmenprogramms erfolgen, erläuterte er. Im Anschluss an die Präsentationen ergriffen zahlreiche MdEPs das Wort, unter anderem mit Fragen zur Struktur des ERC, zur Gefahr einer Überschneidung mit den Maßnahmen der Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Grundlagenforschung und zum sich für Europa ergebenden Mehrwert. Die britische Europaabgeordnete Eluned Morgan warf die Frage auf, ob Teams, die aus Forschern nur eines Landes bestehen, überhaupt Fördermittel erhalten könnten, wenn Erstklassigkeit das einzige Förderkriterium sei. 'Wo liegt der Mehrwert für Europa?' fragte sie. Diese Frage wurde in zweifacher Weise beantwortet. Professor Sundberg erklärte, dass der Mehrwert für Europa sich aus einer kritischen Masse ergeben werde, d.h. aus der Zusammenführung von Wissenschaftlern aus ganz Europa für die Bewertung von Vorschlägen. Giles Chichester, Vorsitzender des ITRE-Ausschusses und britischer Europaabgeordneter, fügte hinzu: 'Meiner Ansicht nach wird durch die Tatsache, dass diese Teams sich gegenüber den besten in Europa behaupten müssen, bereits Mehrwert für Europa generiert.' Berichterstatterin Pia Locatelli fasste die Debatte über den ERC mit den folgenden Worten zusammen: 'Die große Zahl an Fragen zur Funktionsweise des Europäischen Forschungsrates belegt, welche Bedeutung und Wichtigkeit dem ERC beigemessen wird. Er bildet ein Sprungbrett hin zur Schaffung eines Europäischen Forschungsraums, der vielleicht ebenso bedeutsam ist wie der Binnenmarkt oder die Währungsunion.' Im Hinblick auf KMU wies Susana Borrás von der Universität Roskilde in Dänemark darauf hin, dass verschiedene politische Ansätze erforderlich seien, um die Zukunft von KMU erfolgreich zu gestalten. 'Innovative KMU sind zwischen Forschungs- und Unternehmenspolitik gefangen', erläuterte sie. Erforderlich sei ein breiter Politikmix bestehend aus physischen Infrastrukturen, Umweltpolitik, Ausbildung, Informationsverbreitung, Forschung, Wagnis- oder Risikokapital und Cluster-Bildung. Borrás forderte, dass das Siebte Forschungsrahmenprogramm (RP7) für KMU besser zugänglich sein müsse. Sie wies zudem auf die Erfordernis hin, sich stärker auf Wissenschafts- und Technologieparks (die sie als 'Innovationsschmieden' bezeichnete), die Verbreitung von Wissen und den Technologietransfer an den Universitäten zu konzentrieren. Darüber hinaus sollen die zukünftigen EU-Politiken die Rahmenbedingungen für Innovation in Clustern schaffen, das Engagement einer großen Vielzahl lokaler Akteure fördern und grenzüberschreitende Partnerschaften für politische Lernprozesse stimulieren, fügte sie hinzu. Philomela Komninou, Lehrbeauftragte an der Aristoteles-Universität von Thessaloniki, Griechenland, plädierte für mehr Fördermittel für Humanressourcen und Mobilität unter dem RP7. Auf die selbst aufgeworfene Frage 'Wie konnte es soweit kommen?' antwortete Professor Komninou mit dem Verweis auf einen Mangel an öffentlicher Anerkennung für Forscher, fehlende Anreize und Laufbahnentwicklungspläne, Einschränkungen hinsichtlich der Anzahl an Vertragsverlängerungen und die mit kurzfristigen Verträgen verbundene Unsicherheit. Im Namen der Europäischen Kommission betonte Raffaele Liberali sein Engagement für die neuen Initiativen, um die besten Köpfe nach Europa zu holen und hier zu halten. Bezüglich eines Themenkomplexes, zu dem die Diskussionen noch aufgenommen werden müssen, stellte Sigurd Lettow die Sichtweise der Helmholtz Gemeinschaft zu den Forschungsprioritäten für das RP7 vor. Er führte sechs Forschungsgebiete an, die Berücksichtigung finden sollten: erneuerbare Energien, Erdsysteme und Umweltforschung, Gesundheitsforschung, neue Technologien und Materialien, Verkehrswesen sowie informationsverarbeitende Technologien. Darüber hinaus forderte er eine Förderung interdisziplinärer Ansätze durch die Integration des aktuellen NEST-Programms (Neue und sich abzeichnende wissenschaftliche und technologische Entwicklungen) in die vorrangigen Themenbereiche sowie durch die Veröffentlichung einer größeren Zahl an gemeinsamen Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen. Im Anschluss an einer formale Antwort des Parlaments und des Rates erwartet die Kommission bis Mitte 2006 eine endgültige Entscheidung zur zukünftigen Forschungspolitik.