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Polnischer Astronom hat Sterne in den Augen und Kopernikus in seinen Genen

Wenn man polnische Astronomen fragen würde, warum ihr Land überproportional viele führende Weltraumwissenschaftler hervorbringt, würde bald einer sagen: "Weil wir Kopernikus in unseren Genen haben." Zu Beginn der 90er Jahre, als das riesige Radioteleskop im Oberservatorium v...

Wenn man polnische Astronomen fragen würde, warum ihr Land überproportional viele führende Weltraumwissenschaftler hervorbringt, würde bald einer sagen: "Weil wir Kopernikus in unseren Genen haben." Zu Beginn der 90er Jahre, als das riesige Radioteleskop im Oberservatorium von Arecibo auf Puerto Rico repariert werden musste, nutzte Professor Wolszczan die Stillstandszeit des Teleskops und überzeugte seine Direktoren davon, dass er es für die Suche nach kurzperiodischen Pulsaren benutzen durfte. Er fand seine Pulsare, von denen sich einer besonders merkwürdig verhielt, und später stellte sich heraus, dass er das Zentrum des ersten Planetensystems ist, das überhaupt neben unserem eigenen bisher entdeckt wurde. Nach seiner Veröffentlichung zu Beginn der 90er Jahre lösten die Forschungen von Professor Wolszczan eine weltweite Jagd nach weiteren extraterrestrischen Planetensystemen aus, und seine daraus resultierende Popularität hat ihn nach seinen Worten in seiner Heimat zu einer "kleinen" Berühmtheit gemacht. So "klein" übrigens, dass sein Porträt auf einer der 16 Gedenkbriefmarken zu Ehren der polnischen Entdeckungen im letzten Jahrtausend zu sehen ist. Bohdan Paczynski, Professor für Astrophysik an der Princeton Universität in den USA, bezeichnet Wolszczans Entdeckung "als die größte Entdeckung eines polnischen Astronoms seit Kopernikus". Ob nun Professor Wolszczan viel von Kopernikus in seinen Genen hat oder nicht, lässt sich schwer sagen, aber hinsichtlich der allgemeinen hervorragenden Leistungen der polnischen Astronomie könnte seiner Ansicht nach an dieser Vermutung etwas dran sein. Professor Wolszczan erkennt den Beitrag der Tradition von Kopernikus an, aber er führt noch einen weiteren, praktischeren Grund für die derzeitige Stärke des Landes in der Weltraumwissenschaft an: "Es gibt eine Vielzahl hervorragender [polnischer] Astronomen, die in den USA arbeiten und noch Verbindungen zu Polen unterhalten, was eine große Hilfe ist. Wir haben einige sehr gute Leute, die in amerikanischen Einrichtungen an strategisch wichtigen Stellen sitzen." Obwohl er immer noch im Torun-Zentrum für Astronomie der Nikolaus-Kopernikus-Universität lehrt, verbringt Professor Wolszczan nun seine meiste Zeit in den USA, wo er eine Evan-Pugh-Professur in Astronomie und Astrophysik an der Universität von Pennsylvania hat. Angesichts seiner eigenen Auswanderung fragte CORDIS Nachrichten Professor Wolszczan, ob die Abwanderung von Wissenschaftlern aus Polen in die USA eine weit verbreitete Wirklichkeit sei, und wenn ja, welche Gründe es dafür gäbe. Er antwortete: "Es stimmt, dass es einen Brain-Drain in die USA gibt, und ich kann mir auch denken, warum dies so ist. In den USA gibt es mehr Möglichkeiten und gewissermaßen auch mehr Flexibilität. Wenn eine Einrichtung in den USA jemanden gut findet, bekommt diese Person viele Möglichkeiten geboten - das Leben wird den besten Leuten einfacher gemacht." Weiter sagte er: "Ich will damit nicht sagen, dass es diese [flexible] Einstellung in Osteuropa oder Europa insgesamt nicht gibt, aber es gibt zu viel Verwaltung. Die Rahmenprogramme beispielsweise sind äußerst hilfreich, aber zunächst muss man sich durch einen Dschungel aus Papierkram kämpfen. Der Prozess sollte beträchtlich vereinfacht werden, und das dürfte nicht allzu schwierig sein. Obwohl Professor Wolszczan einräumt, dass seine Ansichten über die Wissenschaft in Polen wohl subjektiv sind, da er die meiste Zeit in den USA verbringt, hat er doch das Gefühl, dass eine weitergehende Umstrukturierung der Wissenschaftsbasis erforderlich ist: "Die europäische Integration wird hilfreich sein, wenn sie richtig eingesetzt wird. Aber wir müssen uns von dem ungewollten Erbe des früheren Systems lösen, das zu hierarchisch und traditionell war. [...] Es gibt immer noch Menschen, die sich gegen Veränderungen wehren, und dieser Widerstand wurde noch nicht überwunden." Trotz der Tatsache, dass sich die polnische Wissenschaft im Vergleich zu ähnlich gearteten Ländern nach Professor Wolszczan "überraschend gut" gemacht hat, ist er sich nicht sicher, welchen Weg das Land für die Zukunft einschlagen sollte. Er überlegte: "Ich bin versucht, Folgendes zu sagen: Wenn du in der Wissenschaft kein Riese bist, dann such dir einige Bereiche von universeller Bedeutung und bemühe dich. Aber dann läufst du Gefahr, die breitere Sicht der Dinge zu verlieren. Vielleicht muss man eine Art Kompromiss zwischen beidem finden." Auf die Frage, wie seine Entdeckung sein Leben und seine Perspektive verändert hat, wird Professor Wolszczan verständlich philosophisch: "Es hat mich zu einer kleinen Berühmtheit gemacht, was natürlich sehr angenehm ist. Wichtig ist jedoch, dass es mir dieser Status erlaubt, nützliche Dinge in Polen zu tun. Als ich zufällig über meine Entdeckung stolperte, hat sie meine Sichtweise völlig verändert - ich erkannte, wie wichtig es ist, sein Wissen an andere weiterzugeben." Professor Wolszczan ist fest davon überzeugt, dass ein tieferes Verständnis unseres Universums langfristig für unser Überleben als Rasse unabdingbar ist. "Wenn wir anderswo Leben finden - und das müssen keine kleinen grünen Männchen sein, schon die ursprünglichste Lebensform würde reichen - wäre dies ein wichtiges Element für die Veränderung der Zivilisation auf der Erde, und wir werden hoffentlich etwas sensibler", meinte Professor Wolszczan, und er schloss mit den Worten: "Und wenn wir lange und mühsam nach Leben suchen und letztendlich keines finden, würden wir doch von dieser Erfahrung profitieren, denn wir hätten dann eine Vorstellung davon, wie selten doch unser belebter Planet in Wirklichkeit ist."

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Polen